Wilde Karde

6 Minuten Lesezeit
Eine Begegnung mit dieser Pflanze ist oft eine stachelige Angelegenheit – die „wilde Karde“ (Dipsacus fullonum / sylvestris). Früher wurde sie auch als „Weberkarde“ bezeichnet.
Wilde Karde

Vorkommen und Verbreitung: Die wilde Karde wächst an Bächen, kleinen Flüssen, Altläufen und langsam fließenden Gräben. Sie ist zudem auf stickstoffarmen Krautfluren anzutreffen. Hierdurch kann sie sich auch an menschlichen Bauwerken wie unbefestigten Wegen (Schotterstraßen) vorkommen. Zum Teil werden die Pflanzen auch in Gärten verwendet. Sie ist in ganz Europa einheimisch, stammt aber ursprünglich aus dem Mittelmeerraum.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Sie erreicht eine Wuchshöhe von 80 bis 200 cm. Sie wächst in einer krautigen Form mit Stängeln, die sich von dem Haupttrieb nach außen bilden. Am Ende der Stängel sitzen die Blüten. Die Pflanze benötigt 2 Jahre um 1 Mal zu blühen. Im ersten Jahr bilden sich nur die Grundblätter aus. Im zweiten Jahr bilden sich dann die Blüten aus.

Stängel & Blätter: Die gesamten Stängel sind mit kurzen, spitz zulaufenden Stacheln besetzt. Diese dienen zur Abwehr von Fressfeinden. Die Blätter haben eine lanzettliche Form und sind am Rand unregelmäßig gekerbt. Die Blattmitte besitzt eine auffällige weiß gefärbte Blattader. Die Blätter sitzen dicht an den Stängeln und umschließen diese.

Blüten: Die Form der Karden-Blüte erinnert an eine Distel. Das besondere ist, dass die Blüten von der Mitte aus aufblühen. Der Blütenkopf besitzt zudem linear aufsteigende Hüllblättern. Die Blütenkrone ist lila gefärbt. Die einzelnen Blüten bestehen aus vier bis fünf Blütenblättern und besitzen einen Griffel und vier Staubgefäße. Diese Blütenkronen werden zudem von 8 – 10 mm langen, stechenden Spreublättern überragt. Die Hauptblütezeit reicht von Juli bis August.

Frühere Verwendung / Giftigkeit der Pflanze

Frühere Verwendung als Färberpflanze: Die Pflanze wurde in einer getrockneten Form als Ersatzfarbstoff für Indigo-Blau verwendet. Ein weiterer Nutzen war das Kratzen und Kardätschen von Tüchern. Hierbei wurde die verwendete Wolle zunächst aufgeraut und später glattgestrichen. Durch die Kardenköpfe wurden die Verunreinigungen entfernt.

Frühere Verwendung als Heilpflanze: Zudem bestand im Mittelalter eine mögliche Verwendung der Wurzel als Absud gegen Schrunden der Haut oder als Pulver gegen Lungenschwindsucht [so Gerhard Madaus 1]

Inhaltsstoffe: Die wilde Karde enthält unter anderem das Scabiosid (Glykosid), Terpene, Glucoside und Saponine.

Mögliche Giftigkeit*: Auch wenn in einigen „Naturheilkunde-Foren“ und auf Websites behauptet wird, dass die Wurzel eine heilende Wirkung hat, ist dies nicht zweifelsfrei bewiesen. Es wird daher von dem Verzehr der Wurzel und der Blätter dringend abgeraten!! Alle Pflanzenteile sind NICHT für die menschliche Ernährung geeignet! Es ist zudem nicht zweifelsfrei bewiesen, dass die Inhaltsstoffe der Pflanze vollständig ungiftig sind!!

Volkstümliche Namen

Volkstümliche Namen 2: Die Pflanze wird in älterer Literatur auch zum Teil als Weberkarde (Weberdistel) bezeichnet. . Ein weiterer volkstümlicher Name in der älteren Natur ist „Durstpflanze“ 3. Diese stammt von den miteinander verwachsenen Blättern. Hierin kann sich bei Regenwetter Wasser ansammeln. Dies wird gerne von Vögeln und Insekten als Tränke angenommen. Der Name „Immerdurst“ lässt sich von dem botanischen Gattungsnamen der Pflanze ableiten [siehe hierzu Erläuterungen zum Gattungsnamen].

Namensherkunft

Namensherkunft botanischer Gattungsname: Der botanische Gattungsname „Dipsacus“ lässt sich von dem griechischen Wort „δίψακος“ (bis heute geläufiger griechischer Name der Pflanze) ableiten. Dieses stammt wiederum vom altgriechischen Wort „δίψᾰ“ (zu deutsch „Durst“) ab 4. Nach Liddell-Scott „A Greek-English Lexicon 5“ wird für „δίψακος“ als Erklärung das folgende geliefert:

1. möglicherweise eine Form von Diabetes (die Krankheit), die mit starkem Durst einhergeht.

2. eine Distelart (Dipsacus fullonum) Dsc. 3.II, Gal.II.864.

Namensherkunft botanischer Artname: Der botanische Artname „fullonum“ lässt sich mit dem lateinischen Wort „fullo“ – zu deutsch „Tuchwalker“ – ableiten.

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung der Pflanze: Die wilde Karde steht in gesamt Deutschland nicht auf der roten Liste. Sie ist somit derzeit noch als ungefährdet anzusehen.

Verbreitungs-Codes: AV, M1, M2, F, K


  1. Madaus, Gerhard, Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, aus dem Jahr 1979, Band II, S. 1225 ↩︎
  2. Sturm, Jakob/Ernst H. L. Krause/K. G Lutz/Ernst Robert Missbach: J. Sturms Flora von Deutschland : in Abbildungen nach der Natur, in: K.G. Lutz eBooks, 01.01.1900, [online] doi:10.5962/bhl.title.144606, abgerufen am 27.12.2025. ↩︎
  3. vgl. Wittstein, Georg Christian: Encyclopædie der Naturwissenschaften. Abt. 2, T. 2, Handwörterbuch der Pharmakognosie des Pflanzenreichs, 01.01.1882, doi:10.5962/bhl.title.100691, abgerufen am 27.12.2025 ↩︎
  4. δίψα – Ancient Greek (LSJ): o. D., abgerufen am 27.12.2025 ↩︎
  5. A Greek-English lexicon : Liddell, Henry George, 1811-1898; Internet Archive, 1940, [online], abgerufen am 27.12.2025 ↩︎

*Die Pflanze wird in der Literatur nicht explizit als Giftpflanze ausgewiesen. Dennoch wird von einer Selbstmedikation dringend abgeraten. Der homöopathische Nutzen der Pflanze ist nicht zweifelsfrei bewiesen. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ich freue mich über jeden Gedanken, jede Beobachtung oder Ergänzung. Manchmal prüfe ich Kommentare kurz gegen Spam – danach erscheinen sie ganz normal. Vielen Dank fürs Mitmachen!