Guter Heinrich

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Guter Heinrich (Chenopodium bonus-henricus) oder auch Allgutkraut war ein früheres Heilkraut. Es wurde als natürliches Antiseptikum und Wundpflaster verwendet wurde.

Vorkommen und Verbreitung: Guter Heinrich wächst vor allem an Zäunen, Wegrändern und Böschungen. Die Pflanze ist in fast ganz Mitteleuropa verbreitet. In Norden von Europa ist die Pflanze bis nach Süd-Skandinavien anzutreffen. Sie ist auf einer Höhe von bis zu 3.000 Metern zu finden. Diese Pflanzenart bevorzugt die Nähe zu menschlichen Siedlungen. Die Pflanze mag dabei vor allem schattige, sehr nährstoffreiche Böden und war früher vor allem an Misthaufen anzutreffen. Die Pflanze gilt zudem zum Teil auch als Pionierpflanze, da sie sich auf Ruderalfluren als eine der ersten Pflanzen ansiedeln.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Der gute Heinrich erreicht eine Wuchshöhe von 20 bis 60 cm. Es handelt sich um einen ausdauernden, krautig wachsende Pflanze. Die Stängel sind grün gefärbt und besitzen keine Behaarung. Auf den Stängeln bilden sich horizontal nach unten verlaufende Riefen. Die sich unterirdisch bildenden Pfahlwurzeln besitzen eine fleischig-weiße Färbung.

Blätter: Die Blätter sind grün gefärbt und haben einen fleischigen Aufbau. Sie sind am oberen Ende dreieckig spitz und am unteren Ende spießförmig aufgebaut. Die Ränder der Blätter sind gewellt. Die Unterseite der Blätter ist mit feinen Härchen besetzt. Auf der Oberseite sind die Blattadern deutlich sichtbar.

Blüten: An den Stängeln bilden sich lange, ährenartige Rispen mit vielen einzelnen Blüten. Diese Blüten sind grünlich gefärbt. Die einzelnen Teile der Rispen sind ebenfalls weiter verzweigt. Die einzelnen Blüten bestehen aus 4 Staubblättern und einer zweiteiligen Blütennarbe. Die Staubblätter haben eine gelbliche Färbung. Die Blütennarbe und Blütenblätter sind hellgrün gefärbt. Die Blütezeit reicht von Mai bis in den August.

Verwendung als Heilpflanze

Verwendung als Heilpflanze: Es handelt sich um eine alte Heilpflanze mit einem hohen Gehalt an Vitamin C und Eisen. Früher wurde die Pflanze als leichtes Abführmittel und gegen Würmer eingesetzt. Sie wurde früher zudem zur Wundreinigung verwendet – das Kraut wirkt dabei antiseptisch. Früher wurde Pflanze als Salat gegessen oder der Saft herausgepresst. Die Wurzel wurde zum Teil auch gegen Bronchitis verwendet. Bei Nierenleiden oder Gicht sollte die Pflanze nicht angewendet werden. Heutzutage hat sie keine Verwendung in der Medizin mehr. Die Naturform der Pflanze sollte nicht für die Medizin verwendet werden, da es sich um eine gefährdete Pflanze handelt.

Verwendung in der Küche: Die jungen Blätter können ähnlich wie Spinat gegessen werden. Nach der Blüte sollten die Blätter aber nicht mehr verwendet werden, da sich Bitterstoffe entwickeln.

Inhaltsstoffe der Pflanze: Guter Heinrich enthält unter anderem Saponine, Oxalsäure, Vitamin A, Vitamin B1 und Vitamin C sowie diverse Mineralsalze.

Warnhinweise: Von dem täglichen Verzehr wird abgeraten da die Pflanze Oxalsäure enthält. Es handelt sich dabei um eine giftige Substanz, die aber zum Teil auch in Spinat vorkommt. In kleinen Mengen handelt es sich um einen ungefährlichen Inhaltsstoff.

Frühere Verwendung in der Küche

Verwendung in der Küche: Der Gute Heinrich wurde früher als Wildgemüse verwendet. Die Pflanze ist hierzu vor der Blüte zu ernten und kann dann wie Spinat gekocht werden. Die Triebe sind spargelartig verwendbar. Die älteren Pflanzen sind etwas bitter. Aufgrund der bestehenden Gefährdung der Pflanze sollte sie nicht mehr als Wildgemüse verwendet werden.

Volkstümliche Namen & Namensherkunft

Volkstümliche Namen: Im Volksmund ist die der “Gute Heinrich“ in den verschiedenen Dialekten unter anderen Namen bekannt. In dem folgenden Abschnitt werde ich die wichtigsten volkstümlichen Namen vorstellen.

– Allgutkraut: aufgrund der zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten und der Heilwirkung hat sich dieser Name etabliert.

– wilder Spinat: Spinat und der gute Heinrich sehen sich zum Teil ähnlich.

– Dorfgänsefuß: Da die Pflanze gerne in der Nähe von Dörfern und Städten wächst und zur Gattung der „Gänsefüße“ gehört.

– Hundsmelde: Die Pflanze kann zum Teil mit „Melden“ (eine weitere Gattung von ähnlichen Pflanzen) verwechselt werden. Hieraus resultiert der Name „Hundsmelde“. Der Zusatz „Hunds-“ deutet oft auf eine „falsche“ Pflanze hin. Sie gehört somit nicht zur benannten Gattung / Art.

– Guter Geist des Hofes: Durch die Nähe zu den Menschen und deren Siedlungen war die Pflanze im Mittelalter bereits als “Guter Geist“ bekannt. Die bewachte den Hof vom Misthaufen aus. Im Volksmund werden die Geister als “Heinz“ oder “Heinrich“ bezeichnet.

Namensherkunft: Der botanische Gattungsname „Chenopodium“ leitet sich von den griechischen Worten „chenos“ – zu deutsch: Gans – und “podion“ – zu deutsch: Füßchen – ab. Es lässt sich somit mit Gänsefuß übersetzen und gilt als Anlehnung an die Form der Blätter. Der botanische Artenname “bonus-henricus“ gilt als Latinisierung von “Guter Heinrich“.

Wie kann die Pflanze geschützt werden?

Wie kann der Gute Heinrich geschützt werden: Zum Teil ist sie bereits vom Aussterben bedroht. Aufgrund der Verdrängung von Unkrautfluren gehen die Bestände stark zurück! Züchtungen der Pflanze können zum Teil auch im Gartenfachhandel erworben werden. Zudem sollten, sofern sich die Pflanze im heimischen Garten ansiedelt nicht herausgerissen werden!

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung der Pflanze: Die Pflanze steht bereits als „gefährdet“ auf der Roten Liste Deutschlands. Die Pflanze darf auf keinen Fall abgepflückt oder für den Garten gesammelt werden. In einzelnen Bundesländern ist die Pflanze bereits ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Die einzelnen Gefährdungsgrade sind wie folgt:

– Baden-Württemberg: Vorwarnstufe (Status: V)

– Bayern: gefährdet (Status: 3)

– Berlin: ausgestorben (Status: 0 – seit 1988)

– Brandenburg: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

– Bremen: stark gefährdet / vom Aussterben bedroht (Status: 2 / 1)

– Hamburg: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

– Niedersachsen: stark gefährdet / vom Aussterben bedroht (Status: 2 / 1)

– Nordrhein-Westfalen: stark gefährdet (Status: 2)

– Rheinland-Pfalz: gefährdet (Status: 3)

– Saarland: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

– Sachsen-Anhalt: gefährdet (Status: 3)

– Schleswig-Holstein: stark gefährdet (Status: 2)

– Thüringen: gefährdet (Status: 3)

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F

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