Scheiden-Wollgras

Das „Scheiden-Wollgras“ (Eriophorum vaginatum) ist eines der typischen im Moor anzutreffenden Sauergräser. Durch die weißen Wollschöpfe (Blütenstände / Fruchtstände) sind die Pflanzen schon von weitem zu erkennen.

Vorkommen und Verbreitung: Das Scheiden-Wollgras wächst vor allem in Bult-Schlenken Komplexen und in Bergkiefer-Moorwäldern. Es ist in fast ganz Europa verbreitet. Da die Pflanze oft auf besonders feuchten Standorten im Moor verbreitet ist, sollten diese Bereiche auf keinen Fall betreten werden. Zum einen besteht die Gefahr in den Moorboden einzusinken zum anderen reagiert die Pflanze sehr empfindlich auf die Verdichtung von Boden! Das Scheiden-Wollgras kommt ausschließlich auf sonnigen, sauren Böden vor.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Die Pflanze ist ausdauernd und bildet einen buschförmigen Horst / eine Wuchsgemeinschaft. Dieses mehrjährige Wollgras erreicht eine Wuchshöhe zwischen 30 bis 80 cm. Sie bildet im Gegensatz zu den anderen Wollgräsern keine Ausläufer aus.

Stängel & Blätter: Die Stängel sind rund und im unteren Teil mit dünnen, spitz zulaufenden Blättern besetzt. Alle Pflanzenteile haben eine deutlich grau-grüne Färbung. Am unteren Ende der Stiele bilden sich rosabraune Niederblätter. Diese werden jedes Jahr neu gebildet. Die grünen Blätter überwintern. Die Niederblätter tragen zur Torfbildung bei. Die aufstehenden grünen Blätter sind in der Mitte wie eine Rinne aufgebaut und haben eine lineare Form. Sie haben dabei einen Durchmesser von nur bis zu 2 mm. Die Oberseite ist deutlich mit weißen Blattnerven besetzt.

Blüte: Die Blüte des Wollgras ist unscheinbar. Die Blütezeit ist bereits im März bis in den April. Die Blütenstände sitzen am oberen Ende der Stängel. Die Blütenähre wird etwa 1 bis 3 cm lang und besteht aus bis zu 100 Einzelblüten. Diese haben eine gelblich-braune Färbung. Pro Blüte bilden sich jeweils drei Staubblätter und eine Narbe aus. Die gelb gefärbten Staubblätter stehen deutlich aus den Blüten heraus. Die Art von „Blütenblättern“ haben eine schwarze bis dunkelbraue Farbe. Ab Mai nach der Blüte bilden sich die weiß gefärbten Fruchtstände aus. Diese bestehen aus sehr vielen bis zu 5 cm langen Blütenhüllfäden. Seltener gibt es im Juli bis September eine zweite Blütezeit.

Früchte: Nach der Blüte bilden sich die winzigen Samen an den weißen Blütenhüllfäden aus. Diese dienen vor allem der Verbreitung der Samen. Die weiße Farbe der „Fallschirme“ stammt von der eingelagerten Luft. Durch diese sind die Samen zusammen mit den Haaren sehr leicht und können durch den Wind verbreitet werden. Die Samen selbst sind nur wenige Millimeter groß und haben eine braune Färbung.

Volkstümliche Namen

Volkstümliche Namen: Nach dem wolligen Fruchtstand wird die Pflanze im Bayerischen Wald und Böhmerwald als Bettfedern oder Weiherfedern bezeichnet. Zudem ist sie in der älteren Literatur als Torfblume zu finden. Es gibt daneben aber auch noch zahlreiche weitere volkstümliche Namen, wie z.B. „Wollträger, Binsenseide, Binsenwatte, Dunggras, Dochtgras“.

Einige dieser Namen stammen auch von der früheren Verwendung der Fruchstände (ähnlich wie weiße Wolle) ab. Die Köpfchen wurden dabei unter anderem als Füllung für Kissen oder zur Herstellung von Filz genutzt. Es kann aber im Gegensatz zu normaler Wolle nicht zu einem Garn versponnen werden.

Zum Teil wurden die Stängel auch als Kerzendochte verwendet. Getrocknet sind die Stängel zum Teil sehr gut brennbar. Aber auch aus den Wollfäden wurden ebenfalls einzelne Dochte hergestellt.

Als Sauergras waren die zähen Stängel der Pflanze vor allem bei den Bauern unbeliebt. Die Pflanze selbst hat keinen sauren Geschmack wächst aber vor allem auf sauren Böden wodurch ihr dieser Name zugeschrieben wurde.

Namensherkunft

Namensherkunft: Der botanische Gattungsname „Eriophorum“ bezieht sich auf die wollig aussehenden Fruchtstände der Pflanze und lässt sich dabei mit „Wollträger / wolletragend“ ins Deutsche übersetzen. Es stammt dabei aus den altgriechischen Worten „ἔϱιον“ (Erion) – zu deutsch „Wolle“ und  „φέϱω“ (Phero) – zu deutsch „tragen“. Als gesamtes Wort somit „ἐϱιόφοϱος“ (erioporos) – wolletragend. Der botanische Artname „vaginatum“ leitet sich aus der Form der Blattmitten ab.

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung der Pflanze: In Deutschland ist das Scheiden-Wollgras bereits auf der Roten Liste, dort ist es mit der Vorwarnstufe eingestuft. Aber aufgrund des starken Rückgangs an Mooren und dem Abbau von Torf schrumpft der Lebensraum dieser Pflanze immer weiter. Dennoch ist sie eine der ersten Arten, die sich in renaturierten Mooren ansiedeln. Die einzelnen Gefährdungsgrade sind wie folgt,

– Deutschland: Vorwarnstufe (Status: V) 

– Baden-Württemberg: Vorwarnstufe (Status: V) 

– Bayern: Vorwarnstufe (Status: V) 

– Berlin: stark gefährdet (Status: 2)

– Brandenburg: gefährdet (Status: 3)

– Hamburg: stark gefährdet (Status: 2)

– Hessen: gefährdet (Status: 3)

– Nordrhein-Westfalen: gefährdet (Status: 3)

– Rheinland-Pfalz: gefährdet (Status: 3)

– Saarland: Ausgestorben (Status: 0, seit 1990)

– Sachsen: gefährdet (Status: 3)

– Sachsen-Anhalt: gefährdet (Status: 3)

– Schleswig-Holstein: Vorwarnstufe (Status: V)

–  Thüringen: gefährdet (Status: 3)

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F

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