Einbeere, vierblättrige

Die „vierblättrigen Einbeere (Paris quadrifolia) ist eine giftige Schönheit in naturnahen Wäldern. Sie wurde zur „Blume des Jahres 2022“ gewählt!
Einbeere - Beerenstand
~ Giftpflanze ~

Vorkommen und Verbreitung: Die vierblättrige Einbeere wächst unter anderem in alten Auenwäldern sowie naturnahen Laub- und Mischwäldern. Die Pflanze ist zudem in reinen Eichenwäldern zu finden. Sie bevorzugt dabei vor allem krautreiche Wälder mit einem feuchten, nährstoffreichen, humosen Boden. Die Pflanze gilt als Zeigerpflanze für Grund- und Sickerwasser. Die Einbeere ist in fast ganz Europa anzutreffen – Aufgrund des Rückgangs an geeigneten naturnahen Wäldern ist die Verbreitung der Pflanze in manchen Regionen rückläufig. So wird sie in manchen Regionen bereits als gefährdete Art angesehen.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform, Stängel: Es handelt sich um eine ausdauernd, krautig wachsende Pflanze. Sie kann eine Wuchshöhe zwischen 10 bis 30 cm erreichen. Die Einbeere wächst oft in kleineren Gruppen. Der Stängel der Pflanze ist bis auf die Stängelblätter kahl. Unter der Erde bilden sich Rhizome. Diese können bis zu 14 Jahre alt werden.

Blätter: Auf halber Höhe bilden sich am Stängel die vier gleichförmigen Blätter. Sie sind in einem Wirtel am Stängel angeordnet. Interessant hierbei ist, dass die Pflanze gemäß der Genetik als „einkeimblättrig“ gilt. Hierbei verlaufen die Blattnerven in der Regel streifennervig (wie bei Gräsern, Palmen und Zwiebelpflanzen). Bei der Einbeere sind die Blattnerven aber fiedernervig aufgebaut. Von dem Hauptnerv bilden sich die Seitennerven schräg nach oben aus. Die Blätter sind hellgrün gefärbt und verfärben sich im Herbst gelblich. Die Blätter zwischen zwei bis fünf Zentimeter unter der Blüte.

Laut einer Studie des Botanikers Peter Stark (aus dem Jahre 1915) schwankt die Blätterzahl sehr stark. Sie reicht von einem bis zu sieben Blättern. (Quelle: Zeitschrift für Botanik: 7. Jahrgang Jena). In der Literatur wird auch von einem achtblättrigen Exemplar gesprochen (Quelle: Magnin: Les variations foliaires et florales du Paris quadrifolia, Lyon 1905). Nach eigenen Recherchen scheint es sich hierbei um ein „möglicherweise einzigartiges“ Exemplar handeln.

Blüte: Die Blüte ist zwittrig aufgebaut und besteht aus vier Blütenblättern. Die einzelnen Blütenblätter sind grün gefärbt und besitzen ebenfalls deutlich ausgeprägte Blattnerven. Pro Blüte bilden sich zudem acht dünne, grüngelb gefärbte Blütenhüllblätter. In der Mitte sitzt ein blauschwarzer vierfächeriger Fruchtknoten. Die Hauptblütezeit reicht von Mai bis Juni.

Beere: Die blauschwarzen Beeren sind ist ca. 1 cm groß. In diesen Beeren bilden sich zahlreichen Samen. Die Früchte besitzen einen unangenehm süßen Geschmack. Es wird von dem Verzehr der Früchte dringend abgeraten!

Giftpflanze – Hinweise zum Umgang

Giftigkeit der Pflanze: Alle Teile der Pflanze sind stark giftig und sollten auf keinen Fall für den Verzehr genutzt werden. Vor allem Kinder sind von Vergiftungen betroffen, da die Beeren leicht mit den Früchten der Heidelbeeren verwechselt werden können. Vor allem in den Wurzeln und Früchten sind die Giftstoffe enthalten.

Inhaltsstoffe: Steroidsaponine (Paridin, Paristyphnin) – ca. 1%

Wirkung der Giftstoffe: Die enthaltenen Saponine wirken lokal reizend. Es kann zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen kommen. Nach dem Verzehr von größeren Mengen an Beeren oder Blättern kann es unter anderem auch zu einer Lähmung des zentralen Nervensystems kommen. Für Tiere ist die Pflanze ebenfalls in größeren Mengen schädlich – eine lethale Dosis ist nicht bekannt. (Quelle: CliniTox)

Namensherkunft & Volkstümliche Namen

Volkstümliche Namen: Die Pflanze ist unter verschiedenen volkstümlichen bekannt. Zu diesen zählen unter anderem auch Wolfsbeere, Teufelsbeere, Schwarzblätterkraut und Pestbeere. Der Name „Pestbeere“ soll aus der früheren Verwendung gegen die Pest entstanden sein. Eine medizinische Wirkung gegen Pest konnte aber nicht nachgewiesen werden.

Der Name Teufelsbeere lässt sich aus der giftigen Wirkung der Beeren ableiten. Da diese vor allem Kinder vergiftet haben, nam man an, dass der Teufel dahinter steckt.

Namensherkunft: Der Name „vierblättrige Einbeere“ leitet sich vom lateinischen Wort „quadrifolia“ was so viel wie „vierblättrig“ bedeutet. Der lateinische Namensprefix „Par“ bedeutet soviel wie „gleich“. Die schwarze Beere wird mit dem goldenen Apfel der Schicksalsgöttin „Eris“ verglichen. (Quelle: Broschüre Pflanzengeschichten des Deutschen Alpenvereins)

Sagen um die Pflanze

Sage zum Name Pestbeere: Zu diesem Namen eine alte Sage: „Eine Beere zwischen den Frauentagen gepflückt und auf den Hut gesteckt bewahrt vor Pest, Cholera und Seuchen. Ein Fuhrmann kam einst in eine Stadt, in der die Pest wütete. Er trug auf dem Hute eine solche Beere und blieb deshalb immer wohlauf. Die Leute wurden bald auf die heilkräftige Beere aufmerksam, denn sie strömte beständig einen blauen Rauch aus. Man bot ihm dafür eine hohe Summe und er ging auf den Verkauf ein. Kaum hatte er die Beere hergegeben, so war er eine Leiche. (Andrian, Altausseer 1905).

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung der Pflanze: Die vierblättrige Einbeere wird auf der Roten Liste Deutschlands als ungefährdet eingestuft. Die Pflanze ist dennoch auf einigen regionalen Roten Listen vertreten. Die einzelnen Gefährdungsgrade sind wie folgt:

Baden-Württemberg: ungefährdet (Status: *)

Bayern: ungefährdet (Status: *)

Berlin: stark gefährdet (Status: 2)

Brandenburg: gefährdet (Status: 3)

Bremen: n/a

Hamburg: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

Hessen: ungefährdet (Status: *)

Mecklenburg-Vorpommern: gefährdet (Status: *)

Niedersachsen: gefährdet (Status: 3)

Nordrhein-Westfalen: ungefährdet (Status: *)

Rheinland-Pfalz: ungefährdet (Status: *)

Saarland: ungefährdet (Status: *)

Sachsen-Anhalt: ungefährdet (Status: *)

Sachsen: gefährdet (Status: 3)

Schleswig-Holstein: ungefährdet (Status: *)

Thüringen: ungefährdet (Status: *)

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K

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