Gundermann, gewöhnlicher

Der Gundermann wird nur durch besonders langrüsselige Insekten – wie den Wollschweber – bestäubt. Zudem ist er auch in der Mythologie eine besondere Pflanze.

Vorkommen und Verbreitung: Der Gundermann ist in lichten Wäldern, unter Hecken und auf Wiesen in „Unkrautgesellschaften“ anzutreffen. Sie bevorzugt dabei lichte bis halbschattige Standorte. Die Pflanze ist zudem in vor allem in Parkanlagen und Gärten zu finden. Die Gundelrebe ist in ganz Europa verbreitet und in den Alpen auf Höhen von bis zu 1.400 Metern zu finden.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Die Pflanze wächst auf dem Boden kriechend oder teilweise an Pflanzen aufsteigend. Sie kann eine Länge von bis zu einem Meter erreichen und wird 10 bis 30 cm hoch. An den Knoten der Stängel können sich neue Wurzeln ausbilden. Die Verbreitung erfolgt durch Ableger. Der Gundermann kann sich oft in sehr großen Teppichen ausbreiten.

Blätter: Die Blätter sind herz- bis nierenförmig und stehen gegenständig an den Stängeln. Sie haben einen leicht rundlich eingekerbten Rand und sind rotbraun bis grünlich gefärbt. Beim Zerreiben besitzen die Blätter einen stark herben-strengen Geruch. Dieser wird vor allem beim Zerreiben der Blätter freigesetzt. Die Unterseite der Blätter ist deutlich behaart.

Blüten: Die violett gefärbten Blüten sitzen in einem Scheinquirl unter den Blattachseln. Die einzelnen Blütengruppen bestehen typischerweise aus 1 bis 6 Blüten. Die Blüten besitzen eine Länge von nur ein bis zwei Zentimetern. Die Unterlippe ist mit dunkelvioletten Flecken besetzt, welche meist eine weiße Umrandung besitzen. Die Kelchzähne sind dreieckig aufgebaut. Die Kelchröhre steht deutlich aus den Kelchblättern heraus. Die Unterlippe der Blüten ist mit feinen Härchen im Schlund besetzt. Die Blütennarbe ragt an der Oberlippe heraus. Die Oberlippe ist violett gefärbt und zweigeteilt (kürzer als die Unterlippe). Die Blüte ist in der Regel zwittrig aufgebaut. Die Blütezeit reicht von März bis in den Juni.

Früchte: Die Früchte der Gundelrebe bestehen aus Klausen. Die einzelnen Samen werden durch Ameisen verteilt. Die Fruchtreife wird im Juni bis Juli erreicht. Es handelt sich um einen Kältekeimer bei der Pflanze. Die Hauptverbreitung erfolgt durch unterirdische Ausläufer.

Verwendung als Heilpflanze und in der Küche

Verwendung in der Küche: Die jungen Blätter und Triebe können wegen ihres würzigen Geschmack als Beimischung zu Gemüsen, Quark oder Salaten verwendet werden. Die Blüten können als Dekoration zu Speisen verwendet werden. Bis in das 17. Jahrhundert wurde sie zudem als Biergewürz verwendet. Sie gilt als anregendes Gewürz. Ebenso ist sie eines der 9 Kräuter der Gründonnerstagssuppe.

Verwendung als Heilpflanze: Die Pflanze wird zum Teil gegen schlecht heilende Wunden eingesetzt. Innerlich wird sie als auswurfförderndes Mittel eingesetzt. Sie hilft dabei gegen Schleim und Eiter. Alle Pflanzenteile können als Tee gekocht, zu Tinktur verarbeitet oder Saft gepresst verwendet werden. Der Gundermann enthält viele ätherische Öle welche durch das Kochen in Milch gebunden werden können. Hier eignet sich vor allem fettige Milch. Dabei werden 2 Esslöffel des Krautes mit 500 ml Milch aufgekocht und für 15 Minuten ziehen lassen.

Bereits die alten Germanen haben sie als Arzneipflanze genutzt. Auch Hildegard von Bingen und Kneipp empfahlen die Pflanze in ihren Werken. Sie wurde dort für Beschwerden im Hals-, Nasen- und Ohrenbereich eingesetzt.

Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl, Gerbstoffe, Glechomin (Bitterstoff – unerforschte Wirkung), Cholin, Marrubiin (Diterpenbitterstoff)

Gefahren für Pferde: Der Gundermann ist aufgrund der enthaltenen Bitterstoffe eine stark giftige Pflanze! Rinder und Schafe können größere Mengen der Pflanze symptomlos vertragen. Die toxische Dosis bei Pferden liegt bei 32% im Grünfutter.

Besonderheiten bei den Blüten

Besonderheiten: Die Blüten werden durch verschiedene langrüsselige Insekten bestäubt. Denn nur für diese ist der Nektar erreichbar. Das vierte Bild zeigt einen gefleckten Wollschweber bei der Bestäubung der Blüten. Die Pollen werden vor allem durch Schwebfliegen gefressen.

Volkstümliche Namen & Namensherkunft

Volkstümliche Namen: In der alten Literatur wird die Pflanze unter verschiedenen volkstümlichen Namen geführt. Diese sind unter anderem „Echt-Gundelrebe, Erdefeu, Maßhold, Gundelrieme / Gundlreama, Blauhuder, Zickelskräutlein„. – Quelle: A dictionary of plant names

Gundelrieme / Gundlreama – so wird sie vor allem im bayerischen Schwaben und auf der Schwäbischen Alb genannt. Die Namen leiten sich dabei aus dem Namen Gundelrebe ab. – Quelle: Volkstümliche Namen aus dem bayerischen Schwaben

Namensherkunft: Der deutsche Name Gundermann lässt sich von dem althochdeutschen Wort „Gund“ – wird mit Eiter übersetzt – ableiten. Der Gattungsname „Glechoma“ geht auf das altgriechische Wort „glechon“ zurück. Dies wurde von der Polei-Minze auf den Gundermann übertragen. Der lateinische Artenname „hederacea“ lässt auf die Ähnlichkeit zum Efeu zurückschließen, denn die Wurzeln und Wuchsform erinnern dabei sehr deutlich an den Efeu.

Mythologie

Mythologie: Nach der skandinavisch-germanischen Mythologie soll die Gundelrebe der nördlichen Göttin „Freyja“ gewidmet sein. Sie gilt als Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit.

Nach dem alten Glauben soll die Pflanze zum Kranz geflochten und an der Walpurgisnacht getragen der Trägerin verhelfen Hexen zu erkennen.

In Südtirol wird die erste Milch nach dem Kalben durch einen Kranz aus Gundelreben gemolken. So soll das Kalb mit guter Milch aufwachsen. Bis heute gilt die Pflanze als Mittel gegen Verhexung von Milchkühen.

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung der Pflanze: Der Gundermann ist auf der Roten Liste Deutschlands als nicht gefährdet eingestuft. In den einzelnen Bundesländern sind die Gefährdungsgrade wie folgt:

  • Deutschland: ungefährdet (Status: *)
  • Baden-Württemberg: ungefährdet (Status: *)
  • Bayern: ungefährdet (Status: *)
  • Berlin: ungefährdet (Status: *)
  • Brandenburg: ungefährdet (Status: *)
  • Hamburg: ungefährdet (Status: *)
  • Hessen: ungefährdet (Status: *)
  • Mecklenburg-Vorpommern: ungefährdet (Status: *)
  • Niedersachsen: ungefährdet (Status: *)
  • Nordrhein-Westfalen: ungefährdet (Status: *)
  • Rheinland-Pfalz: ungefährdet (Status: *)
  • Saarland: ungefährdet (Status: *)
  • Sachsen-Anhalt: ungefährdet (Status: *)
  • Sachsen: ungefährdet (Status: *)
  • Schleswig-Holstein: ungefährdet (Status: *)
  • Thüringen: ungefährdet (Status: *)

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K 

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