Kirschpflaume / Wilde Mirabelle

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Die wilde Mirabelle / Kirschpflaume ist eine nahe Verwandte der Kultur-Pflaume und Schlehe. Durch ihre weißen Blüten gehört sie zu den schönsten Frühlingsblühern. Die Pflanze gilt zudem zusammen mit der Schlehe als „Urmutter“ der Garten-Pflaume.

Vorkommen und Verbreitung: Die Kirschpflaume, auch wilde Mirabelle genannt, stammt ursprünglich aus dem Balkan und Klein- bis Mittelasien. Sie ist bei uns häufig als Zierpflanze, seltener verwildert anzutreffen. An Straßen- und in Gebüschen wird sie bevorzugt als Strauch verwendet. In natürlichen Hecken dient sie als frühe Blühpflanze. Die Blüten entwickeln sich bereits sehr früh im Jahr. Zum Teil wird sie auch als Kultursorte in Obstanlagen angepflanzt. Die Pflanze benötigt einen kalkhaltigen Lehm- oder Lössboden mit viel Sonne. Sie ist bis zu -34°C winterhart. Die Pflanze wurde bereits im 16. Jahrhundert als Obstbaum nach Europa importiert.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Die wilde Mirabelle wächst häufig als Strauch oder kleiner Baum und erreicht eine Höhe zwischen 5 bis 8 Metern. Aus dem zentralen Stamm bilden sich eine Vielzahl von langen Ästen. Diese sind zunächst aufsteigend, mit zunehmenden Alter nach unten absenkend geformt. Es kann sich zum Teil eine mehrstämmige Krone ausbilden. Die Borke des Stamms und der Äste ist dunkelbraun bis grau gefärbt und leicht rissig. Die jungen Zweige im Frühling besitzen eine grünliche Färbung. An den Ästen können sich keine Korkwarzen bilden. Das Holz der Kirschpflaume ist hart und sehr spöde. Die Färbung reicht von rosa bis braun.

Blätter: Die Blätter haben einen verkehrt-eiförmigen Aufbau und sind dunkelgrün gefärbt. Am Ende laufen sie spitz zusammen. Sie besitzen einen länglichen Stängel. Die Blätter erreichen eine Länge von bis zu 8 cm. Um sich vor Fressfeinden zu schützen enthalten die Blätter Blausäure. Hierdurch sind sie für die meisten Tiere giftig. Die Blätter werden zeitgleich mit der Blüte ausgebildet. Sie haben eine glänzende Oberfläche und matte Unterseite. Die Ränder der Blätter sind leicht eingesägt. Es handelt sich um eine sommergrüne Pflanze die im Herbst ihre Blätter abwirft.

Blätter als Raupenfutter: Die Blätter des Strauchs dienen vier verschiedenen Nachtfalterarten als Nahrung. Diese sind der „Buchen-Streckfuß“ (Calliteara pudibunda), der „Goldafter“ (Euproctis chrysorrhoea), der „Schlehen-Bürstenspinner“ (Orgyia antiqua) und der „Nierenfleck-Zipfelfalter“ (Thecla betulae).

Besonderheiten der Blüten

Blüten: Die Blüten sitzen in größeren Gruppen an kurzen, dünnen Ästen. Sie besitzen einen länglichen, grün-rötlichen Stängel. Die Kelchblätter sind hellgrün gefärbt und sitzen unter den Blütenblättern. Die Blüten haben einen Durchmesser zwischen 2 bis 3 cm. Die fünf Blütenblätter haben eine länglich-ovale Form und sind weißlich gefärbt. Sie sitzen in einer radiären Form rund um die Mitte der Blüte. In dieser bildet sich eine grünlich-gelbe Blütennarbe sowie eine Vielzahl (zwischen 20 bis 25) von gelb bis orange gefärbten Staubblättern aus. Der Blütenboden ist ebenfalls grün-gelblich gefärbt. Die Blüten besitzen einen starken, angenehmen Duft. Die Blütezeit reicht von (selten Februar) März bis in den April. Sie blüht oft schon früher als die Verwandte Schlehe.

Bestäubung durch Bienen und andere Instekten: Durch ihre frühe Blüte im Jahr zählt die Kirschpflaume zu den wichtigen Bienenpflanzen. Sie bildet reichlich Nektar und Pollen aus. Bereits sehr früh im Jahr kann an ihr zum Teil die „Gehörnte Mauerbiene“ beobachtet werden. Zu den weiteren Bestäubern zählen die Honigbiene sowie diverse Sandbienen.

Früchte: Nach der Blütezeit bilden sich kugelrunde Steinfrüchte aus. Sie haben einen Durchmesser zwischen 2 bis 3 cm. Die Früchte sind zunächst grün gefärbt und reifen, je nach Unterart, zu einem dunkelgelb bis dunkelrot heran. Die Reife kann teilweise bereits im Juni / Juli erfolgen. Die Früchte enthalten einen einzelnen großen Kern. Das Fruchtfleisch ist gelb gefärbt. Die Schale der Früchte ist zum Teil sehr sauer.

Verwendung in der Küche

Verwendung in der Küche: Die Kirschpflaume wird in der Küche nur selten verwendet. Sie kann zu einer leicht säuerlichen Marmelade verarbeitet werden -> wer die Früchte mit „richtigen“ Pflaumen mischt kann diesen Effekt leicht abwenden. Vor allem die Schale der Früchte trägt zur Säuerlichkeit der Früchte bei. Sie haben aber dennoch einen hohen Anteil an Vitamin A und C. Wenn die Früchte fast überreif sind, werden sie leicht süßlich. Zum Teil wird die kleingeschnittene Frucht auch zur Herstellung von Wildpflaumenlikör verwendet. Die Früchte enthalten Vitamine, Mineralien, teilweise Spurenelemente, Fruchtsäuren und Fruchtzucker. Sie sind somit ein gesundes Wildobst.

Vorsicht bei der Verarbeitung: Die Fruchtkerne, Blüten sowie Blätter sollten nicht in der Küche verwendet werden, da diese Blausäure (Cyanwasserstoff) enthalten.

Wissenswertes zur Pflanze

Wissenswertes zur Pflanze: Die Wurzeln und Stämme werden vor allem zur Gewinnung von Veredelungsunterlagen verwendet, da sie als besonders robust gelten. Die rotblättrigen Sorten werden als „Blutpflaumen“ bezeichnet. Sie sind aber dabei als Zierpflanzen anzusehen, da die Früchte nicht für die Verarbeitung als Wildobst geeignet sind. Die Blüten der Blutpflaume erinnern dabei an die Blüten der Japanischen Kirsche. Die Blätter sind dunkelrot bis leicht violett gefärbt.

Namensherkunft & Volkstümliche Namen

Namensherkunft: Der deutsche Name „Kirschpflaume“ stammt von der Form der Früchte. Diese sind durch ihr rundliches Aussehen der Kirsche ähnlich. Da die dunkelrot gefärbten Sorten auch sehr an die Farbe der Süßkirsche erinnern hat sich dieser Name für die Pflanze durchgesetzt. „Wilde Mirabelle“ da die Pflanze die Urform der heutigen Pflaumen und Mirabellen ist. Aus Kreuzungen sind die Mirabellen entstanden. Der botanische Gattungsname „Prunus“ wird allen Pflaumen, Kirschen, Pfirsichen und Mandeln, sowie ähnlichen Pflanzen gegeben, die aus dieser Gattung entstammen. Das Wort leitet sich aus dem lateinischen „prunus“ – zu deutsch „Pflaume“ – ab. Dies lässt sich wiederum aus dem griechischen προῦμνον (proumnon) oder προῦμνος (proumnos) ableiten. Der botanische Artname „cerasifera“ lässt sich mit „Kirschpflaume“ übersetzen.

Volkstümliche Namen: Die Kirschpflaume ist in einigen Regionen unter verschiedenen volkstümlichen Namen bekannt. Zu diesen zählen unter anderem „Türkenkirsche, Kringelbaum, Kriachlbaum“. Der Name „Türkenkirsche“ leitet sich aus der Herkunft der Pflanze (Kleinasien, heute die Türkei) ab. Im österreichischen Volksmund ist die Pflanze als „Kringelbaum“ bezeichnet.

Gefährdung der Pflanze

Status auf der Roten Liste: Die Kirschpflaume gilt als ungefährdet auf der Roten Liste Deutschlands.

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K

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