Orientalischer Bocksbart

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Dem Namen nach aus dem Morgenland stammend, der „Östlicher Wiesen-Bocksbart / Orientalische Bocksbart“ (Tragopogon orientalis).
Der orientalische Bocksbart mit einer gelben Blüte. Die Zungenblüten sind länglich und stehen von der Mitte der Blüte ab.

Vorkommen und Verbreitung: Der Orientalische Bocksbart wächst auf vor allem Halbtrockenrasen und in sonnigen Unkrautgesellschaften. In den Alpen ist die Pflanze auf einer Höhe von bis zu 2.000 Metern Höhe zu finden. Insbesondere im südlichen und östlichen Teil Deutschlands ist diese Art häufiger vertreten.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform: Es handelt sich beim orientalischen Bocksbart um eine krautige, ausdauernd wachsende Pflanze. Sie kann eine Wuchshöhe zwischen 30 bis 70 cm erreichen. Die Stängel der Pflanze wachsen aufrecht nach oben und sind im oberen Bereich teilweise zu mehreren Blüten verzweigt. Im Inneren ist der Stängel nicht bis nur teilweise hohl und enthält einen weißen Milchsaft. Als einzige der Bocksbartarten hat der „große Bocksbart“ deutlich verdickte Blütenböden sowie Stängel, die zum Teil tatsächlich fast vollständig hohl sind. Unter der Erde bildet sich eine glatte (ohne viele Nebenwurzeln), fleischige Pfahlwurzel. Diese besitzt eine dunkelbraune Färbung.

Blätter: Die Blätter sind komplett stängelumfassend und können eine Länge von bis zu 50 cm erreichen. Sie erinnern dabei an die Blätter von Gras. Am Ende laufen die Blätter spitz zusammen. In der Mitte bildet sich ein weißer Mittelstreifen aus. Die Laubblätter bilden am Blattansatz einen Wachstumsknoten aus. Die langen Blätter können sich zum Teil nach unten biegen.

Blüten: Die goldgelb gefärbten Blütenkörbchen bestehen aus Zungenblüten. Pro Blütenkörbchen bilden sich zwischen 30 bis 50 Einzelblüten aus. Die Blütenköpfe selbst können einen Durchmesser zwischen 5 bis 8 cm erreichen. Während der Blütezeit von Mai bis Juli ragen die Blüten weithin sichtbar aus den Wiesen heraus. Die grünen Hüllblätter, welche unter den gelben Blütenblättern sitzen, sind deutlich kürzer als die Zungenblüten. Die Staubbeutel im Inneren der Blüte haben für diese Unterart die typischen braunschwarzen Längsstreifen. Die Bestäubung der Blüten erfolgt unter anderem durch Käfer und Fliegen (zum Teil auch andere Hautflügler).

Früchte: Die Früchte / Samen bestehen aus einem braun-weißen Pappus. Die einzelnen Samen haben eine Länge zwischen 1,5 bis 2,5 cm. Die Verbreitung erfolgt vor allem durch den Wind. Die Fruchtreife wird zwischen Juli bis August (seltener auch später) erreicht.

Essbare Teile der Pflanze

Essbare Teile: Die Blätter, Triebspitzen, Blüten, Stängel und die Wurzel sind essbar. Diese enthalten vor allem Inulin, Lipide, Schleim- und Bitterstoffe und Kohlenhydrate. Hierdurch hat sie eine blutreinigende, harntreibende, schweißtreibende Eigenschaft. Sie kann auch roh verwendet werden, wobei die Blätter wie ein Salat essbar sind. Dennoch sollte vor der Verwendung Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden. Es kann bei einigen Menschen zu einer allergischen Reaktion kommen.

Volkstümliche Namen

Volkstümliche Namen: Die weiteren volkstümlichen Namen, welche auf den Pappus zurückgeführt werden können, sind unter anderem „Wolfsbart“ oder „Gauchbart“. Manche sehen die Frucht auch als Ziegenbart an. Mit dem Namen „Gauch“ ist eigentlich der Kuckuck (ein Frühlingsbote) gemeint. Es handelt sich aber eigentlich nicht um eine Frühlingsblume. Ein sehr alter Name, der aus dem Mittelhochdeutschen stammt ist „Habermilch“, „Habermark“ oder auch „Haberwurz„. In den alten Büchern steht hierzu: „Weil die Pflanze gern unter dem Haber wächst und in der Jugend milchig und markig ist.“ – Mit „Haber“ ist der Hafer auf den Feldern gemeint. Zum Teil wird die Pflanze auch als „Süßling“ oder „Himmelsbrot“ bezeichnet. Dies stammt von dem leicht süßen Geschmack der ungiftigen Milch im Stängel. Früher wurden diese von Kindern als „Süßigkeitenersatz“ gekaut.

Auch im Schwäbischen (Baden-Württemberg) finden sich noch einige volkstümliche Namen zu der Pflanze. Zu diesen zählen unter anderem „Wolfsbart, Schnauzbart und Wiesabart“. Auch diese deuten alle auf die Ähnlichkeit des Fruchtstands zu einem Bart hin – Quelle: Buch Schwäbische Flora

Nach den goldgelb gefärbten Blütenköpfen wird der orientalische Bocksbart auch als „Dukatenblum“ bezeichnet. Hierbei wird die Pflanze mit einer alten Währung aus Gold verglichen. Da sich die Blüten bereits zum Mittag schließen ist sie in einigen Regionen auch unter dem Namen „Vormiddagsblum“ bekannt.

Namensherkunft

Namensherkunft: Der botanische Gattungsname „Tragopogon“ ist eine Latinisierung sowie ein zusammengesetztes Wort aus zwei griechischen Worten. Diese sind „τράγος“ (trágos) und „πωγων“ (pógon). Diese lassen sich mit „Ziegenbock“ und „Bart“ ins deutsche Übersetzen. Hierin zeigt sich auch eine Verbindung zum deutschen Namen der Pflanze. Der Namensteil „τράγος“ hat wiederum seine Etymologie in dem griechischen Wort „τρᾰ́γω„. Dies lässt sich mit nagen, knabbern ins moderne Deutsch übersetzen. Dies spiegelt auch das Verhalten von Ziegen wieder. Der noch geschlossene Samenstand der Pflanze kann zum Teil an einen „weißen Bart“ erinnern. Der deutsche Name „Bocksbart“ wird durch den Botaniker „Fuchs“ auf seinen Pappus zurückgeführt. Der Fruchtstand erinnert an einen grauen Bart. In seinen Kräuterbuch meinte er hierzu: „also gennent daß seine Blümen zü aim grawin Bart werden.“

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung der Pflanze: Auf der Roten Liste Deutschlands wird der orientalische Bocksbart bereits mit der Vorwarnstufe geführt. Es handelt sich somit um eine potentiell gefährdete Art. Die einzelnen Gefährdungsgrade in den einzelnen Bundesländern sind wie folgt:

  • Baden-Württemberg: ungefährdet (Status: *)
  • Bayern: ungefährdet (Status: *)
  • Hessen: ungefährdet (Status: *)
  • Niedersachsen: Extrem selten (Status: R)
  • Rheinland-Pfalz: ungefährdet (Status: *)
  • Nordrhein-Westfalen: gefährdet (Status: 3)
  • Saarland: gefährdet (Status: 3)
  • Saarland: ungefährdet (Status: *)

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2

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