Frühlings-Platterbse

Die Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus) ist für manch eine Wildbienenart eine wichtige Nahrungsquelle. Aber auch für uns sieht sie mit ihren farbwechselnden Blüten hübsch aus.

Vorkommen und Verbreitung 1 2: Die Frühlings-Platterbse ist in ganz Europa sowie Teilen von Asien (Teile von Russland) weit verbreitet. In Belgien, den Niederlanden, Nordamerika (USA, Kanada) sowie Mittelamerika (Teile von Mexiko) ist die Pflanze als Neophyt zu finden. Im Nordwesten Deutschlands fehlt die Pflanze fast komplett / ist nur selten zu finden – im Saarland gilt sie bereits als ausgestorben. Sie bevorzugen krautreiche, warme Böden in Laubmischwäldern. Meist sind diese Art von Platterbse auf kalkhaltigen Böden anzutreffen.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Die Frühlings-Platterbe ist eine ausdauernde, krautige Pflanze. Sie kann eine Wuchshöhe zwischen 20 bis 40 cm (seltener 60 cm) erreichen. Unter der Erde bildet sich eine verzweigte Wurzel aus. Ein Teil der Wurzel ist ein verdicktes Rhizom, dass zur Überwinterung der Pflanze dient. Einzelne Teile der Wurzeln können eine Tiefe von bis zu einem Meter erreichen. Die oberirdischen Pflanzenteile sind meist buschig und reich verzweigt. Die Stängel sind kahl und haben im unteren Teil tiefe Furchen. Sie sind untern bräunlich, oben grünlich gefärbt.

Blätter: Die Blätter sind unpaarig gefiedert. Pro Blatt bilden sich zwei bis drei (seltener auch vier) Fiederpaare. Die einzelnen Fiederblättchen sind 3 bis 7 cm lang, eiförmig aufgebaut und laufen am Ende spitz zusammen. Auf der Oberseite sind die Blattnerven deutlich sichtbar. Die Farbe der Blätter ist zunächst hellgrün, später dunkelgrün. Auf der Oberseite besitzen sie viele kurze Haare, die Unterseite ist glänzend. Es bilden sich kleinere Nebenblätter am Stängel aus.

Blüten: Pro Blütenstand (Blütentraube) bilden sich zwischen 3 bis 8 (seltener auch bis zu 10) Blüten aus. Es handelt sich bei den Blüten um Schiffchenblüten (im Volksmund als „Schmetterlingsblüten“ bezeichnet). In der Blüte kommt es zu einer reichen Nektarproduktion. Die einzelnen Blüten sind nickend oder leicht aufrecht an den Stängeln. Es handelt sich um zwittrige Blüten in denen sich sowohl weibliche als auch männliche Blütenteile ausbilden. Sie sind zygomorph aufgebaut. Die Unterlippe ist wie ein Schiff aufgebaut und wirkt „aufgeblasen“, die Oberlippe ist leicht zurückgebogen und bildet eine Art „Flügel“ aus. Zunächst haben die Blüten eine purpurne Färbung, später verfärben sie sich zunächst zu violett, dann blau / grünblau. Die Blütezeit reicht von (selten: bereits März) April bis Mai – es handelt sich somit um einen Frühblüher. Die Bestäubung erfolgt durch verschiedene Bienen, Hummeln und Schmetterlinge.

Früchte: Die Früchte bestehen aus Hülsenfrüchten, die aufrecht von den Stängeln abstehen. Sie haben eine linealische, sehr flache Form. Die Hülsen sind zwischen 4 bis 6 cm lang. Im Inneren bilden sich zwischen 8 bis 14 kleinen Samen aus. Zunächst haben sie eine grüne Färbung später schwarz. Die einzelnen Samen sind 3 bis 4 mm groß und haben eine kugelige Form oder sind linsenförmig. Sie haben eine sehr glatte Oberfläche und sind bei voller reife bräunlich, seltener auch leicht marmoriert. Die Samen können durch das Aufplatzen der Früchte bis zu 1,5 Meter weit um die Mutterpflanze verteilt werden. Die Früchte sind im Juni bis September reif.

Besonderheiten der Blüten: Auf die Blüten haben sich verschiedene Wildbienen spezialisiert. Zu diesen zählen unter anderem die Zaunwicken-Sandbiene (Andrena lathyri) und die Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens).

Volkstümliche Namen 3: Die Frühlings-Platterbse hat im Schwäbischen verschiedene Namen. Zu diesen zählen unter anderem „Frauenschü(eh)le, Fräulesschü(eh)le, Herrgottsschü(eh)le, Frauehos(e), Glockler, Güggele, Goggel, Kaiserstu(h)l, Franzos und Guguckerle, Walderbs, Wilde Wick und Spanische Wick“.

  • Die Namen „Frauenschü(eh)le, Fräulesschü(eh)le, Herrgottsschü(eh)le“ deuten auf die Form der Blüten hin, da diese an einen Schuh erinnern.
  • „Glockler, Güggele, Goggel“ sind alles schwäbische Namen für den Hahn. Die Verbindung zum Tier soll aus der Farbe der Blüten entstanden sein.
  • „Franzos“ hat sich aus der früheren roten Uniformhose entwickelt.
  • „Guguckerle“ lässt sich von dem Frühlingsboten und Vogel Kuckuck ableiten. Da dieser zu einer ähnlichen Zeit auftaucht wie die Blüten der Pflanze.
  • „Walderbs“ und „Wilde Wick“ kommen von der Linsenform der Samen.

Namensherkunft 4 5: Der botanische Gattungsname „Lathyrus“ lässt sich von dem griechischen Wort λᾱ́θυρος (lā́thuros) – eine Art von Linse / Hülsenfrucht ableiten. Die Etymologie des botanischen Artname „vernus“ leitet sich aus dem gleichlautenden lateinischen Wort ab. Es stammt vermutlich ursprünglich von dem Proto-Indo-Europäischen Wort „wósr̥“ – zu deutsch: Frühling – ab. Hieraus soll auch der Zusatz „Frühlings-“ entstanden sein.

Gefährdung der Pflanze: Die Frühlings-Platterbse gilt derzeit als ungefährdet auf der Roten Liste Deutschlands. Die einzelnen Gefährdungsgrade auf den regionalen Roten Listen sind wie folgt:

– Baden-Württemberg: ungefährdet (Status: *)

– Bayern: ungefährdet (Status: *)

– Berlin: sehr selten (Status: R – Neophyt)

– Brandenburg: ungefährdet (Status: *)

– Hessen: ungefährdet (Status: *)

– Mecklenburg-Vorpommern: ungefährdet (Status: *)

– Niedersachsen: ungefährdet (Status: *)

Nordrhein-Westfalen: ungefährdet (Status: *)

Rheinland-Pfalz: ungefährdet (Status: *)

– Saarland: ausgestorben (Status: 0)

– Sachsen: Vorwarnliste (Status: V)

– Sachsen-Anhalt: ungefährdet (Status: *)

– Schleswig-Holstein: stark gefährdet (Status: 2)

– Thüringen: ungefährdet (Status: *)

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2 (östlich), F (nordöstlich)


  1. Lathyrus vernus (L.) Bernh. in GBIF Secretariat (2023). GBIF Backbone Taxonomy. Checklist dataset https://doi.org/10.15468/39omei, abrufen am 21.03.2026 ↩︎
  2. May, R. (2020, 10. Juni). FloraKarte – Verbreitungsatlas und Beobachtungen – abgerufen am 21.03.2026 ↩︎
  3. Müller, T. (2011). Schwäbische Flora. ↩︎
  4. Boerner, F. & Kunkel, G. (1989). Taschenwörterbuch der botanischen Pflanzennamen: für Gärtner, Garten- und Pflanzenfreunde, Land- und Forstwirte, Seite 123 ↩︎
  5. Henry George Liddell, Robert Scott,  A Greek-English Lexicon, λᾱ́θυρος (o. D.), abgerufen am 21.03.2026 ↩︎

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ich freue mich über jeden Gedanken, jede Beobachtung oder Ergänzung. Manchmal prüfe ich Kommentare kurz gegen Spam – danach erscheinen sie ganz normal. Vielen Dank fürs Mitmachen!