Der Faulbaum ist für die Raupen des Zitronenfalters eine der beiden Futterpflanzen (die zweite sind verschiedene Kreuzdornarten).



~ Giftpflanze ~
Vorkommen und Verbreitung: Der Faulbaum wächst häufig in Auwäldern und Erlenbrüchen (auch andere feuchte Wälder) sowie an Wegrändern. Zum Teil kann die Pflanze auch in Hecken und Heidenmooren gefunden werden. Bei den besonderen Lebensräumen handelt es sich um den “Birken-Eichenmischwald”, “Iris pseudacorus-Gesellschaft / Röhricht mit gelben Schwertlilien”, “Bergkiefern-Moorwälder” sowie “Birkenbruchwälder” 1. In Europa ist die Pflanze weit verbreitet. Die natürliche Verbreitung reicht bis zum nördlichen Polarkreis (Norwegen / Schweden / Finland). Im Mittelmeerraum fehlt die Pflanze zum Teil komplett (südliches Italien, Teile von Griechenland). Bis nach Sibirien kann die Pflanze in Asien angetroffen werden. In den nordöstlichen USA, südlichen Kanada gilt die Pflanze als Neophyt.2
Pflanzenbeschreibung
Wuchsform: Der Faulbaum erreicht eine Höhe von bis zu 7 Metern und hat häufig eine buschige Wuchsform. Seltener kann die Pflanze eine Baumform haben. Die Rinde ist mit quer verlaufenden Lentizellen (kleine Poren auf der Oberfläche der Rinde) – die hellgrau gefärbt sind – besetzt. Die Zweige sind dornenlos. Grundfarbe der Äste ist ansonsten graubraun und glänzend. Junge Zweige haben hingegen eine gelb-braune Farbe. Die frisch verletzte Rinde hat einen unangenehmen – seltener auch leicht fauligen – Geruch.
Wurzel: Die Wurzeln der Pflanze sind zunächst rötlich-gelb, später rot überlaufend. Wurzeln bilden eine Symbiose mit Pilzen aus – hierbei handelt es sich um eine sogenannte “Endomykorrhiza”.
Blätter: Die Blätter sitzen wechselständig an den Ästen. Pro Blatt bilden sich zwischen 7 bis 9 deutlich sichtbare, bogig verlaufende Blattnervenpaare aus. Die Oberseite der Blätter ist dunkelgrün während die Unterseite hellgrün gefärbt ist. Die Blätter sind elliptisch, eiförmig bzw. verkehrt-eiförmig geformt. Am Ende der Blätter laufen diese spitz zusammen. Der Blattrand ist glatt – seltener auch leicht gewellt. Das Herbstlaub ist gelblich gefärbt.
Blüten: In kleinen Büscheln an den Enden – zwischen den Blättern – bilden sich die Blüten aus. Bei den Büscheln handelt es sich um trugdoldige Blütenstände, die aus 2 bis 10 Blüten bestehen. Es handelt sich um kleine vormännliche (zwittige) Trichterblumen. Die einzelnen Blütenblätter sind grünlich-weiß gefärbt. Pro Blüte sind fünf Blütenblätter vorhanden. Die Staubblätter sind kurz und werden von den Kronblättern bedeckt. Die Staubbeutel am Ende der Staubblätter sind länglich geformt. In der Mitte der Blüte bildet sich ein Fruchtknoten mit einem kurzen Griffel und einer zwei- bis dreiteiligen Blütennarbe. Die Blütezeit reicht von Mai bis September. Die Bestäubung der Blüten erfolgt vor allem durch Biene, Hummeln, Wespen und Käfer.
Früchte: Die Früchte sind zunächst grünlich, dann rötlich gefärbt bei vollständiger Reife schwarzviolett. Sie haben eine kugelige Form. In der Mitte sitzt eine Steinfrucht. Zwischen September bis Dezember ist die Reife der Früchte erreicht. Die Verbreitung erfolgt durch verschiedene Vögel.

Besonderheiten des Faulbaum
Besonderheiten der Pflanze: Die Weibchen des Zitronenfalters legen ihre Eier an verschiedenen Kreuzdornarten (darunter der Purgier-Kreuzdorn) und dem Faulbaum ab. Die Raupen leben vom Schupf Mitte Mai bis Ende Juli von den Blättern der Pflanzen.3 Auch die Raupen des Faulbaum-Bläuling sind zum Teil am Faulbaum als Futterpflanze zu finden. 4

Erstbeschreibung der Pflanze
Erstbeschreibung der Pflanze 5: Durch den schwedischen Naturforscher Carl von Linné erfolgte die Erstbeschreibung unter der Gattung „Rhamnus“ in seinem Werk „Species plantarum – Teil 1“ aus dem Jahr 1753. Später wurde die Gattung „Frangula“ durch den englischen Gärtner und Botaniker in seinem Werk „The gardeners dictionary 6“ beschrieben. Hierbei wurde auch die Art „Frangula alnus“ beschrieben (echter Faulbaum) 7.
Volkstümliche Namen
Volkstümliche Namen 8: Der Faulbaum ist unter diversen volkstümlichen Namen bekannt. Zu diesen zählen im bayerischen Schwaben unter anderem: “Hundsbeeren“ und „Pulverholz“. Der Name „Hundsbeere lässt sich von der Ungenießbarkeit der Beeren ableiten. Der Name „Pulverholz“ stammt davon, dass die Holzkohle sich gut zur Herstellung von Schießpulver ableiten. Im Schwäbischen (Baden-Württemberg) gibt es noch weitere volkstümliche Namen: „Scheißbeer, Stinker, Hundsbaum, Faulholz“. Die Namen „Scheißbeer und Stinker“ leiten sich von der stark abführenden und giftigen Wirkung der Pflanze ab 9. Im Englischen ist die Pflanze als “Alder Buckthorn” sowie “Glossy Buckthorn” bekannt.
Namensherkunft
Namensherkunft: Der deutsche Name „Faulbaum“ leitet sich von dem unangenehmen Geruch der Pflanze bei Verletzung ab. Der botanische Gattungsname „Frangula“ leitet sich von dem lateinischen Wort „frangere“ – zu deutsch: „brechen“ ab. Hierbei wurde auf das brüchige Holz hingewiesen 10. Der botanische Artname „alnus“ stammt von dem römischen Namen der Erle ab, da die Blätter des Faulbaums eine gewisse Ähnlichkeit mit denen der Erle haben 11.
Frühere Verwendung der Pflanze
Frühere Verwendung der Pflanze: Aus den dickeren Ästen wurden kleinere Schnitzereien hergestellt. Die Holzkohle konnte zur Herstellung von Schießpulver verwendet werden.12 Zum Teil wurde die Faulbaumrinde auch als mildes, wirksames Abführmittel eingesetzt.13 Es sollte aber von der Verwendung der Pflanze abgeraten werden.
Gefährdung der Pflanze
Gefährdung der Pflanze: Der Faulbaum wird auf der Roten Liste von Deutschland als „ungefährdet“ eingestuft.
Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K
Quellen
- Mertz, P. (2002). Pflanzenwelt Mitteleuropas und der Alpen: Handbuch und Atlas : Erkennen – Bestimmen – Bewerten : Ein Handbuch für die vegetationskundliche Praxis. ↩︎
- Frangula alnus Mill. in Bánki, O., Roskov, Y., Döring, M., Ower, G., Hernández Robles, D. R., Plata Corredor, C. A., Stjernegaard Jeppesen, T., Örn, A., Pape, T., Hobern, D., Garnett, S., Little, H., DeWalt, R. E., Miller, J., Orrell, T., Aalbu, R., Abbott, J., Abreu, C., Acero P, A., et al. (2026). Catalogue of Life (2026-07-17 XR). Catalogue of Life Foundation, Amsterdam, Netherlands. https://doi.org/10.48580/dgykv ↩︎
- Willner, W. (2016). Taschenlexikon der Schmetterlinge Europas: Alle Tagfalter im Porträt, Seite 124 ↩︎
- Timaeus, J. (o. D.). Celastrina argiolus (LINNAEUS, 1758) – Tagfalter-Monitoring – ufz.de/tagfalter-monitoring/index.php?de=42138 ↩︎
- Linné, Carl von. (1908). Species plantarum : exhibentes plantas rite cognitas ad genera relatas, cum diferentiis specificis, nominibus trivialibus, synonymis selectis, locis natalibus, secundum systema sexuale digestas (Vol. 1, p. 192). Junk. https://www.biodiversitylibrary.org/page/26068161 ↩︎
- Miller, Philip, Miller, J., Miller, Philip, & John and Francis Rivington. (1768). The gardeners dictionary: containing the best and newest methods of cultivating and improving the kitchen, fruit, flower garden, and nursery, as also for performing the practical parts of agriculture, including the management of vineyards, with the methods of making and preserving wine, according to the present practice of the most skilful vignerons in the several wine countries in Europe, together with directions for propagating and improving, from real practice and experience, all sorts of timber trees (p. FRA-FRA), 8th edition, https://www.biodiversitylibrary.org/page/394932 ↩︎
- Catalogue of Life, https://www.catalogueoflife.org/data/taxon/5HDCH, abgerufen am 13.08.2026 ↩︎
- Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg. (1887). Bericht des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben und Neuburg (a.V.) in Augsburg (Vol. 39, p. 131). Die Verein. https://www.biodiversitylibrary.org/page/5006659 ↩︎
- Müller, T. (2018). Schwäbische Flora, Seite 130 ↩︎
- Boerner, F. (1967). Taschenwörterbuch der botanischen Pflanzennamen, 4. Auflage, Seite 104 ↩︎
- Boerner, F. (1967). Taschenwörterbuch der botanischen Pflanzennamen, 4. Auflage, Seite 198 ↩︎
- Schütt, P. & Aas, G. (2002). Lexikon der Baum- und Straucharten: das Standardwerk der Forstbotanik ; Morphologie, Pathologie, Ökologie und Systematik wichtiger Baum- und Straucharten, Seite 446 ↩︎
- Pahlow, M. (1999). Das große Buch der Heilpflanzen : gesund durch die Heilkräfte der Natur ; Wissenswertes über 400 einheimische und fremdländische Heilpflanzen, ihre Inhaltsstoffe und Heilwirkungen ; Rezepte für Tees und Tinkturen ; Anwendungsvorschläge für Bäder, Umschläge, Inhalationen ; Heilpflanzen in der Homöopathie, ihre Anwendung und Dosierung, Seite 130 ↩︎