Wegwarte, gemeine

Im Mittelalter war sie bereits als „Zauberpflanze“ bekannt, die „gemeine Wegwarte“ (Cichorium intybus) – Eine sehr alte Heilpflanze, die zur Heilpflanze des Jahres 2020 gewählt wurde.

Vorkommen und Verbreitung: Die Wegwarte kommt typischerweise an Wegrändern vor. Zum Teil kann die Pflanze auch auf Ruderalflächen angetroffen werden. Sie benötigt einen sonnigen Standort mit nährstoffreichen, trockenen und durchlässigen Böden. Die Wegwarte ist in ganz Europa einheimisch, hat aber auch in Westasien und Nordafrika größere Bestände. In den Alpen sind die Pflanzen auf Höhe von bis zu 1.200 Metern anzutreffen.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Die Pflanze kann eine Wuchshöhe zwischen 30 cm bis zu 2 Meter erreichen. Die Stängel sind im oberen Teil sehr stark verzweigt. Die Zweige sind mit den Blüten besetzt. Diese sitzen dabei an nur einem kurzen eigenen Stängel. Die Äste der Wegwarte sind vollständig leicht behaart. Es handelt sich um eine mehrjährige Staude mit einer langen, pfahlförmigen, unterirdischen Wurzel. Die Pflanze gilt als sehr winterhart.

Blätter: Die Blätter im unteren Bereich haben eine Schrotsägeform, welche den des Löwenzahn ähneln. An den Stängeln bilden sich kleinere Blätter, welche nur leicht eingesägt sind. Oft bilden sich auch nur linear aufgebaute Blätter aus. Die Ränder sind mit leichten Härchen besetzt.

Blüten: Die Köpfchen der einzelnen Blüten wachsen an den verzweigten Stielen. Die Blüten öffnen sich bereits sehr früh am Tag, um 5 Uhr morgens. Die Zungenblüten sind hellblau (selten weiß oder rosa) gefärbt. Die Blütenköpfe haben einen Durchmesser von 2 bis 3 cm. Die Blütezeit reicht von Ende Juni bis Anfang Oktober. Die Blüten öffnen sich jeweils nur für einen einzigen Tag. Die Bestäubung erfolgt durch Schwebfliegen, Bienen und Hummeln.

Futterpflanze für Raupen

Futterpflanze für Raupen: Die Blätter der Pflanze dienen fünf verschiedenen Schmetterlingsarten als Futterpflanze. Diese sind: die graubraune Seidenglanzeule, der graue Mönch, die Karden-Sonneneule, der Habichtskraut-Wiesenspinner und die gelbliche Steineule.

Verwendung als Heilpflanze & Kaffeeersatz

Verwendung als Heilpflanze: Die Wurzel wird als Tee oder Tinktur gegen Verdauungsprobleme verwendet. Durch die Inhaltsstoffe der Wegwarte wurde sie auch vor allem bei Leberbeschwerden, Gelbsucht und Magenschmerzen verwendet. Die Pflanze wird zudem als harntreibend und schweißtreibend angesehen. Aus dem gemahlenen, getrockneten Wurzelteilen ein Kaffeeersatz der sogenannte „Zichorienkaffee“ hergestellt werden. Zum Rösten wird am besten eine Pfanne mit geringer Temperatur verwenden! Die Blätter können im Frühling als Zugabe zu Salat verwendet werden (Vorsicht: Verwechslungsgefahr mit Löwenzahn).

Inhaltsstoffe: Lactucin und Lactucopicrin (Bitterstoffe), Flavonoide, Cholin, Gerbstoffe und Schleimstoffe.

Verwendung als Kaffeeersatz: Die verwandte Pflanze „Cichorium intybus var. sativum“ – auch bekannt als Wurzelzichorie wurde früher zum Teil ebenfalls verwendet. Im 18. Jahrhundert wurde die Wurzel in Form von geröstetem Pulver als Kaffeeersatz eingesetzt. Dieser „Kaffeeersatz“ wird im Sächsischen als „Muckefuck“ bezeichnet.

Volkstümliche Namen & Namensherkunft

Volksnamen: Die Wegwarte ist in der Volkskunde unter weiteren Namen bekannt, diese sind unter anderem:

  • Wilde Endivie (da es sich um die wilde Form der verwandten Endivie handelt)
  • Wegewart (ein älterer Name für die Wegwarte)
  • Hindtläufe (bisher keine Erklärung gefunden)
  • Wegeleuchte
  • Sonnenwendel (die Blüten drehen sich zur Sonne)
  • Zauberkraut (vor allem im Mittelalter und Altertum, da zu diesen Zeiten die Heilkräfte der Pflanze bereits bekannt waren)

Namensherkunft: Der lateinische Name „Cichorium“ stammt aus dem altgriechischen Namen „κιχώριον“ (kichorion) ab. Dieser setzt sich aus den altgriechischen Worten für „κιω” (gehen) und „χωρίον“ (Feld / Acker – eher aber Ort, Stelle) zusammen. Hieraus entstand auch unter anderem der deutsche Name „Wegwarte“, da sie gerne an Wegrändern wächst. Der zweite Namensteil: „Intybus“ lässt sich ebenfalls aus dem griechischen ableiten und bedeutet ins deutsche übersetzt „Endivie“. Sowohl die Endivie als auch der Chicorée sind nah mit der Pflanze verwandt.

Sagen rund um die Pflanze

Sagen rund um die Pflanzen: Die Wegwarte ist sagenumwoben, denn es gibt Sagen, die von einer unglücklichen Liebe erzählen. „Eine edle Königstochter wurde von ihrem Bräutigam verlassen. Sie weinte Tag um Tag. Doch anstelle einen anderen Mann zu heiraten, stellte sie sich an den Weg und wollte zur Feldblume werden. Da es ihr immer schlechter ging entschloss sich Gott sie in eine blaue Blume zu verwandeln. Als solche steht sie noch heute am Wegesrand. Von morgens bis abends schaut sie in die Sonne und wird daher „Wegwarte“ genannt. Abends lässt sie aber wieder ihren Kopf hängen, da sie sehnlichst auf ihren Mann wartet, er aber nie kommt.“

Aberglauben um die Pflanze: Ein Volksglauben um die Wegwarte besteht darin, dass sie gegen Blitze schützen soll. Hierzu muss die Wurzel der Pflanze mit einem Stück Holz ausgegraben werden, in welches bereits ein Blitz eingeschlagen hatte. Wird die Wurzel hingegen mit einem Hirschgeweih ausgegraben kann sie nach der Legende einen Liebeszauber herbeirufen. Hierzu muss die Pflanze am Peterstag (mglw. 29. Juni) oder am Jakobitag (25. Juni) ausgegraben werden. Die Quellen sind sich hierbei nicht einig.

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung der Pflanze: Auf der Roten Liste von Deutschland ist die Pflanze als nicht gefährdet eingestuft. Die Pflanze kann zudem als Gartenform im Fachhandel erworben werden. Es müssen somit keine wilden Exemplare ausgegraben werden.

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K 

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