Maiglöckchen

Das „Maiglöckchen“ (Convallaria majalis) hat einen wohlriechenden Duft – die Blätter sind dennoch leicht mit dem Bärlauch zu verwechseln!
~ Starke Giftpflanze ~

Vorkommen und Verbreitung: Das Maiglöckchen kommt in Eichen-, Buchen- und Kiefernwäldern und auf Hochgrasfluren vor. In den lichten Laubwäldern bilden sich sehr oft größere Bestände der Pflanze. Zum Teil ist die Pflanze auch in Gebüschen und unter Sträuchern anzutreffen. Sie bevorzugt kalkreiche Böden und gilt somit Teilweise als Zeigerpflanze. In den Alpen wächst die Pflanze auf bis zu 2.200 Metern. Sie ist in fast ganz Europa sowie Teilen von Asien beheimatet. In Nordamerika gilt die Art als „Neophyt“. Die südeuropäischen Bestände sind meist nur in den Gebirgen zu finden, da sie ein gemäßigtes, kühleres Klima bevorzugen. In der Nähe von Gärten und Parks gilt das Maiglöckchen oft als „verwilderte Zuchtform“.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Das Maiglöckchen ist eine ausdauernde Pflanze mit einer unterirdisch wachsenden Sprossachse. Diese kann weitere Seitentriebe ausbilden. Hierdurch bilden sich größere Gruppen der Pflanze.

Blätter: Im Frühjahr bilden sich zwei grundständig wachsende Blätter mit einem länglichen Stiel. Diese sind im jungen Zustand tütenförmig zusammengerollt. Später entfalten sie sich. Die Blätter haben eine breit-lanzettliche Form und können eine Länge von bis zu 22 cm erreichen. Bei Verletzung der Blätter besitzen diese einen einen grasartigen Geruch. Die Ränder der Blätter sind ganzrandig.

Merkmale zur Unterscheidung von Bärlauch und Maiglöckchen

Bärlauch

  • deutliche Knoblauchgeruch
  • weiche Blätter
  • nur ein Blatt pro Stiel, grüne Färbung

Maiglöckchen

  • grasartiger Geruch
  • feste Blätter
  • zwei Blätter pro Pflanze mit rötlicher Färbung am Stiel
Hier geht es zu einem PDF mit den Unterscheidungsmerkmalen zum Download.

Blüten: Die Blüten sitzen an kantigen Stängeln in einer wechselständigen Traube. Das Perigon ist glockig aufgebaut und besteht aus sechs miteinander verwachsenen einzelnen Blütenblättern. Diese sind nur ca. 5 bis 9 mm groß. Die Ränder der Blütenblätter sind leicht nach oben zurückgebogen. Die Färbung der Blütenblätter ist weiß. Pro Stängel bilden sich 5 bis 13 Blüten. In den Blüten bildet sich kein Nektar. Im Inneren der Blüte bilden sich typischerweise zwei Ringe von jeweils drei Staubblättern. Die hellgelb bis grünlich gefärbte Blütennarbe sitzt in der Mitte der Blüte. Sie sind somit zwittrig und können sich zum Teil auch selbst bestäuben. Der Duft der Blüten ist für Insekten und Menschen betörend. Die Blütezeit reicht von Mai bis in den Juni.

Frucht: Die einzelnen Früchte bestehen aus einer rot-orange gefärbten Beere. Diese bilden sich nach der Blüte direkt an den blattlosen Stängeln. Im Juli bis in den August entstehen die Früchte. Sie reifen von August bis September. Im Inneren der einzelnen Beeren sind zwei bis sechs Samen enthalten. Die Verbreitung der Samen erfolgt vor allem durch Tiere, u.a. auch Vögel. Hierbei können vor allem Amseln und Drosseln bei der Verbreitung der Samen angeführt werden. Die Samen benötigen einen humusreichen, lockeren Boden.

Giftpflanze – Hinweise zum Umgang

Giftigkeit der Pflanze: Die Pflanze ist stark giftig und kann unter Umständen tödlich wirken. Die Glykoside in den Blättern und Beeren werden in der Pharmazie als Herzmittel in Präparaten verwendet. Von der Selbstmedikation ist dringend abzuraten! Auch besonders die Beeren bilden eine Gefahr für Kinder. Diese können schnell gegessen werden und zu einer Vergiftung führen. Das Maiglöckchen ist auch für Tiere wie Ziegen und Schweine hochgiftig.

Hinweise zum Umgang: Bei Umgang mit der Pflanze sollten wenn möglich immer Handschuhe getragen werden. Das Berühren der Blätter ist nicht giftig, aber durch das abpflücken kann giftiger Pflanzensaft austreten.

Inhaltsstoffe der Pflanze: In der Pflanze sind unter anderem Digitalis-Glykoside, Asparagin, Flavonoide, Saponine enthalten. Die Digitalis-Glykoside sind vergleichbar mit den Inhaltsstoffen des Fingerhuts und haben eine ähnliche Wirkung. Die Toxine werden nicht durch Trocknung zerstört. Im Einzelnen sind die folgenden Giftstoffe in der Pflanze enthalten:

  • die Glykoside: Convallatoxin, Convallosid, Convallamarin (sie wirken wie Herzglykoside)
  • die Saponine: Convallarin, Convallarinsäure
  • die toxische Aminosäure: Azetidin-Carbonsäure

Quelle: Clinitox Datenbank

LD50: Die letale Dosis ist bei Menschen nicht bekannt. Bei Katzen liegt sie bei ca. 0.07-0.08 mg/kg Convallatoxin. Es sind Vergiftungsfälle bei Schweinen, Kaninchen, Geflügel, Hunden und Katzen bekannt.

Symptome einer Vergiftung: Bei einer Vergiftung mit der Pflanze kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen und Krämpfen. Im Falle einer starken Vergiftung führt sie zu Herzrhythmusstörungen und einem Tod durch Herzstillstand. Starke Vergiftungen kommen aber sehr selten vor, da die Gifte nur schlecht vom Körper aufgenommen werden.

Erste Hilfe im Falle einer Vergiftung: Bei Aufnahme von größeren Mengen ist ein Arzt aufzusuchen. Im Zweifelsfall ist der Giftnotruf zu informieren.

Verwendung der Pflanze

Verwendung der Pflanze in der Industrie: Die Blüten des Maiglöckchens wurden früher in der Parfümherstellung aufgrund des in den enthaltenen ätherischen Öls verwendet. In den meisten Fällen wird heutzutage das Öl aber im großen Stil synthetisch hergestellt.

Anbaugebiete der Pflanze: Bis zum Jahr 1945 galt die Stadt „Drossen“ heute Ośno Lubuskie (in Polen) als Maiblumenstadt. Bereits im Jahr 1879 züchtete der Gärtner Max Friedrich dort größere Mengen an Maiglöckchen. Aus der Stadt wurden die Maiblumen in die ganze Welt verkauft. Zudem wurde aus den angebauten Pflanzen Medizin hergestellt. Nach Ende des zweiten Weltkriegs wurde diese Tradition und der Anbau aufgegeben.

Frühere Verwendung als Heilpflanze: In der Volksmedizin wurde die Pflanze bereits seit dem Mittelalter gegen Beschwerden wie Epilepsie und Schlaganfällen sowie Herzschwäche eingesetzt. Aufgrund der Vielzahl an giftigen Glykosiden wird aber von dem eigenständigen Gebrauch als Heilpflanze abgeraten. Als Radix Convallariae, Herba Convallariae und Flores Convallariae wurden die einzelnen Pflanzenstoffe früher auch zum Teil für Auszüge in der Apotheke verkauft. In der Pharmazie werden aus der Pflanze Fertigpräparate gegen Herzbeschwerden hergestellt. Diese besitzen aber eine genau erforschte Dosis an Glykosiden.

Volkstümliche Namen & Namensherkunft

Volkstümliche Namen: Das Maiglöckchen ist unter dem Namen (wohlriechende) Maiblume, Maililie oder Mairöschen, Maienriesli bekannt. Der Name „Maiblume“ und seine Abwandlungen stammen vor allem von der Blütezeit der Pflanze ab. Da sich die Blüten bereits im Mai öffnen. Aufgrund ihrer Blütenform (Glockenförmig) hat sie eine gewisse Ähnlichkeit zu unseren einheimischen Lilien und Orchideen. Hieraus soll der volkstümliche Name „Maililie“ – spiegelt sich auch im englischen Namen wieder – entstanden sein.

Namensherkunft: Der Gattungsname „Convallaria“ stammt ursprünglich aus dem lateinischen Wort „convallis“. Dies bedeutet im Deutschen „Talkessel“ – ein Hinweis auf das Verbreitungsgebiet der Pflanze. Der lateinische Name wird zudem auch oft mit „Lilie der Täler“ übersetzt. Hiervon leitet sich auch der englische Name der Pflanze „Lily of the valley“ ab.

Gefährdung der Pflanze

Status auf der Roten Liste: Die Pflanze steht in Deutschland unter Naturschutz. Es darf daher auf keinen Fall gepflückt oder ausgegraben werden. Bisher steht das Maiglöckchen in Deutschland als ungefährdet auf der Roten Liste.

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K

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