Breitblättrige Stendelwurz

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Der breitblättrige Stendelwurz wurde bereits zur „Orchidee des Jahres 2006“ gewählt. Die Pflanze ist für Orchideen recht anspruchslos an den Standort, wird aber dennoch regional immer seltener.
Breitblättriger Stendelwurz - Bütenstand mit einzelnen Blüten

Vorkommen und Verbreitung: Der breitblättrige Stendelwurz wächt unter anderem Laub- und Mischwäldern sowie zum Teil auch in reinen Nadelwäldern. Die Pflanze ist zudem in Parks, Friedhöfen und Trockenrasen. Sie ist recht anspruchslos an die Bodenbeschaffenheit. Diese Stängelwurz-Art wächst auf nährstoffreichen als auch nährstoffarmen Böden. Die Orchidee ist weniger spezialisiert als andere Arten. Sie besiedelt lichte Wälder sowie teilweise auch sehr dunklen Stellen. Breitblättriger Stendelwurz ist in ganz Europa sowie Teilen Vorderasiens zu finden.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Der breitblättrige Stendelwurz kann eine Wuchshöhe zwischen 20 bis 100 cm erreichen. Es handelt sich um eine krautig, wachsende Pflanze mit einem unterirdischen Rhizom. Dieses dient zur Überwinterung. Der Stängel ist kahl und wächst aufrecht.

Blätter: Die Blätter sind oval geformt und können eine Länge zwischen vier bis zehn Zentimetern erreichen. Sie besitzen eine grünliche Färbung. Die Blattnerven verlaufen parallel zum Blattrand. Die einzelnen Blätter sitzen wechselständig am Stängel und umfassen diesen teilweise.

Blüten: Der Blütenstand trägt zwischen 15 bis 80 Einzelblüten. Die einzelnen zygomorph aufgebauten Blüten sind außen grünlich gefärbt. Sie sind zudem oft leicht rosa überlaufen. Die Blüte besteht aus drei äußeren und inneren Blütenblättern – die Lippenblüte ist die typische Form für die einheimischen Orchideen. Die unteren außen weiß-rosa gefärbten Blütenblätter sind zu einem Topf zusammengefügt. In diesem sammelt sich der Nektar. Das Innere besitzt eine bräunliche Färbung. Es bildet sich an den Blüten kein Sporn. Die Blütezeit reicht von Juli bis in den August.

Früchte: Die Früchte bilden sich nach der Blüte. Sie bestehen aus nach unten hängenden Kapseln. Bei Trockenheit öffnen sich die Samenkapseln. In jeder der Kapseln können sich bis zu 10.000 Samen bilden. Die Samen können vor allem durch den Wind verteilt werden. Durch das geringe Gewicht der einzelnen Körner, können diese eine Flugweite von bis zu 10 Kilometern erreichen. Die Fruchtreife ist vom August bis in den September. Die hauptsächliche Ausbreitung erfolgt durch eine Verzweigung des Rhizoms.

Besonderheiten der Blüte und der Samen

Besonderheiten der Blüte: Zu den Bestäubern der Pflanze gehörten vor allem die Wespen (u.a. Faltwespen). Die Aufnahme des Pollen erfolgt durch das Berühren der Klebdrüse im Inneren der Blüte. Durch das hinauskriechen aus der Blüte wird das Pollinium an den Kopf der Insekten angeheftet. Vor allem die sozialen Faltenwespen werden durch den Geruch der Blüten – ähnlich dem Geruch von Schmetterlingsraupen / potentieller Beute – zur Bestäubung angelockt. So werden die Pollen zwischen den Blüten verteilt. Eine Selbstbestäubung der Blüten ist aber auch nicht selten zu beobachten.

Symbiose zwischen den Samen / Orchideen und Pilzen: Die Samen sind für die Keimung auf spezielle Mykorrhizza-Pilze angewiesen. Die Samen der Orchidee besitzt keine eigenen Nährstoffvorräte. Durch die Pilze werden unter anderem Wasser und Nährsalze an die Keimlinge weitergegeben. Bei den Mykorrhizza-Pilzen handelt es sich zudem um Partner von Waldbäumen. Diese Teilen ein Teil der Nährstoffe durch die Pilze ebenfalls mit den Orchideen. In sehr seltenen Fällen kann es durch diese Symbiosen in Verbindung mit einem genetischen Defekt zu „reinweißen“ Pflanzen kommen.

Namensherkunft

Namensherkunft: Der botanische Pflanzenname „Epipactis“ wird als griechischer Pflanzenname (mit fehlerhafter Endung -is anstelle von -es) angesehen. Ursprünglich wird der Gattungsname als griechischer Name für Orobanche angesehen. Er lässt sich aber auch von dem griechischen Wort „epipactoum“ – zu deutsch: fest zusammenschließen – ableiten. Hierbei wird auf die Form der Petalen hingedeutet.

Der botanische Artname „helleborine“ leitet sich von dem griechischen Wort „ἑλλεβοϱίνη“ ab. Dies lässt sich mit „nieswurzartige (Pflanzen)“ ins Deutsche übersetzen. Der Bezug zwischen den Stendelwurzen und dem weißen Germer ergibt sich aus einem antiken / vorlinnésichen Gattungsnamen des Germers – „elleborum“. Da die Pflanze ähnlich wie der „Nieswurz / Christrose“ verwendet wurde sind die beiden „nicht miteinander verwandten Pflanzen“ in einer Gattung zusammengefasst worden. Durch die Ähnlichkeit der Blätter des „Germers“ zum „Stendelwurz“ wurde auf diesen „helleborine“ übertragen! – Quelle: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung der Pflanze: Der breitblättrige Stendelwurz gilt auf der Roten Liste Deutschlands als ungefährdet. Die Pflanze ist wie alle europäischen Orchideen durch das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders und streng geschützt. Die einzelnen Gefährdungsgrade sind wie folgt:

Baden-Württemberg: ungefährdet (Status: *)

Bayern: ungefährdet (Status: *)

Berlin: ungefährdet (Status: *)

Brandenburg: ungefährdet (Status: *)

Bremen: ungefährdet (Status: *)

Hamburg: ungefährdet (Status: *)

Hessen: ungefährdet (Status: *)

Mecklenburg-Vorpommern: ungefährdet (Status: *)

Niedersachsen: ungefährdet (Status: *)

Nordrhein-Westfalen: ungefährdet (Status: *)

Rheinland-Pfalz: ungefährdet (Status: *)

Saarland: ungefährdet (Status: *)

Sachsen-Anhalt: ungefährdet (Status: *)

Sachsen: Vorwarnstufe (Status: V)

Schleswig-Holstein: ungefährdet (Status: *)

Thüringen: ungefährdet (Status: *)

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K

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