Sal-Weide

Vorkommen und Verbreitung: Die Sal-Weide wächst vor allem in Nord-Europa bis nach Asien. In Südeuropa fehlen die Bestände in Südspanien und dem südlichen Balkan. In den Alpen sind die Sal-Weiden auch auf einer Höhe von bis zu 1.700 Metern vorkommen 1. Sie ist dabei auf frischen, nährstoffreichen (teilweise auch nährstoffarmen) Böden zu finden. Die Sal-Weide gilt aber zudem auch als Pionierpflanze für Brachflächen und Schutthalden sowie auf Kahlschlägen. Hierbei handelt es sich meist um lehmige, steinige Flächen. Es handelt sich um eine Charakterart des „Epilobio-Salicetum capreae“-Verbands (Salweiden-Gebüsch). Die Pflanze bevorzugt trockene Standorte.

Kreuzungen bei Weiden: Häufig kreuzen sich die verschiedenen Weiden-Arten untereinander. Dies passiert auch häufiger bei der Sal-Weide. Einige dieser Kreuzungen sind: Reichardts Weide (Salix × reichardtii 2), Bastard-Ohr-Weide (Salix × capreola 3), Kübler-Weide (Salix × smithiana 4).

Wuchsform: Die Sal-Weide ist ein Kleinbaum, der eine Höhe zwischen 2 bis 8 Meter, seltener auch bis zu 13 Meter erreichen kann. Die Pflanze ist meistens mehrstämmig und im oberen Teil verzweigt. In seltenen Fällen können auch einstämmige Exemplare gefunden werden. Die Rinde ist grau gefärbt und besitzt eine Art von „Karomuster“ (leichte Einschnitte in der Rinde – häufig bei den älteren Ästen und dem Stamm). Bei jungen Ästen ist die Rinde grünlich gefärbt. Das Holz der Sal-Weide ist zunächst weiß, durch Oxidation bekommt es aber einen rötlichen / orangenen Stich. Die Lebenserwartung der Pflanze wird in der Literatur als ca. 30 Jahre angegeben.

Knospen: Die Knospen haben eine gelblich-grüne / rötliche Färbung und sind rundlich aufgebaut. Aus den größeren Knospen entwickeln sich die Blütenstände aus. Die kleineren, oft eng an den Ästen anliegenden Knospen sind die Blätter.

Blätter: Die Blätter sind auf der Oberseite rau und haben eine dunkelgrüne Färbung. Blattnerven sind auf der Ober- und Unterseite deutlich sichtbar. Die gesamte Unterseite ist mit dichten Haaren besetzt und hat hierdurch eine graue Färbung. Der Rand der Blätter ist glatt bis leicht gewellt. Die Blätter haben eine elliptische bis längliche Form mit einer länglichen Spitze (etwa 11/2 bis 2 x so lang wie breit) – häufig sind die jungen Blätter deutlich länger als breit. Der Stängel der Blätter ist rötlich gefärbt. Wo die Blätter an den Ästen sitzen bilden sich kleinere Nebenblätter aus.

Blüten: Wie alle Weiden-Arten sind die Bäume jeweils nur eingeschlechtlich (ausschließlich männliche oder weibliche Blüten). Aufgrund der frühen Blütezeit bereits ab Anfang März gilt diese Weidenart als wichtige erste Futterpflanze für Insekten. Die männlichen, eiförmigen Blütenkätzchen und die weiblichen, länglichen Kätzchen erscheinen bereits vor den Blättern. Männliche Blütenkätzchen bestehen aus einer Vielzahl von in einer Ähre sitzenden Einzelblüten. Die Tragblätter der einzelnen Blüten sind zunächst silbrig gefärbt an der Spitze (im Volksmund als „Weidenkätzchen“ bekannt). Pro Einzelblüte bilden sich zwei gelb gefärbte Staubblätter aus. Die weiblichen Blüten bestehen aus einer Vielzahl von abstehenden Blütennarben, die eine gelb-grüne Farbe haben. Die Blütezeit reicht von März bis in den April.

Früchte: Die Früchte sind länglich geformt und verdicken am unteren Ende. Sie sind grünlich gefärbt. Es handelt sich um eine Trockenkapsel, die bei vollständiger Reife aufplatzt. Die einzelnen Samen haben einen kleinen „wolligen Fallschirm“, der die Verbreitung durch den Wind ermöglicht. Die Samen sind nicht sehr lange keimfähig. Häufig bilden sich kleine „Gruppen“ von Pflanzen aus.

Besonderheiten der Blüten / Blätter: Die Blätter der Pflanze dienen einigen Raupen als Futterpflanze. Auch die Blüten werden von 30 Wildbienen für die Pollensammlung verwendet (u.a. Andrena, Halictusm Lasioglossum, Osmia). Die Weiden-Sandbiene (Andrena vaga) ist auf die Sal-Weide als Nahrungsquelle angewiesen 6.

Nahrung für Raupen 7 8: Das Holz der Sal-Weide dient der Raupe des Weidenbohrers (Cossus cossus – ein Nachtfalter) als Nahrung. Die Raupen fressen sich dabei durch den Stamm und hinterlassen deutlich sichtbare, rundliche Löcher. Nach 2 bis 4 Jahren entwickelt sich aus der auffällig gefärbten Raupe ein grauer Nachtfalter.

Weidenrinde als Medikament: In der Rinde von Weiden-Arten ist das Glucosid „Salicin“ enthalten. Dieser Stoff dient als Schutz gegen Fraßfeinde. Diese Inhaltstoffe wurden, bevor ASS synthetisch hergestellt werden konnte, gegen Fieber und Kopfschmerzen eingesetzt 9. Nach dem europäischen Arzneibuch (Ph. Eur. 10.0) wird die getrocknete Rinde von jungen Zweige oder getrocknete Stücke der Jahrestriebe von verschiedenen Arten der Gattung Salix, wie Salix purpurea L., Salix daphnoides Vill. und Salix fragilis L. als „Cortex salicis“ (Weidenrinde) Arzneimittel anerkannt. Von einer selbständigen Anwendung wird abgeraten, da die Pflanzen stark schwankende Inhaltsstoffgehalte haben können. Im Durchschnitt ergibt sich die folgende Wirkstoff-Aufteilung im Arzneimittel: Salicin (4 bis 8%), Phenolglykoside (bis 9%), Chalkone, Flavanone, Catechin (0,5%), Polyphenole (5%) 10.

Verwendung als Erstbegrünung: Da die Pflanze nur wenige Ansprüche an den Wuchsstandort hat, eignet sie sich für die Erstbegrünung von Brachland. Durch ihre flach wachsenden Wurzeln kann sie den Boden vor Erosion schützen 11.

  • Die Namen „Felbe, Felwer, Felbebaum / Felbestaude“ leiten sich von dem altdeutschen Wort „felaha, felwar“ ab. Im Germanischen wurde die Pflanze als „felwō“ bezeichnet 14.
  • Der Name „Sahle“ hat sich aus dem botanischen Namen „Salix“ entwickelt.
  • „Palmweide“ leitet sich von der Verwendung der Äste in den Palmbuschen / Palmboschen ab. Es handelt sich dabei um ein Gebinde aus sieben verschiedenen Gehölzen (Wacholder, Eibe, Stechpalme, Thuja, Sal-Weide, Buchsbaum und Haselnuss). Diese Zweige werden zu einem kleinen Blumenstrauß zusammengebunden für die Verwendung am Palmsonntag. Hierdurch werden die Blüten der Sal-Weide in manchen Regionen als „Palmkätzchen“ bezeichnet.

Namensherkunft: Der botanische Gattungsname „Salix“ lässt sich als römischer / lateinischer Name der Weide erklären. Der Namensteil „Sal“ im Deutschen Namen stammt von dem altdeutschen Wort „salaha“ ab. Im Indogermanischen kann „sal-“ als Adjekitv für „schmutzig, grau, düster, dunkel“ übersetzt werden 15. Hierbei wird vermutlich auf die Rinde der Weide, welche „grau“ ist, hingewiesen. Der botanische Artname „caprea“ lässt sich mit „Reh / wilden Ziege“ übersetzen. Dieser Zusatz könnte darauf zurückgeführt werden, dass die Weidenblätter gerne von Tieren gefressen werden.

Gefährdung der Pflanze: Die Sal-Weide gilt auf der Roten Liste Deutschlands als ungefährdet.

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K


  1. Kiermeier, P. 1993: BdB-Handbuch, Teil VIII, Wildgehölze des mitteleuropäischen Raumes, 5. Aufl. – Pinneberg: Grün ist Leben ↩︎
  2. Artenseite: Salix reichardtii – Reichardts Weide | Bochumer Botanischer Verein e. V. – abgerufen am 01.03.2026 ↩︎
  3. Artenseite: Salix capreola – Bastard-Ohrweide | Bochumer Botanischer Verein e. V. – abgerufen am 01.03.2026 ↩︎
  4. FloraWeb – Kübler-Weide Pflanzensteckbrief | BfN – Bundesamt für Naturschutz – abgerufen am 01.03.2026 ↩︎
  5. Klopfer, K. (1995). ADLER, W.; OSWALD, K.; FISCHER–, R., Exkursionsflora von Österreich. Red. und hrsg. von M. A. FISCHER. 1180 S., 510 Abb. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, Wien, 1994. ISBN 3‐8001‐3461‐6, Seite 625 ↩︎
  6. Stiftung, D. W. (o. D.). Salweide | Wildbienen.org – abgerufen am 01.03.2026 ↩︎
  7. Manfred KochWir bestimmen Schmetterlinge. Band 2: Bären, Spinner, Schwärmer und Bohrer Deutschlands. 2., erweiterte Auflage. Neumann, Radebeul/Berlin 1964, DNB 452481929 ↩︎
  8. schmetterling-raupe.de/art/cossus.htm, abgerufen am 01.03.2026 ↩︎
  9. DÜLL, R. & KUTZELNIGG, H. 2016: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer
    Exkursionsbegleiter. 8. Aufl. – Wiebelsheim: Quelle & Meyer. ↩︎
  10. Phytoarznei / Arzneidroge: Salicis cortex, vetpharm.uzh.ch – abgerufen am 01.03.2026 ↩︎
  11. Sal-Weide – Kurzbeschreibung heimischer Gehölze, LfL – abgerufen am 01.03.2026 ↩︎
  12. Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg. 1887. Bericht des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben und Neuburg, Augsburg ↩︎
  13. Müller, T., 2018, 2. Auflage, Schwäbische Flora, Seite 711 ↩︎
  14. Gerhard K., 2014, Althochdeutsches Wörterbuch, (6. Auflage), Teil F ↩︎
  15. Gerhard K., 2014, Althochdeutsches Wörterbuch, (6. Auflage), Teil S ↩︎

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