Nachtviole

Mehrere zart violette Blüten der Nachtviole mit vierblättrigen, kreuzförmig angeordneten Blütenblättern stehen im Mittelpunkt. Die Blüten sind von grünen, lanzettlichen Blättern und Knospen umgeben. Im Hintergrund sind unscharfe grüne Blätter zu erkennen.

Vorkommen und Verbreitung 1: Die gewöhnliche Nachtviole ist eine Zierpflanze und gilt als eingebürgerter Neophyt. Sie ist selten in Auen-Gebüschen und Auen-Wäldern nur selten zu finden. Sie bevorzugt dabei einen nassen, basen- und nährstoffreichen Boden. In Gärten wird die Pflanze gerne als Zierpflanze angebaut. Öfters ist sie verwildert auf Schuttplätzen, Ruderalflächen sowie an Wegrändern zu finden. Sie ist in fast ganz Europa bis nach Asien häufig verbreitet. Zudem gibt es auch noch größere Vorkommen in Nordamerika, hier v.a. in den USA. Zum Teil ist die Pflanze auch in Neuseeland und in Japan zu finden. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Südeuropa und dem Mittelmeerraum

Wuchsform: Es handelt sich um eine zweijährige, ausdauernde, krautige Pflanze, die eine Höhe zwischen 40 bis 100 cm erreichen kann. Die Wurzeln bilden unter der Erde ein Bündel von verdickten, länglichen Hauptwurzeln aus, die von einer Vielzahl von feineren Haarwurzeln besetzt sind. Die Pflanze kann eine Höhe zwischen 40 bis 80 cm (seltener auch bis zu 100 cm) erreichen. Die gesamte Pflanze ist mit feinen, oft verzei Härchen besetzt.

Blätter: Die mittleren und oberen Blattstängel sind mit dem Stängel verwachsen bzw. haben eine fast nicht sichtbaren Stiel. Die unteren Blätter sind hingegen ausschließlich kurz gestielt. Der Rand der Blätter ist fein gezähnt und auf der Unterseite mit kurzen Haaren besetzt. Die Blätter haben eine längliche Form und laufen am Ende spitz zusammen. Sie werden nach oben hin an der Pflanze immer kleiner.

Blüten: Die Blüten sind groß und vierteilig aufgebaut. Sie sitzen an den Enden der verzweigten Stängel in einer Blütentraube. Einzelne Blüten erreichen eine Größe zwischen 2 bis 3 cm. Die Blütenblätter sind violett gefärbt und haben eine Spatelform. Die einzelnen Kron- und Kelchblätter sind nicht miteinander verwachsen. Die Kelchblätter sind auf der Außenseite behaart und hellgrün gefärbt. In der Mitte der Blüte bildet sich eine kurzer Griffel mit zweigeteilter Narbe aus. Um den Griffel herum sitzen die länglichen, hellgelb gefärbten Staubbeutel (je vier Stück pro Blüte). Es erfolgt häufig eine Fremdbestäubung durch Schwebfliegen, Bienen und Falter mit langen Rüsseln. Die Blütezeit reicht von April bis Juli.

Früchte: Nach der Blüte bilden sich bis zu 10 cm lange Fruchtschoten aus, in denen die Samen heranreifen. Die Fruchtschoten haben zunächst eine dunkelgrüne Farbe und wechseln bei vollständiger Reife zu einem bräunlichen Farbton. Es handelt sich um einen Tier- und Windstreuer.

Besonderheiten der Pflanze: Es handelt sich um eine Nachtfalterblume, da die Blüten vor allem abends und nachts zu duften beginnen. Sie dient zudem als Futterpflanze für die Raupen von verschiedenen Tagfaltern, zu diesen zählen unter anderem der Aurorafalter, der kleine Kohlweißling und verschiedene Schleier- und Halbmotten (u.a. Plutella porrectella).

Giftigkeit der Pflanze: Aufgrund der in der gesamten Pflanze enthaltenen Cardenolide (herzwirksame Steroide) und Glucosinolate / Senfölglycoside. Hierdurch kann es bei Verzehr von größeren Mengen der Pflanze zu Unverträglichkeiten kommen. Es wird daher empfohlen die Pflanze nicht zu sammeln. Senfölglycoside geben den gesamten Pflanzenteilen einen scharfen Geschmack und machen sie somit unattraktiv für Fressfeinde 2.

Volkstümliche Namen: Wegen des angenehmen, veilchen- / nelkenartigen Duft der Blüten hat die Pflanze verschiedene schwäbische Namen mit „Nägele“ erhalten. Zu diesen zählen unter anderem „Pfingstvei(g)ele, Muttervei(g)ele“ und „Maiennägele“. Das Vei(g)ele ist das Veilchen, „Nägele“ ist die Nelke. Der Bezug zu Pfingsten und dem Mai kann durch die Blütezeit der Pflanze erklärt werden 3.

Namensherkunft: Der botanische Gattungsname „Hesperis“ leitet sich mutmaßlich von dem gleichlautenden lateinischen Wort „hesperis“ – abendländisch – ab. Dies deutet tatsächlich auf die Herkunft der Pflanze aus dem Mittelmeerraum und Südeuropa. Eine weitere Möglichkeit bildet das griechische Wort „ἑσπερἰς“ (Hesperis) – zu Deutsch „abendlich“ 4 5. Der botanische Artname „matronalis“ lässt sich mit „mutterhaft“ ins Deutsche übersetzen. 6

Der Namensteil „Nacht“ in Nachtviole stammt daher, das die Blüten am Abend am intensivsten duften. Der Name Viole leitet sich von dem lateinischen Wort „viola“ – zu deutsch „Veilchen“ ab. Eine weitere Erklärung für das Wort ist „violaceus“ – zu deutsch violett / veilchenblau – mit Bezug auf die Farbe der Blüten.

Gefährdung der Pflanze: Auf der Roten Liste Deutschlands wird die gewöhnliche Nachtviole nicht geführt, da sie als Neobiota (invasive Art) angesehen wird.

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K


  1. GBIF.org, Artenportrait Nachtviole – abgerufen am 16.01.2026 ↩︎
  2. Fleischhauer, Steffen Guido/Jürgen Guthmann/Roland Spiegelberger: Enzyklopädie essbare Wildpflanzen: 2000 Pflanzen Mitteleuropas ; Bestimmung, Sammeltipps, Inhaltsstoffe, Heilwirkung, Verwendung in der Küche, 01.01.2019, Seite 217 ↩︎
  3. Müller, Theo: Schwäbische Flora, 01.11.2018b, S. 460 ↩︎
  4. Boerner, Franz/Günther Kunkel: Taschenwörterbuch der botanischen Pflanzennamen: für Gärtner, Garten- und Pflanzenfreunde, Land- und Forstwirte, 01.01.1989e, S. 113 ↩︎
  5. Kanngiesser, Friederich: Die etymologie der phanerogamennomenclatur : Eine erklarung der wissenschaftlichen, der deutschen, franzosischen, englischen und hollandischen pflanzennamen /, 01.01.1908e, [online] doi:10.5962/bhl.title.127499., Seite 82 ↩︎
  6. Boerner, Franz/Günther Kunkel: Taschenwörterbuch der botanischen Pflanzennamen: für Gärtner, Garten- und Pflanzenfreunde, Land- und Forstwirte, 01.01.1989e, S. 304 ↩︎

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