Blutwurz

Der „Blutwurz / Heideckern / Tormentill“ (Potentilla erecta) – Eine sehr alte Heilpflanze, die bei zahlreichen Beschwerden verwendet wird. Im Bayerischen Wald ist sie zudem ein fester Bestandteil der beliebten verdauungsfördernden Kräuterliköre und Schnäpse.

Vorkommen und Verbreitung: Der Blutwurz wächst vor allem in Eichenwäldern, auf Halbtrockenrasen, Bärwurz-Magerrasen (Borstgrasrasen), Goldhafer-Bergfettwiesen und Feucht- und Nasswiesen. Die Pflanze bevorzugt dabei sonnig, trockene und nährstoffarme Böden. Sie ist in ganz Europa von Skandinavien bis in den Mittelmeerraum anzutreffen. Die Pflanze gilt zudem als Zeigerpflanze für stickstoffarme Böden.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Die Pflanze hat eine ausdauernde, krautige Wuchsform und erreicht eine Wuchshöhe von ca. 10 bis 30 cm. Die Stängel sind meist niederliegend am Boden und dicht über dem Boden rankend. Die Blüten ragen zwischen den Blättern heraus. Die Pflanze zählt aufgrund ihres Aufbaus zu den „Fingerkräutern“ (ca. 400 bis 500 Arten). Es handelt sich um eine mehrjährige Pflanze.

Wurzel: Die Wurzel ist im unteren Teil knollig verholzt und kann einen Durchmesser von bis zu 4 cm erreichen. Äußerlich ist sie bräunlich, wohingegen das Innere der Wurzel weiß gefärbt ist. Beim Anschneiden färbt sie sich blutrot. Aus diesem Grund erhielt die Pflanze den Namen “Blutwurz“.

Blätter: Bei den Blättern wird in zwei Kategorien unterschieden. Am Boden bilden sich Rosettenblätter, am Stängel die Stängelblätter. Die Blätter der Rosette haben eine starke Zähnung, während die oberen Stängelblätter leicht lanzettlich und 3-teilig gefiedert (selten auch vier bis fünfzählig) sind. Die Blätter haben eine dunkelgrüne Farbe und sind mit Drüsenhaaren besetzt.

Blüten: Die Blütenblätter besitzen eine goldgelbe Färbung. Die Blüten bestehen aus jeweils vier Blütenblätter (seltener drei oder fünf Blütenblätter), welche radiär um die Mitte der Blüte angeordnet sind. Der Durchmesser der Blüten ist weniger als ein Zentimeter. In der Mitte der Blüte bildet sich die grün gefärbte Narbe. Um diese bilden sich die gelb gefärbten Staubblätter. Die Blütezeit reicht von März bis in den Juni.

Früchte: Nach der Blüte bilden sich kleine Nussfrüchte, welche braune, rundliche Samen enthalten. Die Hauptverbreitung der Samen erfolgt durch den Wind und Tiere.

Verwendung als Heilpflanze

Verwendung als Heilpflanze: Der Blutwurz wurde bereits seit der Antike als Heilpflanze verwendet. Im Mittelalter wurden sehr viele Krankheiten durch diese Pflanze gelindert oder geheilt. In fast allen alten Kräuterbüchern finden sich Anwendungsvorschläge und Rezepturen für die blutrote Wurzel. Aufgrund seiner Inhaltsstoffe ist der Blutwurz antibakteriell, schmerzlindernd und blutstillend. Äußerlich wurde die Wurzel früher vor allem zur Blutstillung verwendet.

Heutzutage wird sie in Volksmedizin bei Mundschleimhautentzündungen und bei Zahnfleischentzündungen eingesetzt. Bei innerlichen Entzündungen können Präparate aus der Wurzel angewendet werden. Zudem sollen die enthaltenen Gerbstoffe bei der Magenberuhigung helfen. Weitere Anwendungsmöglichkeiten und Rezepte können auch im Buch „Das große Buch der Heilpflanzen“ von dem Apotheker M. Pahlow nachgelesen werden.

Es wird von einer eigenmächtigen Medikation dennoch deutlich abgeraten. Bereits bei Überschreitung einer tägliche Dosis von 4 bis 6 Gramm kommt es zu Nebenwirkungen. Es darf zudem die Behandlung nicht länger als 2 Wochen andauern.

Arzneidroge: Als Arzneidroge wird die Pflanze als „Tormentillae Rhizoma“ bezeichnet. Sie sollte jährlich erneuert werden, da sie an Wirksamkeit verliert.

Verwendung als Spirituosen: Heute findet er vor allem in der in der Spirituosenherstellung eine Verwendung. Am bekanntesten ist hier der „Blutwurz-Schnaps“ aus dem Bayerischen Wald. Hierfür werden aber zum Glück keine wilden Bestände verwendet!

Inhaltsstoffe: Catechingergerbstoffe (bis zu 22%), beim Trocknen bildet sich das Phlobaphen Tormentillrot

Nebenwirkungen: Bei einer Überdosierung mit den Gerbstoffen kann es bei empfindlichen Menschen zu Magenbeschwerden oder Erbrechen kommen. Es ist aber sehr selten der Fall.

Volkstümliche Namen & Volksglaube

Weitere Namen: In der alten Literatur wird die Pflanze auch als „Heideckern“ bezeichnet. Der Name leitet sich dabei aus der Schweinemast ab, denn „Eckern“ sind die zur Schweinemast verwendeten „Baumfrüchte“ (z. B. auch Bucheckern). – Quelle: J. Sturms Flora von Deutschland. Sie wird zudem zum Teil auch als Dilledapp, Rotwurz, Ruhrwurz, Siebenfinger bezeichnet.

Volksglaube: In H. Marzells Buch „Ethnobotanische Streifzüge“ wird die Geschichte erzählt, wie die Heilpflanze entdeckt wurde: „Im Jahre 1348/49 herrschte im badischen Wiesental die Pest. In der Zeit in der die Not am größten war, als Rettung unmöglich erschien, sei ein Vogel vom Himmel gekommen und habe folgendes Lied gepfiffen, so deutlich, daß es alle verstehen konnten: >>Aesst Durmedill und Bibernell, Sterbt nüt so schnell.<<“

Namensherkunft

Namensherkunft: Der Botaniker Hegi schreibt zur deutschen Namensherkunft, dass diese von der blutroten Farbe der Wurzel rührt. Der lateinische Namensteil „potentilla“ lässt sich aus dem Wort „potens“ – mächtig / vermutlich vor allem wegen ihrer zugeschriebenen Heilkraft – ableiten. Eine weitere Bedeutung des Namens spiegelt sich auch im französischen wieder – hier wird die Pflanze als „quinte-feuille“ / „potentille“ bezeichnet. Dies lässt sich mit „Fünfblatt“ übersetzen. Dabei leiten sich diese Namen von den fünfteiligen Blättern ab.

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung der Pflanze: Auf der Roten Liste von Deutschland ist die Pflanze noch nicht als gefährdet eingestuft. Dennoch steht sie bereits auf einigen regionalen Roten Listen.

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, K

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