Blauregen / Glyzinie

Vorkommen und Verbreitung: Der chinesische und japanische Blauregen kommt in Europa und Nordamerika ausschließlich als Zierpflanze vor. In den USA gibt es eine heimische Art: Amerikanische Wisteria (Wisteria frutescens (L.) Poir.). Häufig werden die Pflanzen in Parks oder an Häusern zur Begrünung angepflanzt. Es gibt verschiedene Sorten und Züchtungen im Fachhandel zu kaufen. Die natürliche Verbreitung des chinesischen und japanischen Blauregens beschränkt sich auf China und Japan respektive. Dort ist die Pflanze in den Auwäldern und Ufergebüschen zu finden. In Europa gilt die Pflanze bereits seit dem Jahr 1816 als Zierpflanze [citation needed].

Wuchsform: Es handelt sich um eine Kletterpflanze (Kletterstrauch), die am Haupttrieb schnell verholzt (lianenartig). Sie ist ausschließlich sommergrün. Die Pflanze kann eine Höhe zwischen 6 bis 10 Meter (seltener auch bis zu 20 / 30 Meter) erreichen. Im Winter blieben ausschließlich die verholzten Pflanzenteile bestehen. im Frühling und über den Sommer bilden sich hellgrün gefärbte Nebentriebe aus. Diese dienen der Pflanze zur weiteren Verbreitung durch „hinaufschlingen“ oder der Suche nach neuen Wirtspflanzen.

Blätter: Die Blätter sind an den dünneren Nebentrieben oft paarweise gegenständig angeordnet. Die einzelnen Blätter sind unpaarig gefiedert. Der Rand der Fiederblättchen ist glatt. Die Oberseite der Blätter ist in jungem Zustand gelbgrün gefärbt, später wird die Oberseite der Blätter dunkelgrün.

Blüten: Der Blauregen bildet am Ende der Nebentriebe endständige, große Blütentrauben aus. Diese hängen von der Pflanze weg nach unten. Die einzelnen Blütentrauben bestehen aus einer Vielzahl von blau / hellviolett gefärbten Blüten. Die Blüten sind zygomorph aufgebaut und haben eine doppelte Blütenhülle. Die Blüten werden ausschließlich durch die blaue Holzbiene bestäubt. Diese ist vor allem am häufig angepflanzten chinesischen Blauregen (Wisteria sinensis) zu finden. Der chinesische Blauregen hat eine Blütezeit von April bis Mai. Der japanische Blauregen blüht bereits am Anfang bis Mitte des Frühlings.

Früchte: Die Früchte bestehen aus ein bis mehrsamigen Hülsenfrüchten. Diese sind länglich aufgebaut und haben eine samtige Behaarung auf der Oberfläche (seltener kommen auch Samen ohne Behaarung vor). Die Hülsenfrüchte sind beim chinesischen Blauregen grünlich gefärbt, mit leichten Samthaaren überzogen und haben einen flachen Aufbau. Die Hülsenfrüchte des japanischen Blauregens besitzen eine dunkelbraune bis graubraune Farbe. Die Fruchtreife wird bei beiden Arten im Juni bis Juli erreicht. Die zweite Blüte führt meist auch zu Samen, welche aber im Winter nicht mehr heranreifen und sich oft erst im nächsten Frühjahr öffnen.

Weitere Informationen zur Wuchsform: Es handelt sich beim chinesischen Blauregen um einen Linkswinder (d.h. die Schlingpflanze windet sich gegen den Uhrzeigersinn um die Wirtspflanze). Beim verwandten japanischen Blauregen handelt es sich hingegen um einen Rechtswinder (hier bilden sich auch meist mehrere Stämme aus)!

Detaillierte Beschreibung der Blüten: Die Kronblätter können bei einigen Zuchtformen auch eine weiße Färbung haben. Bei den weiteren Arten reicht die Blütenfarbe von blau über hellviolett bis zu dunkelviolett. Die oberen zusammengewachsenen Blütenblätter (Fahne) sind größer als die unteren Blütenteile (Schiffchen) mit den Flügeln (an der Seite des Schiffchens herausstehende Blütenteile). Insgesamt besteht die Blüte aus fünf Blütenblättern (sog. Schiffchenblüten). Im Inneren des Schiffchens (unterer Blütenteil) bilden sich der Fruchtknoten mit dem Griffel (welcher glatt ist) aus. Um den Griffel stehen die 10 Staubblätter (diese sind meist paarweise miteinander verwachsen). Es handelt sich bei den Blüten um zwittrige Blütenstände. Die blaue Holzbiene ist die einzige Bestäuberin der Blüte, da diese als einzige den Bestäubungsmechanismus der Blüten (aufgrund ihres Gewichtes) auslösen kann.

Unterscheidung der zwei häufigsten Blauregen-Arten: Die Blüten beider Blauregen-Arten werden in der Literatur als wohlriechend beschrieben. Die Blüten des japanischen Blauregens (Wisteria floribunda) werden als kleiner, stärker riechend und in lockeren Rispen stehend beschrieben. [Bulletin of Popular Information (Arnold Arboretum, Harvard University) 3, no. 8 (1917): page 30; http://www.jstor.org/stable/42960658]

Detaillierte Beschreibung der Samen: Bei Reifung der Samen verdicken sich die einzelnen Kammern der Samenstände. Die Samenkapseln platzen bei voller reife auf. Hierdurch kommt es zu einer sprunghaften Verteilung der Samen über mehrere Meter. Die aufgeplatzten Samenkapseln haben eine „Korkenzieherform“. Auf der Innenseite sind sie glänzend. Die einzelnen Samen sind dunkelbraun bis schwarz gefärbt und rundlich. Die Oberfläche ist glatt bis runzelig.

Giftigkeit der Pflanze: Es handelt sich beim Blauregen um eine Giftpflanze, welche in allen Teilen giftig ist! Es ist daher besondere Vorsicht im Umgang mit der Pflanze geboten. Beim Schneiden der Pflanze sollten unbedingt Handschuhe getragen werden. Der Grünschnitt darf nicht auf dem eigenen Komposthaufen verwendet werden, da im Pflanzensaft der Ästen, Zweigen und Blätter Giftstoffe enthalten sind. Besonders die Fruchthülsen mit den Samenkörnern zählen zu den giftigsten Pflanzenteilen. Die Samen sollten auf keinen Fall gegessen werden! Ab bereits zwei Samen wird von einer kritischen Dosis für Kinder gesprochen. [Quelle: GIZ Nord]

Inhaltstoffe: Wistarin (Glykosid), ähnlich zum Cytisin (Giftstoff im Goldregen), aber mit einer weniger starken Wirkung (dies wurde in Versuchen aus dem Jahr 1887 aus der Rinde gewonnen) – dieser Giftstoff ist aber vor allem in der Rinde und den Wurzel vermehrt enthalten. Des weiteren sind noch in den Blättern ein toxisches Harz sowie Allantoinsäure und Lectine enthalten.

LD50 für Tiere: Unbekannt

LD50 für Menschen: Unbekannt; nicht klinisch nachgewiesen!

Symptome einer Vergiftung mit Blauregen: Der Giftstoff Wistarin hat eine nikotinartige Wirkung bei Menschen. Hierbei wird vor allem eine Auswirkung auf das Rückenmark (hier vor allem auf die Ganglien – Nervenzellenansammlung) sowie die Medulla oblongata (verlängertes Mark im Hirnstamm am Ende des Rückenmarks) beobachtet. Diese sind vor allem für die folgenden Körperfunktionen zuständig: Brechreiz, Atmung und „Vasomotoren“ (Nerven die für die Blutgefäße und den Blutdruck zuständig sind). Da es hierbei zunächst zu einem erregenden Zustand und später einem lähmenden Zustand kommt, ist eine körpereigene Regelung der vorgenannten Funktionen in den meisten Fällen ohne Behandlung nicht mehr möglich.

Es kommt vor allem zu Magenbeschwerden mit Bauchschmerzen sowie Erbrechnen und Durchfall. Ein weiteres Anzeichen für eine Vergiftung sind erweiterte Pupillen sowie Kreislaufstörungen und gegebenenfalls auch zum Kreislaufkollaps. Je mehr Samen eingenommen wurden, desto ausgeprägter sind die Beschwerden, da eine höhere Menge an Gift freigesetzt wird. In schweren Vergiftungsfällen kann der Tod durch Atemstillstand (aufgrund der Lähmung der Atemmuskulatur) und Kreislaufstillstand eintreten.

Erste Hilfe: Bereits bei einem Verdacht auf eine Vergiftung mit der Pflanze sollte sofort eine ärztliche Behandlung erfolgen! Es können keine Eigenmaßnahmen ergriffen werden!

Weitere Namen des Blauregens: Die Pflanze ist unter verschiedenen weiteren Namen bekannt. Zu diesen zählen unter anderem Wisterie (als Ableitung von dem botanischen Gattungsnamen „Wisteria“) sowie Glyzinie.

Namensherkunft: Der Name Glyzinie stammt von dem altgriechischen Wort “γλυκύς (glykys)” ab. Dies lässt sich mit süß ins Deutsche übersetzen – da einige Arten der Glycinen-Gattung tatsächlich süße Wurzeln haben. Der Blauregen ist nicht zu dieser Pflanzengattung zugehörig! Siehe hierzu auch Weitergehende Recherchen zur Namensherkunft. Der botanische Gattungsname Wisteria wurde zu Ehren des deutsch-amerikanischen Arzt Caspar Wistar (1761–1818) durch den britischen Botaniker und Zoologen Thomas Nuttall in seinem Werk The genera of North American plants, and a catalogue of the species, to the year 1817 gewählt. Der deutsche Name „Blauregen“ soll sich aus den blau gefärbten, hängenden Blütentrauben entwickelt haben.

Namensherkunft des Gattungsnamens: Der Botaniker Carl von Linné hat die Erstbescheibung der Pflanzengattung „Glycine L.“ in seinem Werk Species plantarum vorgenommen. Hierbei ordnete er auch fälschlicherweise Blauregen der Gattung der Glycine zu. Der Gattungsname „Glycine“ wurde durch den Botaniker Carl Ludwig von Willdenow in seinem Werk Species Plantarum. Editio quarta 3 (2), Seite 1053 aus dem Jahr 1802 übernommen. Die Neugliederung auf den Gattungsnamen „Wisteria“ erfolgte durch den britischen Botaniker und Zoologen Thomas Nuttall in seinem Werk The genera of North American plants, and a catalogue of the species, to the year 1817.

Es wird davon ausgegangen, dass der Gattungsname „Wisteria“ mit einem Schreibfehler behaftet ist, da der deutsch-amerikanischen Arzt „Caspar Wistar“ hieß. Ein Nachweis hierfür besteht nicht. Es scheint aber eine plausible Theorie zu sein.

Namensherkunft des chinesischen Blauregens: Es kann davon ausgegangen werden, dass Linné in seinem Werk vermutlich eine der beiden Blauregenarten bereits erwähnt hat [wie oben]. Die erste Neuzuordnung des chinesischen Blauregens erfolgte durch den britischen Botaniker John Sims (1749 – 1831). Dieser Vergab den botanischen Namen „Glycine sinesis“.

Die zweite Neubeschreibung und gleichzeitige Neueinordnung zur Gattung Wisteria erfolgte durch den Botaniker Augustin-Pyrame de Candolle (Kürzel DC) in seinem Werk Prodromus Systematis Naturalis Regni Vegetabilis 2 auf Seite 390 aus dem Jahr 1825. Hierbei wurde versucht der Name der Pflanze von „Glycine sinesis“ auf „Wisteria chinesis“ (Quelle 1 / Quelle 2) zu ändern. Letztendlich hat sich aber der Name „Wisteria sinesis“ (vermutlich ein Schreibfehler des botanischen Artnamens) durchgesetzt. Dieser ist im GBIF als Hauptbezeichnung anerkannt vorhanden. In den Synonymen findet sich aber auch die alternative Schreibweise „Wisteria chinensis„. Diese wurde auch durch weitere Autoren vorgeschlagen wie „Bunge / Sweet“.

Namensherkunft des japanischen Blauregens: Eine der ersten Beschreibungen des japanischen Blauregens ist in Carl Ludwig von Willdenow’s in seinem Werk Species Plantarum. Editio quarta 3 (2): Seite 1066 / Jahr 1802 erfolgt. Die Neueinordnung zur Gattung Wisteria erfolgte durch den Botaniker Augustin-Pyrame de Candolle (Kürzel DC) in seinem Werk Prodromus Systematis Naturalis Regni Vegetabilis 2 auf Seite 390 aus dem Jahr 1825. Bei dem botanischen Namen Wisteria floribunda handelt es sich bis heute um den akzeptierten Namen [GBIF].

Auf die weiteren bestehenden Arten der Gattung Wisteria wird hier nicht weiter eingegangen!

Verbreitungs-Codes: keine – ausschließlich Anpflanzungen! [A, AV, M1, M2, F, K (snth.)]

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