Beinwell, gemeiner

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Der „gemeine Beinwell“ ist eine sehr alte aber dennoch sehr bekannte Heil- und Arzneipflanzen in Deutschland. Vor allem die Heilkräfte bei Knochenbrüchen sowie bei Wunden haben dieser Pflanze ihren Namen verliehen.

Vorkommen und Verbreitung: Der gemeine Beinwell kommt in Nass- und Moorwiesen, an Ufern und in Auwäldern vor. Die Heimat des Beinwells liegt vermutlich in Kleinasien. Die Pflanze hat sich in Richtung Westsibirien ausgebreitet. Sie wurde durch die Verwendung als Heilpflanze nach Europa eingeschleppt. Im Mittelalter wurde der Beinwell bereits in einige Klostergärten kultiviert, wodurch er sich in Europa ausgebreitet hatte. Heutzutage ist die Pflanze in fast ganz Europa in der gemäßigten Klimazone anzutreffen.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Der echte Beinwell ist eine krautige Pflanze und kann eine Wuchshöhe zwischen 20 bis 60 cm erreichen. Bei optimalen Standortbedingungen können einzelne Exemplare aber auch bis zu 110 cm hoch werden. Die Pflanze ist vor allem im unteren Teil stark verzweigt und bildet am Ende der Stängel traubenförmige Blütenstände aus. Diese sind mit einer Vielzahl von Blüten besetzt. Oft hängen die Blüten nach unten oder sind leicht nach unten gebogen. Der Stängel ist mit einer Vielzahl von feinen, weißen Härchen besetzt. Unter der Erde bildet sich ein Rhizom mit Ausläufern zur Verbreitung aus.

Blätter: Die Stängelblätter sitzen direkt an den Stängeln bzw. haben nur einen kurzen Stängel. Auf der Oberseite haben sie eine dunkelgrüne Färbung und sind mit deutlich sichtbaren Blattnerven durchzogen. Die Unterseite der Blätter ist behaart und wirkt daher silbrig. Die einzelnen Blätter haben eine länglich-ovale Form und laufen am Ende spitz zusammen. Der Rand ist wie der Rest des Blattes oft leicht gewellt. Zur Mittelrippe sind die Blätter leicht nach unten gebogen.

Blüten: Die Farbe der Blütenblätter variiert zwischen violett bis weiß. Die Hüllblätter haben eine dunkelviolette bis grüne Färbung und sitzen auf den Blütenblättern. Die fünf einzelnen Blütenblätter sind zu einer Glockenform zusammengewachsen – die einzelnen Blütenblätter haben eine Länge von 1,2 bis 1,7 cm. Im Inneren der Blüte bilden sich 5 gelb gefärbte Staubblätter sowie eine längliche Blütennarbe aus. Die Besonderheit bei diesen Blüten ist, das sich zu den Staubblättern auch Schlundschuppen ausbilden. Die Bestäubung der Blüten erfolgt meist durch Hummeln, Bienen und andere Hautflügler. Die meisten der Fruchtknoten sind aber steril! Die Blütezeit reicht von Ende Mai bis Anfang Oktober.

Früchte: Nach der Blütezeit bilden sich selten Fruchtkapseln aus. In diesen reifen die Samen heran. Die Hauptverbreitung erfolgt aber dennoch über das unterirdische Rhizom.

Besonderheiten der Blüte

Bestäubung der Blüte: Die Bestäubung erfolgt durch Bienen und Hummeln während diese in den Blüten hineinkriechen um an den Nektar zu gelangen. Hierbei werden die Pollen auf dem Rücken der Tiere verteilt und somit zwischen den Blüten verteilt. Oft können auch kurzrüsselige Hummeln dabei beobachtet werden, wie sie die Blütenblätter „anknabbern“ und dadurch ein Loch in das Blüteninnere bohren. Hierdurch erfolgt keine Bestäubung der Blüte.

Weißer Beinwell
eine Besonderheit unter den Blüten – weiße Färbung

Weiße Beinwellblüten: Die reinweißen Blüten, wie auf dem Bild unten gezeigt, können eine Laune der Natur (Symphytum officinale ochroleucum) sein. Im Naturschutzgebiet Eriskircher Ried haben sich ein paar Exemplare etablieren können. Bei gelblich bis cremeweiße gefärbten Pflanzen handelt es sich hingegen um den „Großblütigen Beinwell (Symphytum grandiflorum)“.

Einteilung der Arten

Einteilung der Arten: Anhand der Blüten können die folgenden weiteren Unterarten des „echten Beinwell / gemeinen Beinwell“ unterschieden werden:

  • Violetter Beinwell (Symphytum officinale purpureum)
  • Weißlicher Beinwell (Symphytum officinale ochroleucum)
Verwendung als Heilpflanze

Verwendung als Heilpflanze: Bereits im Mittelalter wurde der Beinwell durch die Mönche als Arzneimittel und Heilpflanze angewendet. Die Extrakte aus der Pflanze werden in der volkstümlichen Medizin bei Prellungen oder Zerrungen als leichtes Schmerzmittel angewendet. Das enthaltene Allantoin unterstützt zudem den Körper beim Aufbau von neuen Zellen und lässt somit Wunden und Brüche schneller heilen. Es werden bis heute noch Arzneimittel zur äußerlichen Anwendung aus der Pflanze hergestellt.

Inhaltsstoffe: Allantoin (0,6 bis 0,8 %), Cholin, Gerbstoffe, Schleimstoffe (vor allem in den Wurzeln). Nachteilig ist, dass die Pflanze 0,04 bis 0,6 % an Pyrrolizidinalkaloide enthält. Diese gelten in größeren Mengen als gesundheitsschädlich für die Leber.

Namensherkunft

Namensherkunft: Der botanische Gattungsname „Symphytum“ leitet sich von den zwei griechischen Wörtern „syn“ (zu deutsch: zusammen) und „phyo“ (zu deutsch: wachsen) ab. Hieraus kann das griechische Wort „symphytos“ gebildet werden. Damit ist vermutlich die Fähigkeit der Wundheilung gemeint. Es wird der Pflanze nachgesagt, dass sie unter anderem das Zusammenwachsen von Knochen und Wunden fördert. Der botanische Artname „Officinale“ deutet auf den Gebrauch in Apotheken hin. Denn “ officinalis“ bedeutet so viel wie: „in den Apotheken gebraucht / verwendet“.

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K

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