Naturräume & Verbreitungsgebiete

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Inhaltsverzeichnis
Die Naturräume von DeutschlandBesondere Naturschutzgebiete
Kurzcharakteristik der Naturräume Spezielle Lebensräume 1
Verbreitungsgebiet-CodesSpezielle Lebensräume 2
NaturschutzgebieteSpezielle Lebensräume 3
Unterschied SchutzgebieteSpezielle Lebensräume 4
FAQ zu Schutzgebieten– mehr folgt bald –

Die Naturräume von Deutschland

Deutschland lässt sich auf verschiedene Weise in einzelne Naturräume gliedern – also in großräumige Landschaften, die durch typische Kombinationen von Klima, Geologie, Böden, Vegetation und Gewässern geprägt sind.

Nach der klassischen naturräumlichen Gliederung von Meynen und Schmithüsen kann Deutschland in zahlreiche verschiedene Naturräume und Großlandschaften – insgesamt rund 73 Einheiten – unterteilt werden. Für die Orientierung in der Pflanzenwelt ist das jedoch für den Alltagsgebrauch oft zu fein gegliedert.

Deshalb folgt die hier gezeigte Karte einer vereinfachten Darstellung nach Haeupler, Muer und Loos („Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands“). Sie fasst Deutschland zu acht Hauptnaturräumen zusammen – von den Küsten des Nordens bis zu den Alpen im Süden.

  • Meere, Küsten
  • Nordwestliches Tiefland
  • Nordöstliches Tiefland
  • Westliches Mittelgebirge
  • Östliches Mittelgebirge
  • Südwestliches Mittelgebirge
  • Alpenvorland
  • Alpen

Karte von Deutschland mit geografischen Regionen: Nordwestliches und Nordöstliches Tiefland, Westliches und Südwestliches Mittelgebirge, Östliches Mittelgebirge, Alpenvorland und Alpen, Küstenlinien markiert.

Meere und Küsten: Die Nord- und Ostseeküsten prägen den Norden Deutschlands. Wattflächen, Dünen, Marschen und Inseln bilden Lebensräume für spezialisierte Pflanzen und zahlreiche Zugvögel. Das Klima ist maritim.

Nordwestliches / nordöstliches Tiefland: Im nordwestlichen Teil sind vor allem Geeste (sandiges wenig fruchtbares Land) und nährstoffreiche, fruchtbare Marsche diese prägende Landschaftsform. Im nordöstlichen Teil finden sich vor allem Seen (z.B. die Mecklenburgische Seenplatte) und die Steilküsten der Ostsee. Weiter südlicher sind Kiefernwälder, Heideflächen, landwirtschaftliche Flächen und Weidelandschaften dominierend.

Westliches Mittelgebirge: Ein Hügelland mit Tälern, Wäldern und vulkanischen Höhenzügen. Regionen wie Eifel, Westerwald und das hessische Bergland sind durch die Gebirgsketten prägende Regionen. Mischwälder und Buchen dominieren vielerorts.

Östliches Mittelgebirge: Hier liegen Harz, Erzgebirge und Thüringer Wald. Die Berge ist stark ausgeprägt, die Höhenlagen kühler. Es treten vor allem Fichtenwälder auf. In den Tälern finden sich oft Wiesen.

Südwestliches Mittelgebirge: Durch den Schwarzwald und Odenwald geprägte Region. Am Rhein gibt es vor allem wärmere, oft sonnenbegünstigte Lagen und Weinbaugebiete. In den Höhenzügen sind vor allem Fichten- und Mischwälder beheimatet.

Alpenvorland: Eine Moränenlandschaft mit Seen und Mooren am Fuße der Schwäbischen Alb bis zum Bodensee. Es ist vor allem durch Hügel und Berge geprägt, die im Südosten in das Allgäu übergehen. Arten- und landschaftsreiche Region.

Alpen: Der höchste Naturraum Deutschlands: von Bergmischwäldern über Almen bis hin zu Felsfluren. Das Klima ist alpin, die Vegetationszeit kurz, die Artenvielfalt jedoch auch außergewöhnlich hoch.


Verbreitungsgebiet-Codes

Für jedes der 8 Gebiete gibt es einen einfachen Verbreitungsgebiet-Code. Diese können bei der Bestimmung einer Pflanze helfen und vor Fehlbestimmungen schützen. In jedem meiner Beiträge können am Ende der Beschreibungen Kürzel für die Vorkommen abgelesen werden.

– Die Meeren und Küsten besitzen das Kürzel „K“

– Das NW und NO Tiefland werden mit „F“ gekennzeichnet

– Das W- und O-Mittelgebirge ist durch „M2“ markiert

– Das SW Mittelgebirge besitzt das Kennzeichen „M1“

– Das Alpenvorland wird durch „AV“ angegeben

– Die Alpen sind als „A“ markiert

Einige Pflanzen können auch nur sporadisch in diesen Gebieten auftreten. In diesem Fall sind die Kennzeichen in Klammern „( )“ gesetzt. Wenn eine Pflanze ausgewildert, nur in unseren Gärten oder nur in Kultur vorkommt wird noch ein „synth.“ (synthetisch) zu den Verbreitungs-Codes ergänzt.

Auf den nächsten Seiten stelle ich spezielle Lebensräume wie Hochmoore, Flüsse und Riedflächen sowie besondere Schutzgebiete der Bodenseeregion vor.


Naturschutzgebiete

Was ist ein Naturschutzgebiet?

Als Naturschutzgebiet (Kurzform: NSG) gilt ein besonders geschütztes Gebiet. In ihnen herrschen strenge Regeln, da dort die Natur möglichst unberührt bleiben soll. Es dürfen somit keine Pflanzen entnommen und Lebensräume zerstört oder verändert werden. Eine genaue Definition findet sich zudem in § 23 BNatSchG. Hiernach sind auch alle Handlungen die zu einer nachhaltigen Störung führen verboten. Das Schild zeigt die in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, NRW, Rheinland-Pfalz und dem Saarland genutzte „Naturschutzkennzeichnung“. Es handelt sich hierbei um einen fliegenden Seeadler auf einem weiß-grünen Dreieck (siehe links).

In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen wird eine schwarze Kretschmann-Eule in einem gelben Fünfeck zur Kennzeichnung verwendet – diese entspricht dem gezeigten Bild. Es gibt auch hiervon noch weitere Abweichungen.

-> Sachsen-Anhalt: schwarze Kretschmann-Eule in einem weißen Fünfeck.

-> Berlin: schwarze Kretschmann-Eule in einem weiß grünen Dreieck.

-> Niedersachsen: stilisierte Eule in einem weiß grünen Dreieck.

-> An den Küsten sind manchmal auch Sonderschilder mit einem blauen Fünfeck und der weißen Kretschmann-Eule zu finden. Hierbei handelt es sich um den Nationalpark „Wattenmeer“ (Schild zur Kennzeichnung der Schutzzonen in Niedersachsen).

Das Bild rechts zeigt die typische schwarze Kretschmann-Eule mit dem gelben Grund.


Arten von Schutzgebieten

In Deutschland gibt es nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und dem Wasserhaushaltsgesetz verschiedene Schutzgebietskategorien. Zu diesen zählen unter anderem die folgenden Kategorien:

– Naturschutzgebiete, Nationalparke, Biosphärenreservate

– Landschaftsschutzgebiete und Naturparke

– Schutzgebiete nach Natura-2000 (Vogelschutz- und FFH-Gebiete – Kurzform für Flora-Fauna-Habitatsgebiet)

– Wasserschutzgebiete

Auf der nächsten Seite werde ich auf verschiedene Fragen sowie die einzelnen Gebietsarten genauer eingehen


Ein Naturdenkmal wird ähnlich wie ein Naturschutzgebiet behandelt. Es handelt sich dabei um eine besonders schützenswerte Fläche (wie z.B. ein Moor oder eine Heidefläche, Gewässer), einen einzelnen Baum oder ein Felsen / Höhle. Das besondere an Naturdenkmälern ist, dass diese nicht verändert werden dürfen. In Deutschland gibt es insgesamt 14.000 ausgewiesene Naturdenkmale. Oft findet man an alten Bäumen noch das bisherige Schild: ein schwarzes Dreieck mit silbernen Adler (unten rechts). Hierdurch werden diese Bäume auch als Naturdenkmal ausgezeichnet. Die rechtliche Grundlage bildet § 28 Abs. 1 BNatSchG.


Ein Flächennaturdenkmal ist eine besonders geschützte Fläche, die einen Umfang von bis zu 5 ha hat.

Es handelt sich dabei um Flächen, die nach dem damaligen DDR-Recht (also vor 1990) ausgewiesen wurden. Sie sind in etwa vergleichbar mit einem heutigen „Landschaftsschutzgebiet“ / „geschützten Landschaftsbestandteil“ – Quelle: Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz Thüringen.

Das Schild auf dem Bild steht am Flächennaturdenkmal „Halde an der Windmühle“ in Ansprung bei Marienberg. Hierbei handelt es sich um eine Bergbaufolgelandschaft

Zwischen 1920 bis 1945 wurde in der heutigen Halde Serpentin abgebaut. Heutzutage ist der kleine Steinbruch mit Wasser gefüllt und von dichtem Bewuchs mit Bäumen umgeben.

Zum ca. 1,5 ha großen Gebiet zählen auch offene Standorte mit Wiesenflächen. Auf diesen ist eine hohe Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren vorhanden. – Quelle: Bergbaufolgelandschaften im
Naturpark „Erzgebirge/Vogtland“

Gelbes Schild mit schwarzer Eulen-Silhouette und der Aufschrift 'Flächennaturdenkmal' vor grünem Hintergrund
Steinbruch im Gebiet „Halde an der Windmühle“