Kornrade

Eine der seltensten Pflanzen unserer Felder – die Kornrade (Agrostemma githago) – denn in manchen Teilen Deutschlands gilt sie bereits als ausgestorben.
~ Starke Giftpflanze ~

Vorkommen und Verbreitung: Die Kornrade war ursprünglich in unserem Getreidefeldern einheimisch. Sie war zudem auch an den Rändern anzutreffen. Durch die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft wird der Lebensraum der Pflanze immer knapper. In einigen Gegenden Deutschlands gilt sie bereits als ausgestorben. In den Alpen war sie auf einer Höhe von bis zu 1.980 Metern anzutreffen.

Wuchsform: Es handelt sich um eine einjährige Pflanze. Sie erreicht eine Wuchshöhe von 30 bis 100 cm. Die Pflanze hat dabei einen aufrechten Wuchs. Im unteren Teil ist die verzweigt. An den Enden der Stängel bilden sich die Blüten.. Die Stängel sind deutlich behaart. Im Boden bildet sich eine spindelförmige, senkrechte Wurzel – dieser Typ von Wurzel wird auch als Pfahlwurzel bezeichnet.

Blätter: Die Blätter der Pflanze sind linear aufgebaut. Dabei sitzen sie gegenständig am Stängel und stehen leicht davon ab. Sie sind auf der Oberseite behaart. Am Ende laufen sie spitz zusammen. Der Mittelnerv der Blätter ist deutlich erkennbar.

Blüten: die Blüten haben eine runde Form und sind hellrosa bis leicht purpur, nur sehr selten weiß gefärbt. Pro Blüte bilden sich 5 Blütenblätter. Diese sind mit jeweils drei violetten Saftmalen besetzt. Die Mitte der Blüte hat eine weiße Färbung. Der Blütenkelch ist oval, breit aufgebaut und dicht behaart. Die Hüllblätter haben eine grüne Färbung und sind ebenfalls behaart. Diese sind etwa 2x so lang, wie die Blütenblätter. Im Inneren der Blüte bilden sich zehn Staubblätter. Diese sind weiß gefärbt. In der Mitte sitzt ein fünfgeteilter Griffel. Die Blütezeit reicht vom Juni bis in den September.

Früchte: Im Herbst entwickeln sich nach der Blüte kleine Samenkapseln. Sie sind rundlich und sehr schwer zu knacken. In diesen sind die hochgiftigen braun-schwarzen Samen enthalten. Sie erreichen eine Größe von nur 3 mm.

Starke Giftpflanze – Hinweise zum Umgang

Giftigkeit der Pflanze: Es handelt sich um eine starke Giftpflanzen, die bei Verzehr tödlich wirkt. Es wird daher abgeraten Pflanzenteile als Medizin zu verwenden. In der Homöopathie werden zum Teil Präparate hergestellt. Ich rate aber von der Verwendung dieser dringend ab! Es handelt sich um eine für Mensch und Tier gefährliche Pflanze.

Inhaltsstoffe: In der gesamten Pflanze, vor allem aber in den Samen sind, Triterpensaponine enthalten. Diese werden in der älteren Literatur auch als Sapotoxin bezeichnet. Es handelt sich dabei um ein stark giftigen Stoff. Reines Sapotoxin hat eine gelbe Färbung.

Symptome einer Vergiftung: Nach Einnahme der Samen oder Pflanzenteil kommt es zu einem Kratzen in Mund und Rachen, anschließender Übelkeit, bis hin zum Erbrechen und Kreislaufstörungen. In schweren Vergiftungen erfolgt der Tod durch Atemlähmung. Beim Einatmen des reinen Giftes kann es zu einer Reizung der Augen- und Nasenschleimhäute kommen.

Hilfe bei Vergiftung: Bei Vergiftung mit der Pflanze sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden und sofort der Giftnotruf informiert werden.

Besonderheiten

Spezielle Bestäuber: Die Blüten werden vor allem durch Schmetterlinge / Tagfalter und Schwebfliegen bestäubt. Sie sind somit auf diese Tiere angewiesen. Am Grunde des Kelches wird ein süßer Honig durch die Pflanze abgegeben. Dieser kann nur durch die Rüssel der Schmetterlinge erreicht werden.

Verwendung als Gartenpflanze: In einem guten Gartenfachhandel gibt es die nachgezüchteten Samen zu kaufen. Hierdurch handelt es sich auch um eine gern genutzte Gartenpflanze für Blühwiesen.

Früherer Verwendung als Waschmittel: Im Mittelalter wurden die Samen zu Mehl verarbeitet. Tuchbereiter verwendeten dieses Pulver zum waschen ihrer Tücher. Diese wurden hierdurch reinweiß.

Name & Geschichte

Namensherkunft: Der lateinische Name leitet sich von den Begriffen “αγρός” (Feld, Acker) und “στεφάνι” (Kranz) ab. Die Pflanze trägt diesen Namen, da im Volksglauben Kränze aus der Pflanze geflochten wurden (mehr dazu in der Rubrik Volksglaube).

Geschichtliches: Bis in die 1960er Jahre war die Kornrade als eine Ackerbegleitpflanze vor allem im Wintergetreide zu finden. Aber durch den stärkeren Einsatz von Herbiziden und anderen Giften ist sie heutzutage nicht mehr in unseren Feldern zu finden.

Früher waren die Pflanzen auch von den Bauer gefürchtet. Denn die Samen hatten etwa die gleiche Größe wie das reife Korn. Hierdurch waren die Samen nur schwer zu trennen. Diese sind wie alle weiteren Teile der Pflanze stark giftig. Auch der Geschmack von Mehl wurde oftmals durch die Samen der Kornrade verfälscht. Früher galt sie hierdurch als Plage auf den Feldern. Die unerwünschten Samen im Getreide wurden als “Ausreuter” bezeichnet – dies erinnert auch stark an das heutige Wort “Ausreißer”.

Dennoch wurden in Zeiten der Hungersnot die Pflanzen zum Teil gekocht und gegessen. Dies war aber dennoch sehr gefährlich, denn die Gifte werden durch das Kochen nicht vollständig zerstört.

Volksglaube

Volkstümliche Namen: Im Bayerischen Schwaben wird sie unter anderem als “Kornnägele” bezeichnet. Zudem ist sie auf der Schwäbischen Alb als Radda bekannt. Zum Teil wurde sie durch die Bauern als “Höllenkorn” bezeichnet.

Aberglaube / Volksglaube: Die Pflanze hat zudem einige Brauchtümer mit sich gebracht.

“Wird Kranz aus der Pflanze um einen Obstbaum geflochten, so sollte dieser keine unreifen Früchte abwerfen.”

„Geht man rückwärts auf die Pflanze zu und pflückt sie rücklings ab. Dann soll man einen Kranz daraus flechten. Mit diesem erkenne man das böse in einem anderen Menschen.

Ob die Pflanze tatsächlich diese Kräfte hatte, ist in der modernden Welt doch sehr zweifelhaft.

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung: Die Kornrade steht bereits mit dem “Gefährdungsgrad 2” auf der Roten Liste Deutschlands und gilt somit als stark gefährdet. Die Wildform der Pflanze sollte daher auf keinen Fall gepflückt werden!

– Baden-Württemberg: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

– Bayern: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

– Berlin: Ausgestorben seit 1989 (Status: 0)

– Brandenburg: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

– Bremen: Ausgestorben (Status: 0)

– Hessen: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

– Hamburg: Ausgestorben seit 1960 (Status: 0)

– Niedersachsen: Ausgestorben (Status: 0)

– Nordrhein-Westfalen: Ausgestorben (Status: 0)

– Rheinland-Pfalz: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

– Sachsen: Ausgestorben (Status: 0)

– Sachsen-Anhalt: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

– Saarland: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

– Schleswig-Holstein: Ausgestorben (Status: 0)

– Thüringen: Ausgestorben seit 1988 (Status: 0)

Verbreitungs-Codes

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2, F, K (an vielen Stellen bereits ausgestorben)

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