Fichtenspargel

Nahaufnahme einer blassgelben Blüte des Fichtenspargels umgeben von braunen Blättern

Vorkommen und Verbreitung: Der Fichtenspargel ist in feuchten Nadelwäldern in der Nähe von Fichten anzutreffen. Zum Teil kan die Pflanze auch in Mischwäldern gefunden werden (hier kann es sich auch um den verwandten Buchenspargel – Hypopitys hypophegea – handeln. Unterscheidungsmerkmal: der Buchenspargel hat im inneren der Blüten keine Härchen). Der Fichtenspargel bevorzugt humose, saure Waldböden. Die Pflanze gilt als weitverbreitet, aber nur mit zerstreuten Vorkommen. Im Süden Deutschlands ist der Fichtenspargel häufiger. Im Nordosten und Nordwesten weniger bis fehlend. In ganz Europa bis nach Asien sowie in Nord- und Mittelamerika ist die Pflanze auch zu finden. 1

Wuchsform: Der Fichtenspargel wächst aufrecht mit einem “runterbiegenden” Blütenstand. Die Pflanze erreicht eine Wuchshöhe zwischen 10 bis zu 25 cm. Mit zunehmendem Alter der Pflanze – bei Reife der Früchte – wird der Fruchtstand aufrecht. Alle Fichtenspargel-Arten (Buchen- und Fichtenspargel) sind Geophyten mit einem verzweigten unterirdischen Wurzeln. Es handelt sich dabei um ein Ektomykorrhiza (eine Symbiose zwischen den Wurzeln einer Pflanze und einem Pilzmykorrhiza) 4. Die Wurzeln können eine Tiefe von bis zu 40 cm erreichen.

Stängel und Blätter: Die gesamte Pflanze ist weißlich / blassgelblich bis hellbraun gefärbt und besitzt kein Chlorophyll. Die kleinen Blätterschuppen sind oval aufgebaut und am Ende spitz zusammenlaufend. Die Ränder sind mit feinen Zacken eingekerbt. Die Blätter selbst sind oft nur ganz dünn und fast durchsichtig. Bei Fruchtreife färben sich die Stängelblätter und Blütenblätter bräunlich bis schwärzlich.

Blüten: Die Blütenstände bestehen aus 10 bis 15 Einzelblüten. Jede der Blüten hat vier Blütenblätter, während die endständige Blüte oft fünf Blütenblätter aufweist. Am Stängel bilden sich zwischen den einzelnen Blüten kleine, halbstängelumfassende Tragblätter in einer länglichen Form aus. Die Kronblätter überlappen einander und sind eiförmig aufgebaut, hierdurch ergibt sich die typische Glockenform der einzelnen Blüten. Auf der Innenseite sind die Blütenblätter mit feinen, steifen Härchen besetzt.

Früchte: Die Kapselfrucht bildet sich nach der Blüte aus. Sie besteht aus einzelnen Fruchtkammern, die durch dünne Wände getrennt sind. Die Samen sind länglich und nur 0,5 bis 1 mm groß und hellbraun gefärbt. Die Verteilung der Samen erfolgt durch den Wind, sobald die Früchte bei voller Reife aufplatzen. Dies ist im Herbst der Fall.

Besonderheiten der Pflanze: Dadurch das sie kein Chlorophyll besitzt und ist daher auf die Symbiose mit dem Mycel von Ritterlingen angewiesen. Die Pilze gehen wiederum eine Verbindung mit Bäumen ein – die sogenannte “Mykorrhiza”. Da die Symbiose zwischen 3 verschiedenen Arten und dem “indirekten Parasitismus” wird als “Epiparasitismus“ bezeichnet.

BesIn der Mitte der Blüte bilden sich die dunkelgelbe Blütennarbe und die Staubblätter aus. Pro Blüte bilden sich doppelt so viele Staubblätter wie Blütenblätter in zwei Reihen aus. Der Fruchtknoten in der unteren Hälfte der Blüte ist kugelig bis eiförmig aufgebaut. Der Griffel der Blüte ist etwa 1/4 so lang wie der Fruchtknoten. Der Nektar in der Pflanze wird von den 10 (bei der Endblüte) bzw. 8 (bei den Nebenblüten) länglichen Nektarien am Grund des Fruchtknotens abgegeben. Die Bestäubung erfolgt durch langrüsselige Insekten, wie Hummeln, aber auch zum Teil durch Käfer, die mit dem Kopf die Staubblätter berühren und so den klebrigen Pollen angeheftet bekommen. Beim Besuch der nächsten Blüte bestäuben sie so die Blütennarbe. Eine Selbstbestäubung ist aufgrund der abstehenden Staubbeutel fast ausgeschlossen. Die Blütezeit reicht von Juni bis in den August.

Volkstümliche Namen 5 6 7: Die Pflanze ist in der älteren Literatur als „Ohnblatt, Waldwurz, Wurzelsauger, Falsche Schmeerwurzel, Gelbes Vogelnest“ bekannt.

  • Der Name „Ohnblatt“ weist auf die fast nicht sichtbaren Blätter an der Pflanze hin, da diese nur wie Schuppen aussehen.
  • Die Namen „Wurzelsauger / Baumsauger / Fichtensauger“ leiten sich von der früheren Annahme, dass die Wurzeln der Pflanze die „Nährstoffe“ von den Bäumen absaugen.8
  • Der Name „Gelbes Vogelnest“ stammt von der Wurzel der Pflanze ab, da dieser einem Vogelnest gleicht. 9

Namensherkunft botanisch: Der botanische Gattungsname „Hypopitys“ lässt sich mit „unter Fichten wachsend, fichtenliebend“ ins Deutsche übersetzen 10. Der botanische Artname „monotropa“ leitet sich von den Worten „μόνος“ (monos) = zu deutsch: einzeln, allein“ sowie „τρόπος“ (tropos) = zu deutsch: Drehung / Wendung ab 11. Die Beziehung zu „Drehung / Wendung“ kann auf die Form des Blütenstands zurückgeführt werden.

Namensherkunft deutsch: Der deutsche Name „Fichtenspargel“ deutet auf die Ähnlichkeit der Blütenstände zum Spargel (Asparagus) hin. Der Zusatz „Fichten-“ zeigt den Wuchsort der Pflanze an.

Erstbeschreibung der Pflanze 12 13: Die Erstbeschreibung der Pflanze erfolgte durch Carl von Linné erfolgte unter dem Namen „Monotropa hypopitys“ im Jahr 1753. Durch Heinrich Johann Nepomuk von Crantz erfolgte im Jahr 1766 in seinem Werk „Institutiones Rei Herbariae“ erfolgte die Rekombination zu Hypopitys monotropa 14.

Gefährdung der Pflanze: Der Fichtenspargel wird auf der Roten Liste Deutschlands bereits als potentiell gefährdet eingestuft 15. Auf den einzelnen Roten Listen der Bundesländer sind die Einstufungen wie folgt:

  • Deutschland: Vorwarnliste (Status: V)
  • Baden-Württemberg: gefährdet (Status: 3)
  • Bayern: ungefährdet (Status: *)
  • Berlin: vom Aussterben bedroht (Status: 1)
  • Brandenburg: ungefährdet (Status: *)
  • Hamburg: vom Aussterben bedroht (Status: 1)
  • Hessen: ungefährdet (Status: *)
  • Mecklenburg-Vorpommern: ungefährdet (Status: *)
  • Niedersachsen: ungefährdet (Status: *)
  • Nordrhein-Westfalen: gefährdet (Status: 3)
  • Rheinland-Pfalz: ungefährdet (Status: *)
  • Saarland: ungefährdet (Status: *)
  • Sachsen: stark gefährdet (Status: 2)
  • Sachsen-Anhalt: ungefährdet (Status: *)
  • Schleswig-Holstein: stark gefährdet (Status: 2)
  • Thüringen: ungefährdet (Status: *)

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, (K)


  1. GBIF.org – Artenportrait Fichtenspargel – abgerufen am 12.01.2026 ↩︎
  2. Klopfer, K.: ADLER, W.; OSWALD, K.; FISCHER–, R., Exkursionsflora von Österreich. Red. und hrsg. von M. A. FISCHER. 1180 S., 510 Abb. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, Wien, 1994. ISBN 3-8001-3461-6, Seite 649, 650 ↩︎
  3. Hegi, Gustav,. (1926). Illustrierte Flora von Mittel-Europa. 5 Band. 3 Teil. Dicotyledones (4. Teil). Sympetalae. München : J. F. Lehmann Verlag. https://www.biodiversitylibrary.org/bibliography/154063 ↩︎
  4. Berichte des Botanischen Vereins zu Hamburg, Heft 26 (2012): 159 – 163, Hans-Helmut Poppendieck, Über Fichtenspargel und Buchenspargel (Hypopitys monotropa und H. hypophegea) in Hamburg und aktuell im NSG Boberger Niederung – abgerufen am 14.01.2026 ↩︎
  5. Hegi, Gustav,. (1926). Illustrierte Flora von Mittel-Europa. 5 Band. 3 Teil. Dicotyledones (4. Teil). Sympetalae. München : J. F. Lehmann Verlag. https://www.biodiversitylibrary.org/bibliography/154063 ↩︎
  6. „Monotropa“, Meyers Großes Konversationslexikon (6. Auflage, 1905–1909), digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25 – abgerufen am 14.01.2026 ↩︎
  7. „Fichtenspargel“, Herders Conversations-Lexikon (1. Auflage, 1854–1857), digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25 – abgerufen am 14.01.2026. ↩︎
  8. Grassmann, Hermann: Deutsche Pflanzennamen, 01.01.1870, [online] doi:10.5962/bhl.title.95544. ↩︎
  9. Kanngiesser, Friederich: Die etymologie der phanerogamennomenclatur : Eine erklarung der wissenschaftlichen, der deutschen, franzosischen, englischen und hollandischen pflanzennamen /, 01.01.1908d, [online] doi:10.5962/bhl.title.127499. ↩︎
  10. Boerner, Franz/Günther Kunkel: Taschenwörterbuch der botanischen Pflanzennamen: für Gärtner, Garten- und Pflanzenfreunde, Land- und Forstwirte, 01.01.1989a, Seite 278 ↩︎
  11. Boerner, Franz/Günther Kunkel: Taschenwörterbuch der botanischen Pflanzennamen: für Gärtner, Garten- und Pflanzenfreunde, Land- und Forstwirte, 01.01.1989a, Seite 136 ↩︎
  12. Linné, Carl von. (1908). Species plantarum : exhibentes plantas rite cognitas ad genera relatas, cum diferentiis specificis, nominibus trivialibus, synonymis selectis, locis natalibus, secundum systema sexuale digestas. Junk. https://doi.org/10.5962/bhl.title.37656 ↩︎
  13. https://archive.org/details/institutionesre01crangoog ↩︎
  14. Hypopitys monotropa Crantz, Inst. Rei Herb. 2: 467 (1766) – abgerufen am 14.01.2026 ↩︎
  15. Rote Liste Zentrum – Einstufung des Fichtenspargels – abgerufen am 12.01.2026 ↩︎

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