Gewöhnliches Knäuelgras

Makroaufnahme des obersten Teilblütenstandes der Rispe mit vielen Ährchen, die blühen: die lila Pollenbeutel hängen bereits heraus und können Pollen abgeben. Die unscheinbareren, weißen „Federchen“ sind übrigens die weiblichen Blüten des Knäuelgras.

Makroaufnahme des obersten Teilblütenstandes der Rispe mit vielen Ährchen, die blühen: die lila Pollenbeutel hängen bereits heraus und können Pollen abgeben. Die unscheinbareren, weißen „Federchen“ sind übrigens die weiblichen Blüten des Knäuelgras.

Vorkommen und Verbreitung: Das Knäuelgras, hier das Wiesen-Knäuelgras (Dactylis glomerata) ist eine sehr häufige Grasart, die auf (Fett-)Wiesen, Kunstrasen, Rainen, Ruderalstellen, Brachen und an Weg- und Straßenrändern vom Tiefland bis ins Gebirge zu finden ist. Es kommt in ganz Deutschland sowie generell in fast ganz Europa und in den gemäßigten Gebieten Eurasiens vor. Als Neophyt wurde es aber in andere Länder wie Neuseeland und Australien eingeschleppt. In den Bergen schafft es diese Grasart auch bis über 2000 Meter Seehöhe zu gedeihen. Diese Grasart ist ein Stickstoffzeiger. Es sind etliche Unterarten beschrieben.

Wuchsform: Das Gewöhnliche Knäuelgras ist ein rasch- und hochwüchsiges Gras und eine mehrjährige, ausdauernde, krautige Pflanze, die in Horsten wächst. Die Wuchshöhe kann 20 bis 150 cm (30 – 100 cm je nach Angabe) erreichen.

Stängel: Die Halme sind am Grunde gekniet oder aufrecht und mit 4-5 Knoten gegliedert.

Blätter: Das oberste Stängelblatt steht aufrecht ab. Die Laubblattspreite 4-10mm (2-15mm lautet eine andere Angabe) breit. Die Ligula (=Blatthäutchen) ist 2-5mm (3-6mm je nach Angabe) lang und ein zungenförmiger, häutiger Saum. Die Laubblattscheiden sind 2-schneidig zugedrückt und gekielt.

Blüten: Die Blütezeit dauert von Mai bis August (je nach Umständen bis November). Der rispige Blütenstand (=Rispe) hat einen dreieckigen Umriss mit stark geknäuelten Blühständen und ist einseitswendig. Der unterste Rispenzweig ist weit abstehend (später zusammengezogen). Die Spitze der Rispe ist fast aufrecht, die Ährchen (=Einzelblüten) sind knäuelig gehäuft am Ende des Rispenzweiges. Die Ährchen (7-8 mm lang) sind 3-5-blütig, länglichoval, auf dem Rücken zusammengedrückt und scharf gekielt mit stachelspitzigen oder begrannten Deckspelzen und grünlich bis rötlichen Hüllspelzen (die untere ist 1-nervig). Der Kiel der oberen Hüllspelze ist mit längeren und mit kurzen steifen Haaren besetzt, während die Deckspelzengranne der unteren Blüten 1-2mm lang ist. Die Hüllspelzen sind halb so lang wie das Ährchen und wie die Deckspelzen gekielt und stachelspitzig. Die Blüten sind selten pseudovivipar (=im Blütenstand bilden sich Brutknospen für die vegetative Vermehrung) und selbststeril.

Früchte: Karyopsen (=Spelzfrüchte) sind die Früchte des Gewöhnlichen Knäuelgrases. Die Früchte sind klein, länglich und klettenartig behaart. Zwischen August und Oktober wird üblicherweise die Fruchtreife erreicht. Die Samen nutzen Klett-, Schwimm- und Windverbreitung. Zufallsverbreitung über Heu und Weidefutter ist zusätzlich möglich.

Links: Das sogenannte „Rispenschieben“, der Blühstand (= die Rispe) wird nach oben geschoben. Das Blatthäutchen (Ligula) ist hier auch zu sehen. / Rechts: Gelb-bräunlich abgeblühte Rispe des Gewöhnlichen Knäuelgrases.

Besonderheit der Pflanze: Das Gewöhnliche Knäuelgras ist keine Heilpflanze, aber ein wichtiges Weide- und Heugras (ertrag- und nährstoffreich), das auch als Bodenfestiger verwendet wird.

Habitus eines blühenden Gewöhnlichen Knäuelgrases mit der dreieckigen Umrissform der Rispe und dem typischerweise, weit abstehendem untersten Rispenzweig (rechts).

Allergenität 4: Die Allergenität wird als hoch eingeschätzt. Hauptallergene sind Dac g 1, Dac g 2, Dac g 3, Dac g 4 und Dac g 5 wobei 95% der Blutseren von Menschen mit Graspollenallergie Dac g 1 erkennen (und IgE Antikörper bilden). Die Kreuzreaktivität zu anderen Süßgräsern (Poaceae) ist hoch.

Volkstümliche Namen 5: Zu den volkstümlichen Namen zählen unter anderem „Hundsgras 6, Chnopfhalm 7 (St. Gallen), Gaislagräs (St. Gallen, Tirol, Bern), Hundsgrab (Tirol, Bern), Katzengras (Bern), Schlegelhalm (Graubünden), Schliessgras und Schmärhalm (St. Gallen), Stocklas (Tirol), Stübergräs (St. Gallen bei Obertoggenburg), Zötteligras (Bern).

Namensherkunft: Der Artname Dactylis glomerata leitet sich vom griechischen „dactylos“ (= Finger) und dem lateinischen „glomeratus“ (= knäuelförmig) ab. Der deutsche Name soll sich von den “zusammengeballten” Blütenständen ergeben. Diese haben eine gewisse Ähnlichkeit zu einem Wollknäuel.

Erklärung der Namen: Der Gattungsname Dactylis bezieht sich auf die Form der Rispe und der Artname glomerata auf das dicht gedrängte Bündel der Teilblütenstände (Ährchen). Eine mögliche Erklärung für „Dactylis“ liefert das Werk “Die etymologie der phanerogamennomenclatur” 8: hierin wird die Ableitung vom altgriechischen Wort “δακτυλίς (daktylis)” – zu deutsch: fingerähnlich”, da die Ähren an den Blütenständen wie Finger an der Hand aussehen.

Gefährdung der Pflanze: Das Gewöhnliche Knäuelgras ist laut Roter Liste nicht gefährdet und kommt sehr häufig vor.

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K


  1. Adler W. und Mrkvicka A. Ch. 2003 „Die Flora Wiens gestern und heute. Die wildwachsenden Farn- und Blütenpflanzen in der Stadt Wien von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrtausendwende.“, Verlag des Naturhistorischen Museum Wien, ISBN 3-900 275-96-3 ↩︎
  2. Aichele D. und Schwegler H. W. 2011. „Unsere Gräser“, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.KG, Stuttgart, ISBN: 978-3-440-12573-1 ↩︎
  3. Fischer M. A., Oswald K. und Adler W. 2008. „Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein, Südtirol“, 3. Auflage Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz ↩︎
  4. Allergen Nomenclature WHO/IUIS Allergen Nomenclature Sub-Committee, abgerufen am 05.02.2026 ↩︎
  5. Hartwich, C. (1883). Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Aus allen Mundarten und Zeiten zusammengestellt von Dr. G. Pritzel und Dr. C. Jessen. Hannover, Verlag v. Philipp Cohen. 1882. Archiv der Pharmazie, 221(4), 320. https://doi.org/10.1002/ardp.18832210462 – abgerufen am 09.02.2025 ↩︎
  6. Nemnich, Phil. Andr., allgemeines polyglotten-lexicon der naturgeschichte. Hamburg u. Leipzig (1. lfg.: Hamburg u. Halle) 1793—98. III. (lfg. 1 u. 2, 3 u. 4, 5—8 bilden je eine paginationseinheit). — QV I ↩︎
  7. Schweizerisches Idiotikon, Online Editon, Bd. II / 1199 – 1200 – abgerufen am 09.02.2025 ↩︎
  8. Kanngiesser, F. (1908). Die etymologie der phanerogamennomenclatur : Eine erklarung der wissenschaftlichen, der deutschen, franzosischen, englischen und hollandischen pflanzennamen /. https://doi.org/10.5962/bhl.title.127499 – abgerufen am 09.02.2025 ↩︎

Bildrechte: © Katharina Bastl (MedUni Wien/Pollenservice Wien)

Pollenpaar

Autor: Pollenpaar

Das „Pollenpaar“ von Social Media (Instagram, BlueSky) Katharina und Maximilian Bastl, wir lieben die Natur trotz Pollenallergien und haben beide Biologie studiert. Wir führen den Pollenservice Wien der MedUni Wien und forschen zum Pollenflug von allergenen Pflanzen. Mehr über uns: www.pollenservice.wien

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