Dolden-Milchstern, breitblättriger

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Als Stern von Bethlehem aus dem Mittelmeerraum zu uns importiert, der „breitblättrige Dolden-Milchstern“ (Ornithogalum umbellatum).
Detailaufnahme der sternförmigen Blüte des Dolden-Milchstern
~ Giftpflanze ~

Vorkommen und Verbreitung: Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammend wurde der Dolden-Milchstern als Gartenpflanze in Mitteleuropa verwendet. Die verwilderten Nachfahren dieser Arten sind heute an Wegrändern, in Wäldern, auf Grasländern, Weinbergen und in Gebüschen zu finden. Die Pflanze bevorzugt dabei lehmige Böden. In Gartenfachcentern kann die Pflanze für den eigenen Garten gekauft werden. Sehr oft kommt es zu keiner Samenbildung in unseren Breitengraden. Die Vermehrung erfolgt daher häufiger über die Brutzwiebeln bzw. unterirdischen Tochterzwiebeln.

Gattung: Es handelt sich um eine Art in der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae) und ist somit mit dem Gemüsespargel und den Agaven verwandt.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Der Milchstern kann eine Wuchshöhe zwischen 10 und 30 cm erreichen. Die Pflanze gilt als Geophyt und besitzt daher eine Zwiebel als Überwinterungsorgan. Es handelt sich um eine ausdauernde, krautige, mehrjährige Pflanze. An der Zwiebel bilden sich die sogenannten Brutzwiebeln. Diese treiben bereits nach einem Jahr zu einer neuen Pflanze mit Laubblättern aus. Die Brutzwiebeln haben unten eine spitz-zulaufende Form. Pro Pflanze bilden sich zwischen vier bis fünf dieser Brutzwiebeln.

Stängel: Die Stängel wachsen aufrecht aus der Mitte der Zwiebel heraus. Im oberen Teil sind sie in mehrere Blütenstände aufgeteilt. An den Enden der aufgeteilten Zweige sitzen die einzelnen Blüten. Pro Zweig bildet sich nur eine Blüte. Die Schirmtraube (Blütenstand) besteht aus fünf bis zwölf Blüten.

Blätter: Aus jeder Zwiebel bilden sich zwischen vier bis sechs (seltener auch neun) Blätter. Die Blätter sind länglich aufgebaut und auf der Oberseite hellgrün gefärbt. In der Mitte bildet sich der weiß gefärbte Mittelstreifen, der sich auf voller Länge durch das Blatt zieht. Nach der Blütezeit vergilben die Blätter und sterben schließlich ab.

Blüten: Die Blüten sind sternförmig aufgebaut und haben eine rein-weiße Farbe auf der Oberseite und eine grüne Färbung auf der Unterseite. In manchen Fällen besitzen die Blüten auf der Unterseite nur einen grünen Mittelstreifen. Die Blüten sind zwittrig aufgebaut. Die gelbgrüne Blütennarbe sitzt in der Mitte und wird durch sechs zusammengewachsene Blütenblätter umhüllt. Am Ende der Inneren Blütenblätter befinden sich die gelb gefärbten Staubbeutel. Die Blüten werden durch Insekten bestäubt. Die Blütezeit beginnt im April und reicht bis in den den Juni.

Früchte: Nach der Blüte bildet sich eine Kapselfrucht, welche sich aus dem Fruchtknoten entwickelt. Die Frucht enthält zahlreiche Samen. Jeder der Samen besitzt ein Elaisom (Ölkörper), welches zur Verbreitung der Samen durch Ameisen dient. Die normale Ausbreitung der Samen erfolgt durch aufspringen der Fruchtstände und herausfallen der Samen.

Besonderheit der Pflanze

Besonderheiten der Blüte: Die sächsische Zwergsandbiene (Adrena saxonica) hat sich oligolektisch auf den Blütenpollen des Dolden-Milchstern spezialisiert. Die Bienenart ist auf der Roten Liste der Wildbienen als stark gefährdet eingstuft.

Giftigkeit der Pflanze

Giftigkeit der Pflanze: Der Dolden-Milchstern enthält vor allem in der Zwiebel für den Menschen und Tiere giftige Glykoside (vorallem Convallatoxin und Convallosid). Es handelt sich bei den Inhaltstoffen um starke, herzwirksame Giftstoffe. Die Zwiebeln, sowie alle weiteren Teile der Pflanze, dürfen auf keinen Fall zum Verzehr verwendet werden. Ein Hinweis auf die Giftigkeit der Pflanze bildet der volkstümliche Name „Gärtnertod“.

Hinweise zum Umgang: Bei Umgang mit der Pflanze sollten wenn möglich immer Handschuhe getragen werden. Das Berühren der Blätter ist nicht giftig, aber durch das abpflücken kann der ebenfalls giftige Pflanzensaft austreten. Der Pflanzensaft kann zu Reizung der Haut führen.

Inhaltstoffe der Pflanze

Inhaltsstoffe der Pflanze: In der Pflanze sind unter anderem Glykoside, Raphide (Calciumoxalatnadeln) und Saponine enthalten. Die Glykoside sind vergleichbar mit den Inhaltsstoffen des Fingerhuts und haben eine ähnliche Wirkung. Die Toxine werden nicht durch Trocknung zerstört. Im Einzelnen sind die folgenden Giftstoffe in der Pflanze enthalten: Glykoside: Convallatoxin, Convallosid (sie wirken wie Herzglykoside), Saponine, Raphide – Quelle: Clinitox Datenbank

LD50: Die letale Dosis ist bei Menschen und Tieren bisher nicht bekannt. Die Pflanze sollte dennoch nicht in größeren Mengen eingenommen werden. Es sollte der Dolden-Milchstern nicht angepflanzt werden, wenn Kinder im Haushalt sind.

Symptome einer Vergiftung: Bei einer starken Vergiftung führt die Pflanze zu Herzrhythmusstörungen und einem Tod durch Herzstillstand. Starke Vergiftungen kommen aber nur selten vor, da die Gifte schlecht vom Körper aufgenommen werden.

Erste Hilfe im Falle einer Vergiftung: Bei Aufnahme von größeren Mengen ist ein Arzt aufzusuchen. Im Zweifelsfall ist der Giftnotruf zu informieren.

Frühere Verwendung als Heilpflanze

Frühere Verwendung als Heilpflanze: In der Pflanzenheilkunde wird der Dolden-Milchstern kaum mehr angewendet, da die ihn ihm enthaltenen Glykoside für Menschen und Tiere giftig sind. Früher wurde ein Sud aus der Zwiebel zur Förderung des Haarwachstums eingesetzt. Eine wissenschaftlicher Nachweis für die Wirksamkeit konnte nicht erzielt werden.

Volkstümliche Namen & Namensherkunft

Volkstümliche Namen: Die Pflanze ist unter verschiedenen volkstümlichen Namen bekannt. Hierzu gehören unter anderem Stern von Bethlehem, gemeiner Milchstern, Gärtnerschreck oder auch Gärtnertod. Im Englischen gibt es noch einen besonderen Namen „Eleven o’Clock Lady“ – da die Blüten sich erst gegen Mittag öffnen.

Namensherkunft: Der lateinische Name „Ornithogalum umbellatum“ wurde erstmals durch den Botaniker „Linné“ im Jahr 1753 verwendet. Der erste Namensteil „Ornithogalum“ lässt sich von den griechischen Worten „órnis“ – zu deutsch: „Vogel“ – und „gála“ – zu deutsch: „Milch“ – ableiten. Es wird somit als „Vogelmilch“ oder „Milchstern“ übersetzt. Im Englischen heißt die Pflanze „star of Bethlehem“. Der zweite Namensteil „umbellatum“ leitet sich von dem lateinischen Wort „Umbellatae“ – zu deutsch: „Doldenpflanzen“ – ab.

Verbreitungs-Codes: AV, M1, M2, F, K

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