Die „mehlige Königskerze“ kann in zwei verschiedenen Blütenfarben vorkommen. Zum einen die weiße Form und zum anderen die gelbe Form.




Vorkommen und Verbreitung: Die mehlige Königskerze (Verbascum lychnitis) ist auf basischen Böden zu finden. Zu diesen zählen unter anderem Trockengebüsche und Trockenwaldsäume. Zudem sind sie auch auf Trockenrasen und Halbtrockenrasen anzutreffen. Sie bevorzugt dabei trockene aber nährstoffreiche Standorte und ist zudem ein Basenzeiger. Diese Königskerze ist in ganz Europa anzutreffen, in den Gebirgen auch auf bis zu 1.400 Metern zu finden. 1 2
Pflanzenbeschreibung
Wuchsform: Die Pflanze kann eine Größe von 60 bis zu 150 cm erreichen. Sie wächst dabei kerzengrade in die Höhe. Die Stängel sind kantig aufgebaut. Die Blüten sitzen in Ähren am oberen Stängel. Im Frühling treiben zunächst die Blätter aus der Wurzel aus. Im zweiten Jahr bildet sich der kantige Stängel mit den Blüten aus. Unter der Erde bildet sich eine längliche Wurzelrübe aus. Es handelt sich um eine Halbrosettenpflanze.
Blätter: Die Blätter sitzen am unteren Ende der Pflanze und sind verkehrt eiförmig bis länglich aufgebaut. Auf der Unterseite der Blätter sind diese stark graufilzig behaart. Auf der Oberseite haben diese nur wenige Haare. Die Behaarung auf kann mit Mehl verglichen werden. Am Rand sind die Blätter leicht eingekerbt bzw. glattrandig.
Blüte: Die Blüten sitzen am oberen Ende der Stängel der Pflanze. Die einzelnen Blütenkronen sind 12 bis 18 mm groß. Die Blüten sind weiß gefärbt (seltener auch hellgelb gefärbt!), die Staubblätter sind hellgelb. Der Staubbeutel hat eine dunkelgelbe / orangene Farbe. Die Blütezeit reicht von Juni bis in den August. Bei den Staubblättern ist darauf hinzuweisen, dass diese wollig behaart sind.
Früchte: Aus den Blüten entstehen die Fruchtkapseln. Sobald die Kapseln trocken sind öffnen sich diese und geben die 300 winzigen Samen. Pro Pflanze bilden sich bis zu 60.000 Samen (ca. 200 Blüten). Es handelt sich bei den Samen um Wind- und Tierstreuer. Die Samen sind Lichtkeimer und benötigen den Frost zum Keimen.
Volkstümliche Namen
Volkstümliche Namen: Die Königskerzen sind als Gattung unter verschiedenen volkstümlichen Namen bekannt. Oft werden die einzelnen Arten im Volksmund nicht unterschieden. So wird vor allem aber die gewöhnliche Königskerze als „Wollkraut“ (nach den wolligen Blättern bezeichnet). Auch zählen Namen die auf die Verwendung hindeuten oft zu den volkstümlichen Namen. So zum Beispiel Brennkraut oder Fackelblume. In manchen Regionen werden die Königskerzen insgesamt zudem als „Himmelbrand“ bezeichnet. Dies soll sich aus dem Bildnis der Jungfrau Maria mit einer Königskerze in der Hand entwickelt haben. 3
Im Schwäbischen ist die Pflanze unter den volkstümlichen Namen wie „Feldkerz, Wegkerz, Hauskerz, Wetter- oder auch Gewitterkerz“ bekannt. Zum Teil wird sie dort auch als „Wullekerz und Fackelkr(a)ut genannt! Der Name Zangekerz leitet sich aus der Tradition die Pflanze in einer „Zange“ / in einem „Kräuterbüschel“ zu verwenden.
Die Königskerze ist eines der Kräuter das bei der „Kräuterweihe zum Fest Mariä Himmelfahrt“ in die Würzbüschel gehört. Je nach Region werden für die Kräuterbüschel aus verschiedenen Pflanzen zusammengestellt. Am 15. August werden die Kräuter zu einem Strauß, dem Würzbüschel, zusammengebunden und mit zur Kirche gebracht. Dort werden die Pflanzen dann geweiht.
Zu den weiteren schwäbischen Namen zählen „Hirschstengel, Fuchs- oder Wolfsschwanz“ welche sich auf die stattlichen Blütenstängel bezieht.
Namensherkunft des deutschen Namens
Namensherkunft 4: Der Gattungsname „Königskerze“ wird zum Teil von ihrer stattlichen Erscheinung abgeleitet. Es handelt sich bei dem Namen um ein Kompositum zwischen den Wörtern „König“ und „Kerze“. nach Meyers Konversationslexikon gilt die Königskerze als Symbol der Königswürde (daher der Namensteil „König“). Eine weitere Herkunft für den Namen ist die frühere Verwendung als Kerze.
Im „Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm“ 5 werden verschiedene Möglichkeiten der Namensherkunft aufzeigt. Eine hiervon ist von Johann Wigand im catal. herbarum in Borussia nascentium: Der hohe schlanke kahle stengel mit der gelben blume sieht einer brennenden kerzegleich, man soll aber den stengel auch wirklich zur fertigung von wachskerzen benutzt haben.
Daher kann davon ausgegangen werden, das die mit Teer oder Pech bestriche Pflanze ähnlich wie eine Fackel verwendet werden kann. Teilweise wurden die zerschnittenen Blätter und Stängel als Lampendochte verwendet. So wird in Meyers Großes Konversationslexikon (6. Auflage, 1905–1909) 6 auf diesen Umstand hingewiesen.
Auch in Leonhart Fuchs „Das neue Kreuterbuch“ von 1543 7 sind volkstümliche Namen wie „Wullkraut / Kertzenkraut / Brennkraut / Himmelbrandt“ enthalten. Er nennt zudem den griechischen Namen „Phlomos / Φλόμος“ bzw. den lateinischen Namen „verbascum“.
Der griechische Name „phlomos“ lässt sich in den Schriften von Pedanios Dioskurides, 1. Jahrhundert. De Medicinali Materia libri quinque – in der Übersetzung von Julius Berendes 8 – nachweisen. Eine mögliche Erklärung für den Namen liefert Meyers Großes Konversationslexikon (6. Auflage, 1905–1909) 9. Hierbei wird auf die Verwendung als Fackel hingewiesen.
Der Name „Verbascum“ taucht bereits bei Plinius dem Älteren, 1. Jahrhundert. Naturalis historia Buch XXV, Kapitel 73 (§ 120–121) 10 auf.
Nach Leonhard Fuchs wurde die Pflanze bei den Römern auch als „Candela regis“ bezeichnet. Auch in „Die etymologie der phanerogamennomenclatur“ 11 wird auf die Bezeichnung „Candella regia“ – zu deutsch „Königskerze“ hingewiesen.
Der Namenszusatz „mehlige“ wird auf die wollig behaarten Unterseiten der Blätter zurückgeführt, da diese wie mit Mehl bestrichen aussehen.
Namensherkunft des botanischen Namens
Namensherkunft des botanischen Gattungsnamens: Der botanische Gattungsname „Verbascum“ leitet sich aus dem Wort „Barbascum“ ab. Es wird von einer Verwandtschaft mit dem Wort „barba“ – zu deutsch Bart – ausgegangen, da das Blatt filzig aussieht. Siehe hierzu auch die Erklärung in „Die etymologie der phanerogamennomenclatur“ 12. Die griechische Bezeichnung der Pflanze ist „Φλόμος (Phlomos)“ – nach Dioskurides. Dies leitet sich wiederum aus den griechischen Worten φλέγομαι (phlegomai) – zu deutsch „brennend“ sowie φλογίζομαι (phlogizomai) – zu deutsch „in Flammen stehen“. Hierbei wurde auf die Verwendung der Pflanze als Lampendochte hingeweisen.
Namensherkunft des botanischen Artnamens: Der botanische Artname „nigrum“ leitet sich aus dem lateinischen Wort „niger“ – dies lässt sich mit schwarz ins Deutsche übersetzen.
Gefährdung der Pflanze
Gefährdung der Pflanze: Die mehlige Königskerze gilt auf der Roten Liste Deutschlands als ungefährdet.
– Baden-Württemberg: ungefährdet (Status: *)
– Bayern: ungefährdet (Status: *)
– Berlin: ungefährdet (Status: *)
– Brandenburg: ungefährdet (Status: *)
– Hamburg: stark gefährdet (Status: 2)
– Hessen: ungefährdet (Status: *)
– Mecklenburg-Vorpommern: stark gefährdet (Status: 2)
– Niedersachsen: gefährdet (Status: 3)
– Nordrhein-Westfalen: ungefährdet (Status: *)
– Rheinland-Pfalz: ungefährdet (Status: *)
– Saarland: ungefährdet (Status: *)
– Sachsen: Vorwarnliste (Status: V)
– Sachsen-Anhalt: ungefährdet (Status: *)
– Schleswig-Holstein: vom Aussterben bedroht (Status: 1)
– Thüringen: ungefährdet (Status: *)
Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K
Quellen
- Mertz, P. (2002). Pflanzengesellschaften Mitteleuropas und der Alpen: Erkennen, Bestimmen, Bewerten: ein Handbuch für die vegetationskundliche Praxis, Seite 288 ↩︎
- Verbascum lychnitis L. in Bánki, O., Roskov, Y., Döring, M., Ower, G., Hernández Robles, D. R., Plata Corredor, C. A., Stjernegaard Jeppesen, T., Örn, A., Pape, T., Hobern, D., Garnett, S., Little, H., DeWalt, R. E., Miller, J., Orrell, T., Aalbu, R., Abbott, J., Abreu, C., Acero P, A., et al. (2026). Catalogue of Life (2026-08-26 XR). Catalogue of Life Foundation, Amsterdam, Netherlands. https://doi.org/10.48580/dgyy9 ↩︎
- „Verbascum“, Meyers Großes Konversationslexikon (6. Auflage, 1905–1909), digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25, https://www.woerterbuchnetz.de/Meyers?lemid=V00795, abgerufen am 03.10.2026. ↩︎
- „königskerze, f.“, Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25, https://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemid=K10527, abgerufen am 03.10.2026. ↩︎
- „königskraut, n.“, Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25, https://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemid=K10535, abgerufen am 03.10.2026. ↩︎
- „Verbascum“, Meyers Großes Konversationslexikon (6. Auflage, 1905–1909), digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25, https://www.woerterbuchnetz.de/Meyers?lemid=V00795, abgerufen am 03.10.2026. ↩︎
- „new kreüterbuch, in welchem nit allein die gantz histori, das ist namen, gestalt, statt vnd zeit der wachsung, natur, krafft vnd würckung, des meysten theyls der kreüter so in teütschen vnnd andern landen wachsen, mit dem besten vleiß beschrieben, sonder auch aller derselben wurtzel, stengel, bletter, blumen, samen, frücht, vnd in summa die gantze gestalt, allso artlich vnd kunstlich abgebildet vnd contrafayt ist, das deßgleichen vormals nie gesehen, noch an tag kom[m]en : mit dreyen nützlichen registern . . .“ – Viewer | MDZ. (o. D.). https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb00017437?page=830,831 ↩︎
- Des Pedanios Dioskurides aus Anazarbos : Arzneimittellehre in fünf Büchern : Dioscorides Pedanius, of Anazarbos (1902). Internet Archive. https://archive.org/details/despedaniosdios00pedagoog?view=theater#page/n436/mode/2up, abgerufen am 03.10.2026 ↩︎
- „Verbascum“, Meyers Großes Konversationslexikon (6. Auflage, 1905–1909), digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25, https://www.woerterbuchnetz.de/Meyers?lemid=V00795, abgerufen am 03.10.2026. ↩︎
- LacusCurtius • Pliny the Elder’s Natural History — Book 25. (o. D.). https://penelope.uchicago.edu/Thayer/L/Roman/Texts/Pliny_the_Elder/25*.html#lxxiii, abgerufen am 03.10.2026 ↩︎
- Kanngiesser, Friederich. (1908). Die etymologie der phanerogamennomenclatur : Eine erklärung der wissenschaftlichen, der deutschen, französischen, englischen und holländischen pflanzennamen (p. 185). F. von Zezschwitz. https://www.biodiversitylibrary.org/page/52939050, abgerufen am 03.10.2026 ↩︎
- Kanngiesser, Friederich. (1908). Die etymologie der phanerogamennomenclatur : Eine erklärung der wissenschaftlichen, der deutschen, französischen, englischen und holländischen pflanzennamen (p. 185). F. von Zezschwitz. https://www.biodiversitylibrary.org/page/52939050, abgerufen am 03.10.2026 ↩︎