Europäischer Haselwurz

Eine stark giftige Pflanze mit einem unscheinbaren Aussehen. Der europäische Haselwurz (Asarum europaeum) ist dabei aber leicht mit dem Scharbockskraut zu verwechseln.
~ starke Giftpflanze ~

Vorkommen und Verbreitung: Der europäische Haselwurz ist vor allem in Laubwäldern, gebirgigen und schattigen Gebüschen, Haselsträuchern anzutreffen. Die Pflanze wächst dabei auf humusreichen, kalkhaltigen Boden. In Europa ist sie in Mittel- und Osteuropa häufig, in Nordeuropa eher selten zu finden.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Bei der Pflanze handelt es sich um einen ausdauernden Hemikryptophyt. Dies bedeutet, dass die Pflanze eine Überwinterungsknospe über der Erde ausbildet. Die Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von ca. 5 bis 10 cm. Pro Pflanze werden nur zwei wintergrüne Blätter ausbildet. Der Stängel wächst kriechend über den Boden.

Blätter: Die Blätter sind rundlich-nierenförmig aufgebaut und haben eine dunkelgrüne Färbung. Sie erreichen eine Größe von ca. 3 bis 10 cm. Die Stängel und Unterseite der Blätter sind mit feinen Härchen besetzt.

Blüten: Die Blüten sitzen einzeln unter den Blättern. Sie haben zudem einen kurzen Stiel. Die Blüten sind radiär / glockig aufgebaut und die Blütenhülle sind dreiteilig. Die Blütenfarbe reicht von grün auf der Außenseite der Blüten bis zu braunrot im Inneren. Die Außenseite der Blütenblätter ist zudem deutlich mit Haaren besetzt. Der Blütenduft ist pfefferartig / in manchen Büchern wird dieser auch als kampferartig bezeichnet. Die Bestäubung der Blüten erfolgt durch Pilzmücken, da diese durch den Duft angelockt werden. Die Blütezeit reicht von
März bis in den April.

Früchte: Nach der Blütezeit entwickeln sich die Fruchtknoten. Diese sind sechsfächerig und bilden eine Art von Kapselfrucht. In dieser bilden sich zahlreiche Samen. An diesen Samen hängt ein kleines Elaiosom (Ölkörper). Hierdurch verbreitet sich die Pflanze durch Ameisen. Die Fruchtreife reicht von Juni bis in den August.. Bei den Samen handelt es sich um Frostkeimer.

Giftpflanze – Hinweise zum Umgang

Giftigkeit der Pflanze: Es handelt sich bei der Pflanze um eine starke Giftpflanze. Sie enthält in allen Pflanzenteilen hautreizende ätherische Öle. Der Anteil der Inhaltsstoffe kann sehr stark variieren. Sie ist auf keinen Fall für den Verzehr geeignet.

Inhaltsstoffe: α-Asaron (hautreizend, scharf riechend – in variablen Konzentrationen), trans-Isomethyleugenol bzw. trans-Isoelemicin, Sesquiterpenderivate

Symptome einer Vergiftung: Das Gift bewirkt eine Reizung bei den Schleimhäuten im Mund und der Zunge. Die in der Pflanze enthaltenen ätherischen Öle können zudem einen Niesreiz hervorrufen. Bei Verzehr kommt es zu den folgenden Nebenwirkungen: Erbrechen, Magen- und Darmbeschwerden und Durchfall. Die Blätter der Haselwurz können zudem Ausschläge auf der Haut hervorrufen. Bei einer hohen Dosis / starken Vergiftung tritt der Tod durch Atemlähmung ein.

Erste Hilfe bei einer Vergiftung: Es ist sofort ein Arzt aufzusuchen und der Giftnotruf zu informieren!

Volkstümlicher Name & Namensherkunft *

Namensherkunft: Die Namensherkunft kann auf mehere Weisen erklärt werden:

  1. Der lateinische Namensteil „Asarum“ stammt von dem altgriechischen Wort „ásaron“ – im deutschen „zweiglos“ – ab. Hier kann auf das Buch „Die Giftpflanzen Deutschlands“ von Peter Esser aus dem Jahr 1859 hingewiesen werden.
  1. EIne weitere Erklärung für „Asarum“ stammt von dem altgriechischen Wort für Teppich ab. Denn die Pflanze bildet eine Art von Teppich. – Quelle: Das Buch „Encyclopaedie der Naturwissenschaften“ aus dem Jahr 1887
  1. Plinius für die Herkunft des Wortes eine Zusammensetzung aus den zwei altgriechischen Worten für „nicht“ und „zieren“ an. Die Blüten der Pflanze durften nicht in Kränzen verwendet werden. Hieraus entstand der Name. – Quelle: Das Buch „Encyclopaedie der Naturwissenschaften“ aus dem Jahr 1887
  1. Eine weitere Erklärung kann auf „DIOSKORIDES“ zurückgeführt werden. Hierbei gibt er der Pflanze den Namen „asaron“. Dabei handelt es sich um ein altgriechisches Wort welches laut Dioskurides mit „Ekel, Unbehagen“ übersetzen lässt. Dabei wird auf die brecherregenden Eigenschaft angedeutet. – Quelle: Spektrum.de
  1. Bei Hildegard von Bingen findet man in Ihren Schriften die Pflanze als „Haselwurtz“ und „asarum“ – Quelle: Altdeutsche Gartenflora von Fischer-Benzon aus dem Jahr 1839
  1. Der deutsche Name „Haselwurz“ stammt daher, dass die Pflanze gerne unter Haselsträuchern wächst. – Quelle: Buch „Die Giftpflanzen Deutschlands“ von Peter Esser aus dem Jahr 1859

Volkstümliche Namen: Die Pflanze war früher als „Vulgago“ oder „Brechhaselwurz“ bekannt. Hierbei wird auf die zum Erbrechen führende Wirkung bei Einnahme der Pflanze hingedeutet.

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung der Pflanze: Auf der Roten Liste für Deutschland wird diese Art als “ungefährdet” eingestuft.

Verbreitungs-Code: A, AV, M1, M2, F, K

Anmerkungen

*Anmerkung zu der Namensherkunft in eigener Sache: Im Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder ist die Pflanze auch vertreten. Hier werden Angaben zu der Namensherkunft der Pflanze gegeben. Diese finde ich persönlich etwas fraglich. Es wird hier darauf hingewiesen, dass die Namensherkunft des lateinischen Namen nicht vollständig nachgewiesen werden kann. Dem muss ich nach eigenen Recherchen zustimmen (in älterer Literatur wurde Namensherkunft der Pflanze nicht einheitlich beschrieben).

Die Aussage, dass die Pflanze ‚beta leporina‘ (heute geläufig unter dem Namen „Gefleckter Aronstab /Arum maculatum“) mit dem Namen ‚Hasenwurz‘ (Haselwurz) in der Wiener Dioskurides von Pedanios Dioskurides bezeichnet wird scheint ebenfalls fraglich zu sein. In The Naming of Names: The Search for Order in the World of Plants wird der Name ‚beta leporina‘ als römische Eigenname für ‚Arum maculatum‘ angesehen. Hierin wird auch das Aussehen der Pflanze beschrieben. Pfeilförmige Blätter werden dabei als Merkmal angegeben. Hierbei handelt es sich um ein unverwechselbares Merkmal des Aronstabs. Es ist somit sehr unwahrscheinlich, dass sich Pedanios Dioskurides bei seiner Namensgebung geirrt hat. Ohne Einsicht in das Originalwerk / eine Kopie ist eine endgültige Beurteilung leider nicht möglich.

Weitere Nachforschungen zur Namensherkunft

Heinrich Marzell schreibt in seiner Publikation „Die Haselwurz in der alten Medizin: Eine Studie zur Geschichte einer deutschen Heilpflanze“, dass bereits Dioskurides bereits die Pflanze eindeutig beschrieben und gezeichnet hat. Hierin geht Marzell auch auf die Möglichkeit der Verwechslung mit einer weiteren Pflanze ein. Albertus Magnus (um 1280) benennt den Haselwurz nach der Gestalt der Blätter: “Roßhuf“. Er schreibt aber auch, dass die Pflanze im Volksmund als “vulgo“ / “herba leporis“ bekannt ist. Dies soll aufgetreten sein, da sich die Hasen von den Pflanzen nähren. Dies bewertet Marzell aber als sehr unwahrscheinlich, da die Pflanze einen scharfen Geschmack hat. Er liefert eine plausible Erklärung für diesen Fehler. Denn sehr wahrscheinlich hat Albertus Magnus den deutschen Namen Haselwurz im Sinn und leitete diesen Namen fälschlicherweise von Hasen ab. – Quelle: https://www.jstor.org/

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