Kuhschelle, gewöhnliche

Eine heimische Berglandbewohnerin, die „gewöhnliche Kuhschelle / Küchenschelle“ (Pulsatilla vulgaris). 
~ Schwache Giftpflanze ~

Vorkommen und Verbreitung: Die gewöhnliche Kuhschelle wächst vor allem auf Magerrasen / Trockenrasen, Gebüschen und auf Heiden. Sie bevorzugt dabei warme, kalkhaltige Böden wie sie z.B. auf der schwäbischen Alb zu finden sind. Zum Teil gibt es Sorten, welche als Zierpflanzen in unseren Gärten angepflanzt werden. Die Pflanze ist in ganz West- und Mitteleuropa verbreitet.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Bei der Kuhschelle handelt sich um eine mehrjährige krautige Pflanze, welche sehr oft kleine Gruppen bildet. Die Pflanze erreicht eine Höhe von 5 – 25 cm.

Stängel: Die einzeln stehenden Stängel sind unverzweigt und haben eine deutliche behaarte Oberfläche. Die Blüten sitzen am oberen Ende des Stängels. 

Blätter: Die am Grund liegenden Blätter sind leicht behaart und entwickeln sich bereits während der Blüte. Die Blätter bestehen aus fiederspaltigen linearen Blättchen. Pro Blatt können sich bis zu 100 Einzelblättchen . Sie haben eine hellgrüne bis grau-grüne Färbung. Die Blätter erreichen eine Länge von bis zu 10 cm. Die Enden der Blätter laufen spitz zusammen. Die grün gefärbten Hochblattwirtel sind silbrig behaart und sitzen direkt unter der Blüte. Selten kann die Behaarung eine gelbe Färbung.

Blüte: Die Blütenhülle ist strahlig-glockenförmig aufgebaut und hat eine blau-violette Färbung. Die Blüten sind 5 cm bis 13 cm breit. Sie bestehen aus sechs Blütenblättern, welche alle gleich groß sind. Im Inneren der Blüte sitzt der violette Blütenstempel und der gelbe Fruchtknoten. Die um die Blütenstempel wachsenden Staubblätter sind gelb gefärbt. Die Blüten sitzen aufrecht auf den Stängeln. Bei schlechtem Wetter schließen sich die Blüten und senken sich auf den Boden ab. Die Blütezeit reicht von März bis in den Mai.

Frucht: Die Frucht besteht aus einer graubraune 2–5 cm langen Nuss mit einem behaarten Stachel an dessen Ende.

Schwache Giftpflanze – Hinweise zum Umgang

Giftigkeit der Pflanze: Die gesamte Kuhschelle ist in allen Pflanzenteilen giftig. Sie wird aber von Ziegen und anderen Weidetieren für gewöhnlich gemieden. Bei der Entfernung von Pflanzenteilen sollten Handschuhe getragen werden. Die Pflanze wird zum Teil in der Homöopathie verwendet. Ich rate aber von der Selbstmedikation bzw. Benutzung der Pflanze ab. Aufgrund der enthaltenen Gifte ist sie für Menschen giftig! Das Gift kann sich bei Tieren vor allem in der Leber anreichern.

Inhaltsstoffe: In den frischen Teilen der Pflanze ist das schwache Gift Protoanemonin enthalten.

Symptome einer Vergiftung: Bei einer Vergiftung mit „Protoanemonin“ kann es zu Krämpfen und Lähmungserscheinungen kommen. Eine Vergiftung zeigt sich zum Teil auch durch Erbrechen und Schwindelgefühl. Im schlimmsten Fall kann es zur Atemlähmung und dem Tod kommen.

Volkstümliche Namen & Namensherkunft

Volkstümliche Namen: In der alten Literatur wird die Pflanze unter verschiedenen volkstümlichen Namen geführt. Diese sind unter anderem „Küchenschelle, Kukucksschelle, Schlafblume, Osterblume, Windblume, Schellen-Windrose oder auch Wolfspfote“.

Der deutsche Beiname „Küchenschelle” stammt aus dem altdeutschen ab und leitet sich aus dem Originalwort “Küh-chenschelle”, als Verniedlichungsform von Kuh ab. Der Botaniker Tabern führt dies in den Denkschriften der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften aus. Das gebräuchliche Wort „Küchenschelle“ ist eine unrichtige Form, da die Pflanze keine Anwendung in der Küche findet. Das Wort Osterschelle deutet auf die Blütezeit zu Ostern und ebenfalls die Glockenform hin.

Der Botaniker Leonhart Fuchs* bezeichnete die Pflanze in seinem „Kreüterbuch“ als „Kuchenschell“. Zur Bedeutung führt er aus: „darumb das seine blumen den schellen oder cimbaln gleich seind“. Er vergleicht bereits die Blüten mit Glocken / Schellen.

Zudem besitzt die Pflanze noch weitgehend unbekannte Namen wie „Beizkraut“ (Botaniker Frane), da die Wurzel eine grüne Tinte ergibt. Hiermit wurden früher auch Ostereier gefärbt. Durch ihr zotteliges Aussehen erhielt sie von Reuss den Namen „Wildenmannskraut“.

Der Botaniker Schmeller gab ihr den Namen „Schlottenblume“. Dies begründet er mit einer Ähnlichkeit zu einer groben Leinwand (vermutlich aufgrund der rauen Behaarung).

Der Name „Tagschlaf“ oder auch „Schlafblume“ ist aus der Eigenschaft, das die Blüte auch bei vollem Sonnenschein nickt entstanden.

Namensherkunft: Der lateinische Gattungsname „Pulsatilla“ lässt sich von dem lateinischen Wort „pulsare“ – zu Deutsch: schlagen, läuten – ableiten. Hieraus soll auch der Namensteil „Glocke“ entstanden sein. Der Artname “vulgaris“ leitet sich von „gewöhnlich, alltäglich“ ab.

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung der Pflanze: Das Sammeln der Pflanze ist in der freien Natur verboten! Sie stehen unter besonderem Schutz durch die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV). Nach dieser gilt die Pflanze auch als streng geschützte Art. Es darf somit auf keinen Fall gepflückt oder ausgegraben werden! Die wilde gewöhnliche Kuhschelle (Küchenschelle) ist in gesamt Deutschland als gefährdet eingestuft. Dennoch sind in einzelnen Bundesländern andere Gefährdungsgrade wie folgt definiert, 

  • Deutschland: gefährdet (Status: 3)
  • Baden-Württemberg: gefährdet (Status: 3)
  • Bayern: gefährdet (Status: 3)
  • Berlin: Art ausgestorben (Status: 0 – seit 1856)
  • Brandenburg: vom Aussterben bedroht (Status: 1) 
  • Hamburg: Art ausgestorben (Status: 0 – seit 1945)
  • Hessen: gefährdet (Status: 3)
  • Mecklenburg-Vorpommern: ungefährdet (Status: *)
  • Niedersachsen: Art ausgestorben / stark gefährdet (Status: 0 – Bergland / 2 – Tiefland)
  • Nordrhein-Westfalen: gefährdet (Status: 3)
  • Rheinland-Pfalz: gefährdet (Status: 3)
  • Saarland: Art ausgestorben (Status: 0)
  • Sachsen-Anhalt: stark gefährdet (Status: 2)
  • Sachsen: vom Aussterben bedroht (Status: 1)
  • Schleswig-Holstein: vom Aussterben bedroht (Status: 1)
  • Thüringen: gefährdet (Status: 3)

Verbreitungs-Codes: AV, M1, M2, F

*Leonhart Fuchs (* 17. Januar 1501 in Wemding bei Donauwörth; † 10. Mai 1566 in Tübingen)

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