„Blauer Natternkopf“ (Echium vulgare) ist durch seine farbwechselnden Blüten etwas besonderes. Aber auch bei den Insekten sehr beliebt.
~ Wildpflanze des Jahres 2026 ~



Vorkommen und Verbreitung 1 2: Blauer Natternkopf kommt vor allem in sonnigen Unkrautfluren, an Wegen, in Kiesgruben und in Steinbrüchen vor. Sie ist zudem auf Schotter-Trockenrasen zu finden. Die Pflanze bevorzugt dabei trockene Standorte. Der Natternkopf ist in ganz Europa und bis nach Zentralasien weit verbreitet. In Australien, Neuseeland, Südafrika, Nordamerika und Südamerika ist der blaue Natternkopf als Neophyt vor. Es handelt sich beim Natternkopf um eine der Charakterarten der Echio-Melilotetum-Pflanzengesellschaft (Natternkopf-Steinklee-Gestrüpp – R. Tüxen, 1947 3)
Pflanzenbestimmung
Wuchsform: Der blaue Natternkopf erreicht eine Höhe zwischen 20 cm bis 100 cm und hat einen aufrechten Wuchs mit den Blütenständen. Direkt über dem Boden bildet sich eine Blattrosette aus. Unter der Erde sitzt die längliche Pfahlwurzel, die bis zu 80 cm erreichen kann – diese dient der Pflanze auch als Überwinterungsorgan. Es handelt sich um eine zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr bildet sich ausschließlich die Blattrosette aus. Im zweiten Jahr kommen ein bis zwei, seltener auch mehr Stängel aus der Mitte der Blattrosette heraus.
Stängel: Die Pflanze ist vor allem an den Stängel steif behaart. Die Haare haben eine weiße Färbung. Die Stängel sind mit einer Vielzahl von dunklen Punkten überzogen – diese sind der Ansatz der borstigen Haare.
Blätter: Die Blätter sind länglich aufgebaut und sowohl auf der Oberseite als auch auf der Unterseite mit kurzen, borstigen Haaren besetzt. Einzelne Blätter können eine Länge von bis zu 10 cm erreichen. Die Grundfarbe der Blätter ist hellgrün. Die Ränder sind oft glatt, seltener leicht gewellt. Die unteren Blätter sind größer als die oberen Stängelblätter.


Blüten: Die Blütenblätter sind zunächst hellrosa gefärbt, später wechseln diese zu einem blau-violetten Farbton (seltener sind auch weiße Blüten zu finden). Pro Blüte bilden sich fünf Kronblätter und fünf Kelchblätter aus. Die Kelchblätter sind am unteren Ende miteinander verwachsen und haben dabei eine deutliche Behaarung. Sie laufen am Ende spitz zusammen. Die Kronblätter (farbiger Teil der Blüte) sind am oberen Ende leicht eingeschnitten und abgerundet. Die Blütenknospen sind rosarot gefärbt. Die Blütezeit reicht von Juni bis August.
Früchte: Es handelt sich bei den Samen um Licht- und Kältekeimer. Pro Blüte bilden sich vier schwarz gefärbte Samenkörner aus. Diese sitzen auf dem Blütenboden. Es handelt sich um Klausenfrüchte, die eine raue Oberfläche mit einem hervorstehenden Kanten besitzen. Sie haben eine dreieckige Form, die am Ende spitz zusammenläuft.
Besonderheiten des blauen Natternkopf
Detailbeschreibung der Blüten: Der Blütenstand kann eine länge von bis zu 50 cm erreichen und dabei aus einer Vielzahl von einzelnen abstehenden Wickeln bestehen. An diesen sitzen dicht gedrängt die Einzelblüten. Es handelt sich bei dieser Blütenform um einen „Thyrsus mit Wickel-Zymen“. In der Mitte der Blüte bilden sich die lang gestielten Staubblätter sowie eine ebenfalls lang gestielt Blütennarbe aus. Der Griffel der Blütennarbe ist an der Spitze deutlich zweigespalten. Der Blütenpollen ist beim blauen Natternkopf tatsächlich blau gefärbt. Jedes Blütenblatt besteht aus zwei Teilen. Sie haben eine ähnliche Form wie ein zusammengewachsenes vierblättriges Kleeblatt.
Zunächst sind die Blüten rosa gefärbt, dann sind die männlichen Blütenteile (Staubblätter) reif. In diesem Zustand können die Bestäuber an den Nektar, der sich an den Nektardrüsen im Inneren der Blüte bildet. Bei der Verfärbung zu blau werden die weiblichen Blütenteile (Blütennarbe in der Mitte) reif. Dadurch ist die Selbstbestäubung der Blüten ausgeschlossen. Die herausragende Blütennarbe sowie die Staubblätter dienen den Bestäubern als Landeplatz. Zu den Bestäubern zählen unter anderem Hummeln, Schwebfliegen sowie Wildbienen. Häufig sind auch Schmetterlinge an den Blüten zu finden.
Eine auf die Pflanze spezialisierte Biene ist die Natternkopf-Mauerbiene (Osmia adunca), da sie ausschließlich von Pflanzen der Gattung „Echium“ (Natternköpfe) den Pollen sammelt 4. Vor allem der Pollen des blauen Natternkopf ist in den Nestern der Bienenart zu finden.
Natternkopf–Gallmilbe: Bei der Natternkopf-Gallmilbe (Aceria echii) handelt es sich um einen Pflanzenparasit, die zu einem „Wildwuchs“ bei den Blüten führt. In den Bildern unten sind diese deutlich sichtbar.


Farbänderung bei den Blütenblättern
Farbänderung der Blütenblätter: Durch Zugabe von Säure (z.B. Ameisensäure) auf die Blütenblätter färben sich diese aufgrund einer chemischen Reaktion rot. Dies lässt sich mit der Veränderung des pH-Wertes in den Blütenblättern erklären. Normalerweise ist der Farbstoff im basischen Bereich in der Blüte gespeichert (blau). Durch die Säure wechselt der Farbstoff in den saurer Bereich. Somit wechselt die Farbe der Blütenblätter ebenfalls in den roten Farbbereich. Dies ist nicht nur für den Natternkopf sondern auch viele andere blau / violett gefärbte Blüten (wie z.B. die Kornblume) anwendbar. Es handelt sich dabei um einen „Anthocyanidin“ Farbstoff.
Namensherkunft & Volkstümliche Namen
Volkstümliche Namen: Blauer Natternkopf ist im Schwäbischen unter verschiedenen Namen bekannt, zu diesen zählen unter anderem: Schlangenkraut, Oderwurz, Natterblum, Stechnägele, Stolzer / blauer / rauer Heinrich sowie Bettelma(nn). Zu den weiteren Namen kommen noch: Ochsenmaul, Natternkraut, Wilder Borretsch und Stolzer Heinrich 5.
- Die Namen „Schlangenkraut“ und „Natterblum“ sind auf die Verbindung zur Natter / Schlangen zurückzuführen. Da die Blüten mit ihren herausstehenden Blütenteilen an eine Schlange mit gespaltener Zunge erinnern.
- Der Vergleich zu den Nägele (Nelken) rührt von der Blütenform, da diese entfernt an eine Nelke erinnern können, wenn sie noch rosa gefärbt sind. Der Zusatz „Stech-“ deutet auf die borstigen, steifen Haare an der gesamten Pflanze hin.
- Die Namen „Stolzer / blauer / rauer Heinrich“ sind auf einen Vergleich zum „Guten Heinrich“ -> Pflanzenportrait hier zu finden – da die Blütenstände eine gewisse Ähnlichkeit zum Natterkopf haben.
- Der Name „Bettelma(nn) stammt von der rauen Oberfläche der Pflanze ab, da diese die Leute an die Kleidung eines Bettlers erinnert hat.
Namensherkunft: Die Namensherkunft der Pflanze wird im folgenden Abschnitt einzeln erklärt:
1. botanischer Gattungsname: Der botanische Gattungsname „Echium“ leitet sich mutmaßlich von dem griechischen Wort ἔχιον – als Ableitung von „ἔχις“ (échis) zu deutsch ‚Viper / Natter‘ ab 6 7 8. Diese Verwendung ist vor allem auf die Form der Blüten zurückzuführen.
2. botanischer Artname: Der botanische Artname „vulgare“ – abgeleitet von dem lateinischen Wort „vulgaris“ – zu deutsch: gemein, gewöhnlich, alltäglich.
3. deutscher Name: Der Namensteil „blauer“ bezieht sich auf die Blütenfarbe. Der Namensteil „Natternkopf“ ist eine direkte Übersetzung des Gattungsnamens.
Gefährdung der Pflanze
Gefährdung der Pflanze: Der blaue Natternkopf steht derzeit als ungefährdet auf der Roten Liste Deutschlands.
Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K
Quellen
- Floraweb, Artenportrait Echium vulgare, abgerufen am 25.12.2025 ↩︎
- GBIF, Artenportrait Echium vulgare, abgerufen am 25.12.2025 ↩︎
- Mertz, Peter: Pflanzenwelt Mitteleuropas und der Alpen: Handbuch und Atlas : Erkennen – Bestimmen – Bewerten : Ein Handbuch für die vegetationskundliche Praxis, 01.01.2002, Seite 186 ↩︎
- LUBW, Artenportrait Osmia adunca, abgerufen am 25.12.2025 ↩︎
- Danke an das @pollenpaar Katharina und Maximilian Bastl ↩︎
- Kanngiesser, Friederich: Die etymologie der phanerogamennomenclatur : Eine erklarung der wissenschaftlichen, der deutschen, franzosischen, englischen und hollandischen pflanzennamen /, 01.01.1908c, [online] doi:10.5962/bhl.title.127499., abgerufen am 25.12.2025 ↩︎
- „pedanii dioscoridis anazarbei de medicinali materia : libri sex“ – Digitalisat | MDZ: o. D., [online], Übersetzung von Franc. : Egenolphus aus dem Jahr 1543, abgerufen am 25.12.2025 ↩︎
- Boerner, Franz/Günther Kunkel: Taschenwörterbuch der botanischen Pflanzennamen: für Gärtner, Garten- und Pflanzenfreunde, Land- und Forstwirte, 01.01.1989c. ↩︎