Echtes Labkraut

“Echtes Labkraut” (Galium verum) wurde von unseren Vorfahren zur Käseherstellung genutzt. So wurde die Pflanze als Lab-Ersatz und roter Farbstoff verwendet.

Vorkommen und Verbreitung: Echtes Labkraut bevorzugt vor allem trockene, lehmige Standorte. Die Pflanze ist in Wäldern, Gräsern, an Straßen und in dürren Unkrautgesellschaften anzutreffen. In den Alpen ist diese Labkraut-Art auf Höhenlagen von bis zu 1.150 Metern anzutreffen. Sie hat sich auf einige wenige Standorte spezialisiert. Zu diesen zählen unter anderem:

– Lehm- oder Lössböden

– Kiefernwälder

– Trespen-Halbtrockenrasen

– Kalk-Pfeifengraswiesen

– Säume kalkarmer Standorte

– Böschungen (von Straßen)

Wuchsform: Die unscheinbar aussehende Pflanze kann eine Höhe von 20 bis 80 cm (seltener 1 Meter) erreichen. Der Wurzelstock wächst meist kriechend über dem Boden. Die Stängel der Pflanze haben eine gelbrote Färbung und sind mit feinen, kurzen Haaren besetzt.

Blätter & Stängel: Die Blätter sind nadelförmig, länglich aufgebaut und in einem Quirl am Stängel angeordnet. Der Rand der Blätter ist leicht umgerollt. Das Ende der Blätter läuft in einem spitzen Stachel zusammen. Auf der Unterseite besitzen sie eine dichte, graue Behaarung. Die Blütenstände sitzen am Ende der Stängel.

Blüten: Die Blüten sitzen in einer vom Stängel abstehenden Rispe. Pro Blütenstand bilden sich viele Einzelblüten. Diese sind nur wenige Millimeter groß und besitzen eine dunkelgelbe Färbung. Die Blüten stehen an einem kurzen Stiel. In der Mitte der Blüte sitzen vier bis sechs Staubblätter. Die Blüten verströmen einen leichten Honig-Duft. Jede der Blumenkronen besitzt vier Blütenblätter. Die Blütezeit reicht von Juni bis in den September.

Verwendung der Pflanze

Verwendung als Farbstoff: Aus der Wurzel kann ein roter Farbstoff hergestellt werden. Dieser eignet sich unter anderem zum Färben von Wolle und Kleidungsstücken. Die Pflanze ist heutzutage aber nicht mehr in der Industrie relevant, da es viele verschiedene synthetische Farbstoffe gibt. Für den Eigengebrauch sollte die Pflanze auch nicht verwendet werden, da sie zum Teil bereits als gefährdet auf der Roten Liste steht. Der Farbstoff ist vor allem in der Wurzel enthalten.

Verwendung als Zusatz zu Käse und Lab: Durch den in der Wurzel enthaltenen Farbstoff wurde früher zudem der Chesterkäse eingefärbt. Die Pflanze wird heutzutage auch noch zum Teil in der Herstellung des Käse verwendet. Der Käse erhält durch den Farbstoff eine dunkelgelbe, leicht orange Farbe. Die Blüten wurden früher hingegen als Labmittel für Milch verwendet. Im frischen Saft des Krauts findet sich eine Protease. Diese unterstützt die Gerinnung von Milch und eignet sich zur Herstellung von Weichkäse.

Frühere Verwendung als Heilpflanze: Früher wurde die Pflanze als harntreibendes Mittel eingesetzt. Es hat heutzutage keine medizinische Bedeutung mehr, da die Anerkennung in der Schulmedizin fehlt. Zum Teil wurde das Labkraut bei Nieren- und Blasenerkrankungen und bei schlecht heilenden Hautverletzungen eingesetzt. Es gibt aber einige Kräuter die hier eine besser Möglichkeit darstellen. Von der Verwendung wird nicht explizit abgeraten, aber es ist nicht von großer Bedeutung in der Heilkunde.

Verwendung als Wildgemüse: Diese Art des Labkraut wird zum Teil als Salat verwendet. Aufgrund ihres bitteren Geschmacks aber nur sehr selten.

Inhaltsstoffe der Pflanze: Das echte Labkraut enthält unter anderem diverse ätherische Öle sowie Cumarine, ca. 2% Flavonoide, Gerbstoffe, Kaffeesäurederivate, Glykoside, viel Kieselsäure und das Labenzym „Chymosin“.

Besonderheiten

Namensbedeutung: Der lateinische Wortteil “Galium” stammt von dem altgriechischen Wort “Gala” ab. Dies hat die Bedeutung von “Milch”. Damit wird auf die Verwendung der Pflanze gedeutet. Denn diese ist seit über 2.000 Jahren bekannt. “Verum” stammt aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie “das Wahre” im deutschen. Damit lässt sich der deutsche Namenszusatz “Echtes” erklären.

Volkstümliche Namen: Das echte Labkraut ist in alten Fachbüchern und im Volksmund unter weiteren Namen bekannt. Diese sind unter anderem:

– Gliederkraut (vor allem in Maierhöfen bei Isny): Aus dem Absud der Pflanze wurde ein Mittel gegen Gliederkrankheiten bei Kühen hergestellt.

– Bettstroh / Herrgottsstroh / Liebfrauenbettstroh – Während und nach Geburten wurden früher Frauen verschiedene Pflanzen unter das Bett gelegt. Hierzu gehörte auch das Labkraut. Es sollte zur Beruhigung und dem Schutz der Mutter beitragen.

Futterpflanze für Schmetterlingsraupen: Das ist eine wichtige Futterpflanze für die Raupen des kleinen Weinschwärmers und des Taubenschwänzchens.

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung der Pflanze: Bisher ist das echte Labkraut in gesamt Deutschland als ungefährdet eingestuft. Dennoch sind in einzelnen Bundesländern andere Gefährdungsgrade wie folgt definiert,

– Deutschland: ungefährdet (Status: *)

– Bayern: ungefährdet (Status: *)

– Berlin: ungefährdet (Status: *)

– Hamburg: gefährdet (Status: 3)

– Hessen: ungefährdet (Status: *)

– Mecklenburg-Vorpommern: ungefährdet (Status: *)

– Nordrhein-Westfalen: Vorwarnstufe (Status: V)

– Sachsen: Vorwarnliste (Status: V)

– Schleswig-Holstein: ungefährdet (Status: *)

Echtes Labkraut ist wegen der Kreuzung mit dem weißen Wiesenlabkraut (Galium album ssp. album) gefährdet. Diese Kreuzung wird als Weißgelb-Labkraut (Galium × pomeranicum) bezeichnet. Die Blüten sind heller als bei dem echten Labkraut und weiß-gelblich gefärbt.

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K

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