Germer, weißer

Eine nur noch selten genutzte Heilpflanze unserer Alpen, der “weiße Germer” (Veratrum album).
Blüte - Weißer Germer

Vorkommen und Verbreitung: Weißer Germer wächst auf Alpenwiesen und Hochstaudenfluren. Dabei bevorzugt die Pflanze feuchte, stickstoffreiche und kalkhaltige Böden. In Mittel- und Südeuropa ist sie vor allem in den Alpen und weiteren Gebirgen anzutreffen.

Wuchsform: Die Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von 50 bis 150 cm. Die Stängel sind rund und aufrecht. Pro Pflanze bildet sich nur ein Stängel aus. An den oberen Teilen des Stängels bilden sich die Blüten in kleinen abstehenden Rispen. Der Stängel ist mit leichten Flaumhaaren besetzt.

Beschreibung der Pflanze

Wurzel: Die Wurzel ist sehr kurz und hat eine Walzenform. Hiervon gehen sehr viele bis zu 20 cm lange und nur bis zu 2 bis 3 mm dicke Nebenwurzeln ab. Mit diesen verankert sich die Pflanze im Boden.

Blätter: Die Blätter sitzen zum einen in einer grundständigen Rispe und zu am oberen Teil der Stängel unter den Blüten. Die Blätter haben eine breit-elliptische Form und sind an der Unterseite flaumig behaart. Sie erreichen eine Größe von 25 bis 30 cm. Die stark ausgeprägte Blattnerven, die in Bögen verlaufen, sind ein Unterscheidungsmerkmal zum Gelben Enzian. Die Blätter verströmen einen starken Geruch.

Blüten: Die Blüten des weißen Germer bestehen in einer endständigen Rispe. Diese kann eine Länge von bis zu 50 cm erreichen. Hieraus entwickeln sich weitere kleinere Blütenrispen. Die Farbe der Blüten reicht von reinweiß bis weißgelb / weißgrünlich. In der Mitte bilden sich die gelben Staubblätter. Die Blütenblätter sind mit grünen Nerven durchzogen. Die Blüten haben einen Durchmesser von bis zu 1 cm. Die Blütezeit reicht von Juni bis in den August.

Giftigkeit der Pflanze

Giftigkeit: Weißer Germer ist wie alle weiteren Germer-Arten stark giftig (tödlich toxisch in einer zu hohen Dosierung). Bereits 2 Gramm der Wurzel können tödlich wirken. Bei einer Vergiftung mit dem Germer kommt es zu Erbrechen und starken Durchfall. Es entsteht ein Kältegefühl, Muskelkrämpfe und Atemnot. Bei Verdacht auf eine Germer-Vergiftung sollte schnellstmöglich ein Notarzt hinzugezogen werden! In 3 bis 12 Stunden tritt der Tod durch Herzstillstand oder Atemlähmung (ohne Behandlung) ein.

Inhaltsstoffe: In der Pflanze sind unter anderem steroide Alkaloide enthalten. Diese sind stark giftig. Als tödliche Dosis gelten bei einem Erwachsenen bereits 10 bis 20 mg dieser Alkaloide.

Frühere Verwendung als Heilpflanze: Sie wurden früher als Heilpflanze verwendet. Die Pflanze hat dabei eine sehr starke Heilwirkung. Heute wird sie nicht mehr in der Heilkunde benutzt. Es wird von der Selbstmedikation abgeraten! Auf keinen Fall sollten eigene Medikamente hergestellt werden.

Besonderheiten

Namensherkunft: Die Pflanze wird im Volksmund auch als Nieswurz, Läusekraut bezeichnet. Im Altertum wurde es durch die Ärzte als Brech- und Niesmittel verwendet. Im Althochdeutschen kann man den Namen “germera” finden. Der Gattungsname “Veratrum” leitet sich vom Wort “verare” = “wahr reden” ab. Die Wurzel wurde früher zudem gegen Läuse bei Mensch und Tier eingesetzt. Hieraus entstand der Name “Läusekraut”.

Gefährdung der Pflanze: In Deutschland gilt die Pflanze als noch nicht gefährdet.

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F

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