Die „ährige Teufelskralle“ (Phyteuma spicatum) stammt aus der Familie der Glockenblumengewächse und wird auch ährige Rapunzel genannt.



Vorkommen und Verbreitung: Die ährige Teufelskralle kommt in krautreichen, lehmigen Wäldern und auf Bergwiesen / Hochstaudenfluren vor. Dabei ist die Verbreitung ausschließlich auf Europa beschränkt. In den Gebirgen ist die Pflanze auf einer Höhe von bis zu 2.100 Metern zu finden. In der Mittelmeerregion ist die Pflanze seltener anzutreffen bzw. fehlt teilweise vollständig in manchen Ländern. 1
Pflanzenbeschreibung
Wuchsform: Bei der ährigen Teufelskralle handelt es sich um eine ausdauernde, krautige Pflanze. Sie erreicht eine Wuchshöhe zwischen 20 bis 70 cm. Die Blüten wachsen einzeln an den Stängeln. Die Stängelblätter sitzen wechselständig am aufrechten Stiel. Oft stehen die Blütenstände zu mehreren Blüten zusammen. Unter der Erde bildet sich eine rübenartig verdickte Wurzel aus – welche fleischig ist. Diese dient unter anderem zur Überwinterung der Pflanze.
Blätter: Direkt über dem Boden bilden sich die ersten Blätter mit eigenen langen Stängeln aus. Diese haben eine deutliche Herzform. Der Rand sämtlicher Blätter ist unregelmäßig doppelt gesägt bzw. eingekerbt. Die oberen Stängelblätter sind hingegen eiförmig bis lanzettlich. Während die obersten Blätter auch linealistisch sein können. Die gesamten Blätter haben eine dunkelgrüne Färbung. Auf der Oberseite sind die Blattnerven deutlich erkennbar.
Blüten: Die Blütenstände der ährigen Teufelskralle können eine Länge zwischen 4 bis 10 cm erreichen und haben die Form einer Ähre. Die einzelnen Blüten sind gelbweiß / grünlich gefärbt. Pro Blüte bilden sich fünf weiß gefärbte Kronblätter aus, welche miteinander verwachsen sind. Die Blütenknospen haben zunächst eine grüne Farbe und sind krallenförmig nach oben gebogen. Es handelt sich um zwittrige Blüten in denen sich sowohl die zwei weiblichen Blütennarben und die männlichen Staubblätter aus. Die Bestäubung erfolgt vor allem durch Bienen, Falter und Käfer. Seltener ist auch eine Selbstbestäubung möglich. Die Blütezeit reicht von Mai bis August.
Früchte: Die Früchte bestehen aus zweifächrigen, spitz zusammenlaufenden Porenkapseln. In diesen bilden sich die einzelnen Samenkörner aus. Die Fruchtreife wird im Juli bis August erreicht. Es handelt sich um einen Wind- und Tierstreuer. Die Samen sind nur 1 bis 1,4 mm groß und können teilweise mit dem Wind „fliegen“. Die Samen sind Licht- und Kältekeimer. Die hauptsächliche Verbreitung der Pflanze erfolgt aber über Wurzelsprosse.


Besonderheiten der Pflanze
Besonderheiten der Bestäubung: Es handelt sich bei den Blütenständen um vormännliche Blüten. Zunächst öffnen sich die Blütenblätter am oberen Ende und geben durch die im Inneren wachsenden Staubbeutel den männlichen Pollen an die Griffelbürsten ab. Die weiblichen Blütenbestandteile, mit der Blütennarbe und dem Griffel, bilden sich nach der Abgabe des Pollens erst vollständig aus. So wird eine Fremdbestäubung zwischen den Pflanzen wahrscheinlicher. Die Blütennarbe wächst aus den Röhrenblüten heraus und reißt dabei die miteinander verwachsenen Blütenblätter auf.
Erst nachdem sich die Blütennarben vollständig entfaltet haben (zweiteiliger Griffel am Ende) ist eine Bestäubung möglich. Dies ist sobald die Blütennarben ihre vollständige Länge erreicht haben. Nach der Blüte färben sich die Blütenblätter hellbraun. Zum Teil kann es bei den Blüten auch zu einer Selbstbestäubung kommen, dies kommt vor allem dann vor wenn mehrere Blütenstände einer Wurzel / Pflanze dicht nebeneinander stehen. Die Bestäubung der Blüten erfolgt aber vor allem durch Hummeln, Bienen und Schwebfliegen. Diese nehmen den Pollen von der Griffelbürste leicht mit und tragen die Pollen so von Blüte zu Blüte. 2
Erstbeschreibung der Art
Erstbeschreibung der Pflanze: Die Erstbeschreibung der Art „Phyteuma spicatum“ erfolgte zusammen mit der Gattung „Phyteuma“ durch den Botaniker Carl von Linné in seinem Werk Species plantarum 3 erstmals beschreiben.
Verwendung der Pflanze
Verwendung der Pflanze: Die jungen Blätter der ährigen Teufelskralle können als Wildgemüse („Waldspinat“) gegessen werden. Sie haben ein süßliches Aroma im Frühling. Roh können die jungen Blätter der Pflanze in Kräuterquark verwendet werden. Gedünstet kann man sie auch als Spinatersatz verwenden. Die jungen Blütentriebe können wie Spargel zubereitet werden. 4
Namensherkunft & Volkstümliche Namen
Volkstümliche Namen: Die schwarze Teufelskralle ist unter verschiedenen volkstümlichen Namen bekannt. Zu diesen zählen unter anderem „blaue oder schwarze Waldrapunzel“. Der Name Rapunzel leitet sich aus dem botanischen Namen „Rapunculus“ ab (Synonym der Pflanze). Die Pflanze ist unter verschiedenen schwäbischen Namen wie Tintenblume, Kaminfeger und Zigeunerkraut bekannt. Dabei wird auch hier wie bei den weiteren Namen auf die Blütenfarbe der Pflanze hingewiesen.
Namensherkunft: Der deutsche Name „Teufelskralle“ leitet sich aus dem krallenförmigen Aussehen der Einzelblüten ab. Der Gattungsname „Phyteuma“ stammt aus dem griechischen Wort „phyteuein“. Dies lässt sich mit „zeugen“ ins Deutsche übersetzen. Nach Pedanios Dioskurides und Plinius wurde die Pflanze früher als „Aphrodisiacum“ verwendet. Eine tatsächlich Verwendung kann aber nicht nachgewiesen werden. Eine weitere Möglichkeit besteht als Ableitung aus dem altgriechischen Wort „φυτευείν“ – zu Deutsch „zu pflanzen“. 5
Der botanische Artname „spicatum“ stammt aus dem lateinischen Wort “spicatus” ab und lässt sich mit „ährig“ ins Deutsche übersetzen. Dies spiegelt sich auch im deutschen Namen der Pflanze mit dem Namenszusatz „ährige“ wieder. 6
Ein Synonym für den Gattungsnamen bildet „Rapunculus“ und wurde durch den Botaniker Philip Miller im Jahr 1754 in seinem Werk The Gardeners Dictionary. Abridged. Ed. 4 für die Pflanze geprägt. Der Name „Rapunculus“ lässt sich aus dem lateinischen Wort „rapa“ – zu deutsch „weiße Rübe“ ableiten. Es handelt sich dabei um eine „Verniedlichungsform“ – somit lässt sich das Synonym mit „kleine Rübe“ ins Deutsche übersetzen. Hierbei wird auf die rübenförmige Wurzel der Pflanze hingewiesen.
Himmelblaue Teufelskralle
Hybride: Laut GBIF gibt es Nachweise über die Verbreitung dieser Hybride vor allem in Süd- und Mitteldeutschland sowie Teilen von Belgien und Frankreich. 7 Die Erstbeschreibung erfolgte durch den deutschen Arzt, Botaniker und Mykologe Carl Friedrich Wilhelm Wallroth im Jahr 1840 in seinem Werk „Scholion zu Hampe’s Prodr. Fl. Hercyn.“ auf Seite 203. Es handelt sich um eine Kreuzung zwischen der ährigen Teufelskralle (Phyteuma spicatum) und der schwarzen Teufelskralle (Phyteuma nigrum) 8.

Gefährdung der Pflanze
Gefährdung der Pflanze: Die ährige Teufelskralle ist auf der Roten Liste Deutschlands als ungefährdet eingestuft. Die Pflanze ist auf einigen regionalen Roten Listen vertreten. Die einzelnen Gefährdungsgrade sind wie folgt:
- Deutschland: ungefährdet (Status: *)
- Baden-Württemberg: ungefährdet (Status: *)
- Bayern: ungefährdet (Status: *)
- Berlin: unbeständig (Status: U)
- Brandenburg: ungefährdet (Status: *)
- Hamburg: gefährdet (Status: 3)
- Hessen: ungefährdet (Status: *)
- Mecklenburg-Vorpommern: ungefährdet (Status: *)
- Niedersachsen: ungefährdet (Status: *)
- Rheinland-Pfalz: ungefährdet (Status: *)
- Saarland: ungefährdet (Status: *)
- Sachsen: ungefährdet (Status: *)
- Sachsen-Anhalt: ungefährdet (Status: *)
- Schleswig-Holstein: ungefährdet (Status: *)
- Thüringen: ungefährdet (Status: *)
Verbreitungs-Codes: AV, M1, M2, F
Quellen
- GBIF.org – Phyteuma spicatum – abgerufen am 02.08.2026 ↩︎
- Düll, R. & Kutzelnigg, H. (2015). Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder: Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait, Seite 494 ↩︎
- Linné, Carl von. (1908). Species plantarum : exhibentes plantas rite cognitas ad genera relatas, cum diferentiis specificis, nominibus trivialibus, synonymis selectis, locis natalibus, secundum systema sexuale digestas (Vol. 1, p. 170), https://www.biodiversitylibrary.org/page/26068139 ↩︎
- Fleischhauer, S. G., Guthmann, J. & Spiegelberger, R. (2019). Enzyklopädie essbare Wildpflanzen: 2000 Pflanzen Mitteleuropas ; Bestimmung, Sammeltipps, Inhaltsstoffe, Heilwirkung, Verwendung in der Küche, Seite 119 – 120 ↩︎
- Kanngiesser, Friederich. (1908). Die etymologie der phanerogamennomenclatur : Eine erklärung der wissenschaftlichen, der deutschen, französischen, englischen und holländischen pflanzennamen (p. 137). F. von Zezschwitz, https://www.biodiversitylibrary.org/page/52939002 ↩︎
- Boerner, F. & Kunkel, G. (1989). Taschenwörterbuch der botanischen Pflanzennamen: für Gärtner, Garten- und Pflanzenfreunde, Land- und Forstwirte, Seite 367 ↩︎
- GBIF.org – Phyteuma × adulterinum Wallr. – abgerufen am 02.08.2026 ↩︎
- Phyteuma × adulterinum Wallr. in Bánki, O., Roskov, Y., Döring, M., Ower, G., Hernández Robles, D. R., Plata Corredor, C. A., Stjernegaard Jeppesen, T., Örn, A., Pape, T., Hobern, D., Garnett, S., Little, H., DeWalt, R. E., Miller, J., Orrell, T., Aalbu, R., Abbott, J., Abreu, C., Acero P, A., et al. (2026). Catalogue of Life (2026-07-17 XR). Catalogue of Life Foundation, Amsterdam, Netherlands. https://doi.org/10.48580/dgykv ↩︎