🌿 Eine kleine Tasse voller Erinnerungen aus den Alpen 🌿

Es ist nur eine kleine Tasse – doch in ihrem zarten Weiß schwingt ein Hauch von Bergluft mit. Auf ihrer Innenseite öffnet sich ein leuchtend blauer Enzian, gemalt in fließenden Pinselstrichen. So als wäre er frisch an einem kühlen Morgen in den Alpen gepflückt worden. Das tiefe Blau, das stille Grün der Blätter, der goldene Rand. Alles erinnert an die Gegensätze der Berge – rau und still, klar und doch voller Leben.

Diese Tasse entstand um 1929 bis 1933 als feine Weißware der Porzellanmanufaktur Lettin 1 .

Ihren wohl einzigartigen Charakter erhielt sie erst später, in Berchtesgaden, wo eine Dekormalerin (oder ein Dekormaler) – W. Puff – das Motiv mit ruhiger Hand auftrug. So wurde aus einem Porzellanstück ein kleines Kunstwerk geschaffen für Menschen, die ein Stück Natur mit nach Hause nehmen wollten. Wenn man sie in der Hand hält, wirkt sie wie ein Andenken an vergangene Wanderwege, an blühende Almwiesen und an einen sonnigen Sommertag in den Alpen.

Die Malerei stammt aus der Porzellanmalerei Woldemar Adler in Berchtesgaden. Hierzu gibt es auch eine interessante Geschichte. Da vor über 100 Jahren die Werbung für den Tourismus noch nicht aus einfachen Prospekten und Internetseiten bestand wurden noch Briefmarken und Prospekte mit Alpenblumen versehen 2.

Die Vorlagen für die Briefmarken und Prospekte wurden durch Hans Richter sen. (1901 – 1945) – Vater des gleichnamigen Bildhauers und ehemaligen Schnitzschuldirektors Hans Richter jun. (1931-2014) – hergestellt. Hans Richter sen. war ein Porzellanmaler aus Selb (bei Hof). Im Jahr 1919 kam er zur Porzellanmalerei Woldemar Adler nach Berchtesgaden.

Der Geschäftsinhaber der Porzellanmalerei stammte ebenfalls aus Selb und kannte Hans Richter sen. bereits. Die Malereien von Alpenblumen auf Markenporzellan war Adlers Geschäftsidee. Hans Richter sen. führte in der Manufaktur Porzellanmalereien aus und erstellte auch Vorlagen für die gedruckte Tourismuswerbung. Hans Richter sen. fiel im Alter von 44 Jahren, als Soldat noch in den letzten Kriegstagen.


Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts entstand häufiger Souvenirkeramik in den Alpenregionen. So unter anderem in Thun im Berner Oberland (Schweiz). Diese wurden als «Thuner Majolika» in der Zeit der Belle Époque bezeichnet. Hierbei wurden oft farbige Blumenmuster sowie der Alpenbezug verwendet 3 . Bei der Belle Époque handelt es sich um die Zeit von den 1870er, bis in die frühen 1910er Jahre.

Es ist anzunehmen, dass es bereits zu dieser Zeit in vielen Alpenorten kleine Manufakturen für die Bemalung der Stücke gab. Dies lässt sich auch durch Funde aus der Region Allgäu herleiten. In diesen wurden oft weiße Porzellanteile – u.a. von den Herstellern Lettin, Geidlitz, Jäger & Co und Winterling – von Hand bemalt und als Sammlerstücke verkauft.


Der dargestellte Enzian gehört zu den bekanntesten Alpenblumen. Mit seinem tiefen, leuchtenden Blau gilt er als Symbol für wilde Berglandschaften und klare Höhenluft. Besonders häufig denken viele an den stängellosen Enzian, der mit seiner großen, trompetenförmigen Blüte im Frühsommer auf vielen Alpenwiesen erscheint. Die Tasse greift diesen alpinen Zauber auf und übersetzt ihn in feine Pinselstriche. Sie ist dabei eine kleine Hommage an eine der schönsten Blumen der Berge.

Auf meiner Seite stelle ich auch den stängellosen Enzian hier vor: zur Pflanze auf blumen-natur.de 4


  1. Lettiner Porzellanmanufaktur, abgerufen am 22.11.2025 ↩︎
  2. Heimatkundeverein Berchtesgaden – abgerufen am 11.09.2026 ↩︎
  3. Edelweiss und Alpenidylle – Souvenirkeramik der Belle Époque «made in Thun», abgerufen am 22.11.2025 ↩︎
  4. Stängelloser Enzian, abgerufen am 22.11.2025 ↩︎

Michael Richter

Autor: Michael Richter

Mit meiner Website möchte ich andere Menschen für die Schönheit der Natur begeistern. Denn hier bist du genau richtig, wenn du mehr über Blumen, ihre Eigenschaften und deren Namen erfahren möchtest. Ich beschäftige mich seit über 15 Jahren schon mit der Bestimmung von Pflanzen.

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