Schlafmohn

Der „Schlafmohn“ ist eine stark giftige Schönheit alter Bauerngärten. Dabei handelt es sich um eine genehmigungspflichtige Pflanzenart!
Schlafmohn -  Gesamte Pflanze

Giftpflanze des Jahres 2021!

Schlafmohn - Violette Blüte im Detail

Vorkommen und Verbreitung: Der Schlafmohn stammt ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet. Eine exakte Herkunft ist dabei aber nur schwer bestimmbar. Die Pflanze wird in unseren Breitengraden vor allem in Kultur angebaut. Zum Teil ist die Pflanze auch verwildert auf Brachland, auf Schuttplätzen und an Wegen zu finden. Der Besitz der Pflanze in Gärten ist für opiumhaltige Sorten verboten!

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform & Stängel: Es handelt sich um eine krautig wachsende, einjährige Pflanze. Sie erreicht eine Wuchshöhe zwischen 30 bis 120 cm. Die Stängel wachsen aufrecht und sind kräftig aufgebaut. Sie besitzen eine blaugrüne Färbung. Die Stängel enthalten zudem einen weißen Milchsaft. Der Stängel ist zudem mit kurzen, weißen Härchen besetzt.

Blätter: Die unteren Blätter besitzen eine herzförmigen Aufbau. Die oberen Stängelblätter haben eine oval bis lanzettliche Form. Sie sind blaugrün gefärbt und besitzen einen zackigen Rand. Die Mittelrispe ist auf der Unterseite deutlich erkennbar.

Blüten: Die Blüten bestehen aus vier weiß bis violett gefärbten Blütenblättern. Die Blüte hat einen Durchmesser zwischen vier bis sechs Zentimetern. Vor dem Aufblühen sind die Blütenblätter in zwei Kelchblätter eingehüllt. Die Blütenstände hängen zunächst nach unten. Die Kelchblätter fallen nach dem Aufblühen ab. Um den Blütengrund sitzen die vier dunkleren Flecken auf den Blütenblättern. In der Mitte der Blüte sitzt die hellgelbe Blütennarbe. Sie ist von gelben Staubblättern umrandet. Die Staubfäden besitzen eine violette Färbung. Die Die Blütezeit reicht von Mai bis in den August.

Früchte: Die Früchte bestehen aus einer rundlichen Samenkapsel. Diese entsteht bereits während der Blüte. Sie besteht aus der vertrockneten Blütennarbe. Pro Samenkapsel können sich eine Vielzahl von Samen bilden. Nach dem vollständigen vertrocknen werden die Samen durch den Wind oder Tiere verteilt. Die Samen fallen dabei aus den kleinen Öffnungen unter der Narbenscheibe heraus. In den reifen Mohnsamen ist nur ein geringer Anteil an Alkaloiden nachweisbar.

Giftpflanze – Hinweise zum Umgang

Giftigkeit der Pflanze: Alle Teile des Schlafmohn sind stark giftig. Auf keinen Fall sollten Teile der Pflanze in der Ernährung verwendet werden. Im Milchsaft der Pflanze sind unter anderem „Opiumalkaloide“ und Nebenalkaloide enthalten. Bei diesen Inhaltstoffen handelt es sich um Giftstoffe mit einer teilweise anregenden und teilweise entspannenden Wirkung. Die Giftstoffe zersetzen sich nicht beim Trocknen und sind somit noch im getrockneten Milchsaft enthalten. Vor allem in den grünen Fruchtkapseln ist eine größere Menge an Alkaloiden enthalten. Zum Teil kann es zu einer Kontaktdermatitis bei Berührung mit dem Milchsaft kommen.

Inhaltsstoffe: Der Milchsaft enthalten unter anderem Codein, Morphin, Narcotin, Narcein, Noscapin, Papaverin, Protopin und Thebain. Die gesamte Pflanze enthält ca. 40 verschiedene Alkaloide.

Wirkungsweise der Opiumalkaloide: Die Wirkung von Morphin wirkt sich auf das zentrale Nervensystem aus und ist damit ein Antagonist an den Opioidrezeptoren. Hierdurch tritt eine Senkung des Schmerzempfindens ein. Es wird hier nicht weiter auf die Wirkung eingegangen.

Symptome einer Vergiftung: Nach etwa einer halben Stunde bis einer Stunden nach Aufnahme der Giftstoffe kommt es zu ersten Vergiftungserscheinungen. Hierbei handelt es sich um ein Schwindelgefühl, Erbrechen, Benommenheit sowie Schläfrigkeit. Bei einer starken Vergiftung kommt es zu einer zunehmende Pupillenverengung. Der Tod tritt nach mehreren Stunden durch Lähmung des zentralen Nervensystems ein.

LD50: Bei Menschen ist keine genaue letale Dosis bestimmbar. Es wird in der Literatur von einer Dosis zwischen 2 bis 3 Gramm Opium für einen Erwachsenen ausgegangen.

Erste Hilfe: Bei einer Vergiftung mit dem Milchsaft oder Samen des Schlafmohn wird eine Dekontamination und symptomatische Therapie angewendet. Eine Aufrechterhaltung der Atmung ist notwendig! Als Antidot / Gegengift wird Naloxon angewendet. Bei einer starken Vergiftung mit der Pflanze muss ein Arzt aufgesucht werden!

Verwendungen des Schlafmohns

Verwendung des Schlafmohns: Der Schlafmohn wurde früher zur Ölgewinnung angebaut und verwendet. Aus der angeritzten Samenkapseln wird der Milchsaft für die Weiterverarbeitung gewonnen. Die Samen des Schlafmohn werden zum Teil als Zugabe zu Backwaren verwendet.

Besitz und Anbau: Der Besitz und Anbau von opiumhaltigen Pflanzen ist in Deutschland verboten! In alten Bauerngärten kann man die Pflanzen teilweise antreffen. Für den Anbau im eigenen Garten kann eine behördliche Genehmigung erteilt werden. Diese muss bei der Bundesopiumstelle (BfArM) beantragt werden. Eine normale Anbaugenehmigung beschränkt sich auf eine Fläche von maximal zehn Quadratmetern. Die Kultivierung von den meisten Sorten ist in Deutschland streng verboten! Nur zwei morphinarme Sorten sind im landwirtschaftlichen Anbau erlaubt.

Besonderheiten – Weitere Sorten

Weitere Sorten: Die unteren Bilder zeigen den „Gefüllten Päonienmohn“ (Papaver somniferum var. paeoniflorum). Hierbei handelt es sich um eine Züchtung des Schlafmohns. Bei dieser handelt es sich um eine genehmigungspflichtige Züchtung. Daher sollte immer eine Genehmigung für den legalen Anbau eingeholt werden. Diese gilt für 3 Jahre!

Namensherkunft

Namensherkunft: Der Name „Mohn“ leitet sich von dem germanischen Wort „mage“ ab. Dieses Wort stammt von dem griechischen Wort „mekon / μήκων“ ab. In Deutsche übersetzt bedeutet das Wort „Mohn“. Der Namensteil „Schlaf“ leitet sich von der Wirkung des Mohns ab. Eine genaue Etymologie kann nicht nachgewiesen werden.

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K (synth.)

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