Bunter Eisenhut

Vorkommen und Verbreitung: Der bunte Eisenhut ist unter anderem auf basen- und nährstoffreichen Hochstaudenfluren in den höheren Lagen der Alpen anzutreffen. Seltener kann die Pflanze auch als verwilderter Kulturflüchtling in Stromtälern von Flüssen gefunden werden. In den Gärten wird sie öfter als Zierpflanze verwendet.

Wuchsform: Beim Eisenhut handelt es sich um eine krautig wachsende, ausdauernde Pflanze. Unter der Erde bildet sich eine kugelige Knolle als Wurzel aus. Jedes Jahr bildet sich eine neue Tochterwurzel aus, da der Teil – welcher die Vorjahreswurzel gebildet hat – abstirbt. Der bunte Eisenhut kann eine Wuchshöhe zwischen 25 bis 200 cm (seltener auch bis zu 250 cm) erreichen. Überirdisch bilden sich aufrechte, steife Stängel. Im oberen Teil besitzen sie eine reiche Verzweigung.

BIätter: Die Blätter sitzen wechselständig an den Stängeln. Die einzelnen Blätter bestehen aus fünf bis sieben Blattteilen (Blattspreiten). Diese sind tief gespalten (handförmig geschnitten – da nicht bis ganz nach unten durchgehend eingeschnitten) und bilden mit den gesägten Rändern die typische Hahnenfuß-Form. Bei den Stängelblättern sind die Blattnerven auf der Oberseite sowie Unterseite deutlich erkennbar. Diese erinnern dabei an ein verzweigtes Netz. Die Blätter sind dunkelgrün gefärbt.

Blütenstände: Die Blütenstände bestehen aus dichten, endständigen Traube am oberen Ende der Stängel. Zwischen den einzelnen Blüten sind jeweils kurze, verzweigte Blattstiele, die oft hin und her gebogen sind. Die Blütenstiele sind kahl bzw. unter den ersten Blättern am Stängel (Vorblätter) bilden sich kurze Härchen aus. Die Vorblätter sind meist in der Mitte der Blütenstängel / knapp unter der Blüte zu finden und haben eine tief eingeschnittene, fingerartige Form.

Blüten: Die einzelnen Blüten sind helmförmig aufgebaut. Die Perigonblätter sind dabei violett bis blau gefärbt mit grünen / weißen Schecken. Der Helm ist dabei meistens höher als breiter (maximal so breit wie hoch!). In der Mitte der Blüte bildet sich eine Vielzahl von weiß gefärbten Staubblätter (weiße Staubfäden / schwarze Staubbeutel). Der Blütenhelm ist auf der Außenseite an den Blatträndern leicht behaart. Die Nektarblätter sitzen beim Eisenhut im oberen, helmförmigen Kelchblatt. Hierdurch können sie nur durch langrüsselige Insekten erreicht werden. Zu den Hauptbestäubern zählen unter anderem Bienen, Hummeln und andere Hautflügler. Die Blütezeit reicht von Juli bis in den September.

Besonderheiten der Blüten 3: Die Blüten des bunten Eisenhut werden unter anderem von Hummeln bestäubt. Eine ausschließlich auf die Gattung des „Eisenhut“ (Aconitum) spezialisierte Hummel-Art ist die „Eisenhut-Hummel“ (Bombus gerstaeckeri). Sie ernährt sich fast ausschließlich von dem Nektar und den Pollen des Eisenhutes. Selten / Ausnahmsweise wurden auch Beobachtungen an der Silberdistel festgestellt. Die Hummeln besuchen zunächst den früher im Jahr blühendenden gelben Eisenhut / Wolfs-Eisenhut. Später im Jahr sind sie an den Blüten des blauen und bunten Eisenhut zu finden. Als Lebensraum der besonderen Hummelart (einzige auf eine Pflanze spezialisierte einheimische Art) wird als Berghänge mit großen Eisenhutbeständen angegeben. Diese sind vor allem in den Alpen und Pyrenäen zu finden.

Früchte: Die Früchte bilden sich nach der Blüte aus und sind länglich, am Ende spitz zusammenlaufend geformt. Bei voller Reife werden die Samenkapseln bräunlich und platzen auf. Oft stehen zwei bis drei Samenkapseln zusammen an den Enden der Blütenansätze. Die Außenhülle der Samenkapseln ist wellig aufgebaut und im Inneren mit 4 bis 6 häutigen Querlamellen ausgestattet.

Namensherkunft: Die Erklärung für die Herkunft des botanischen Gattungsnamen „Aconitum“ ist nicht abschließend geklärt. Es werden in der Literatur verschiedene Möglichkeiten genannt. In „Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft“ wird aufgezeigt, dass der Name von alten Autoren in verschiedenen Sinnen gebraucht wurde. Es ist dabei wohl eine Vorsicht bei der Interpretation walten zu lassen. Auch Genaust gibt in seinem „Etymologischen Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen“ verschiedene Möglichkeiten an.

Theorie 1: Die erste Theorie liefert das „Taschenwörterbuch für Botaniker“. Hier wird “ἐν ἀκόναις“ – zu deutsch “auf (schroffen) Felsen (wachsend)“ – als Erklärung für den Namen angegeben 4.

Theorie 2: Eine weitere Theorie bildet die Ableitung aus der griechischen Mythologie. Hiernach soll Herakles den Höllenhund “Kerberos“ aus der Unterwelt in die Oberwelt gebracht haben. In der Oberwelt tropfte Speichel aus den drei Mäulern von Kerberos. Hieraus soll der giftige Eisenhut gewachsen sein. Der Legende nach ist dies am Berg „Akonitos“ geschehen sein. Hieraus soll sich der Gattungsname “Aconitum“ ableiten. – Quelle „Naturkundemuseum Karlsruhe“ 5

Der botanische Artname “variegatum“ leitet sich von dem lateinischen Wort „variabilis“ – zu deutsch „veränderlich“ ab.

Der deutsche Name “Bunter Eisenhut“ soll sich von der Form der Blüten ableiten, da diese eine ähnliche Form zu einem Helm haben. Das obere Blütenblatt erinnert dabei an den „Helm“. Im Mittelhochdeutschen wurde der Helmschmied auch „Eisenhuter“ (mhd. îsen-huoter / îsen-huot) genannt. 6 Der Namenszusatz „bunter“ stammt aus den verschiedenen Farben der Blütenblätter.

Volkstümliche Namen: Im schwäbischen ist der Eisenhut unter verschiedenen volkstümlichen Namen bekannt. Zu diesen zählen unter anderem 7:

nach der Form der Blüte: Kappestock, Narrekapp, Soldatekapp, Altweiberkapp
– nach der Giftigkeit der Pflanze zur Bekämpfung von Wildtieren: Wolfstod, Fuchswurz, Hundstod
Hinweise zum Umgang mit der Pflanze

Wichtiger Gefahrenhinweis zur Pflanze: Es handelt sich beim bunten Eisenhut um eine tödlich giftige Pflanze. Es wird stark davon abgeraten die Pflanze im Garten zu kultivieren wenn Kinder im Haushalt leben. Bei Berührung mit Pflanzenteilen ist dazu zuraten die betroffenen Stellen gründlich abzuwaschen. Auch bei Haltung von Haustieren ist von einer Kultivierung abzusehen, da sie für Pferde, Rinder, Hunde, Katzen, Hasen, etc. sehr giftig ist. Beim Umgang und der Gartenarbeit mit der Pflanze sollten dringend Handschuhe verwendet werden! Auf keinen Fall sollte die Haut mit den Pflanzensäften in Berührung kommen. Die abgeschnittenen Pflanzenteile dürfen nicht auf dem Kompost verwendet werden! Die Pflanzengruppe „Eisenhut“ bildet die giftigsten Pflanzen Deutschlands.

Giftigkeit der Pflanze

Giftigkeit der Pflanze: Bunter Eisenhut wird als Giftpflanze bezeichnet, denn die gesamte Pflanze ist hoch giftig! Bereits die Berührung der Pflanze kann zu Hautenzündungen führen. Es wird von der Anwendung als Heilpflanze dringend abgeraten!

Giftige Inhaltsstoffe der Pflanze: Vorwiegend in den Knollen, aber auch in den restlichen Teilen der Pflanze ist das stark wirksame Alkaloid „Talasitamin“ enthalten.

Gefährdung der Pflanze: Bunter Eisenhut steht wie alle Eisenhut-Arten unter strengem Schutz und sollte auf keinen Fall gepflückt werden! Die Pflanze ist in der Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV 8) aufgeführt. Auf der Roten Liste für Deutschland ist er bisher als noch nicht gefährdet eingestuft. Dennoch steht sie bereits auf einigen regionalen Roten Listen. Die einzelnen Gefährdungsgrade sind wie folgt,

– Baden-Württemberg: Vorwarnstufe (Status: V)

– Bayern: gefährdet (Status: 3)

– Hessen: gefährdet (Status: 3)

– Sachsen: Vorwarnstufe (Status: V)

– Sachsen-Anhalt: gefährdet (Status: 3)

– Thüringen: gefährdet (Status: 3)

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2


  1. Parolly, Gerald/Jens G. Rohwer: Schmeil-Fitschen – Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder: Ein Buch zum Bestimmen aller wildwachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen – 97. Auflage, Quelle&Meyer Verlag GmbH & Co, 18.02.2019, S. 372 ↩︎
  2. Adler, Wolfgang: Exkursionsflora von Österreich: Bestimmungsbuch für alle in Österreich wildwachsenden sowie die wichtigsten kultivierten Gefässpflanzen (Farnpflanzen und Samenpflanzen) mit Angaben über ihre Ökologie und Verbreitung, 01.01.1994, S. 272 ↩︎
  3. wildbienen.de – Eisenhuthummel – Bombus gerstaeckeri – abgerufen am 13.10.2025 ↩︎
  4. Taschenwörterbuch für Botaniker und alle Freunde der Botanik: enthaltend die botanische Nomenklatur, Terminologie und Litteratur nebst einem alphabetischen Verzeichnisse aller wichtigen Zier-, Treibhaus- und Kulturpflanzen, sowie derjenigen der heimischen Flora, S. 61 – Biodiversity Heritage Library: o.D.b ↩︎
  5. Kerberos und der Eisenhut | Naturkundemuseum Karlsruhe: o.D. – abgerufen am 13.10.2025 ↩︎
  6. „îsen-huot, stm.“, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch von Matthias Lexer, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25, abgerufen am 13.10.2025 ↩︎
  7. Müller, Theo: Schwäbische Flora, S. 98 – 01.11.2018 ↩︎
  8. Verordnung zum Schutz wild lebender Tier- und Pflanzenarten (Bundesartenschutzverordnung – BArtSchV) ↩︎

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