Zwerg-Holunder

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Der giftigste Vertreter der Holunder-Arten, der „Zwerg-Holunder / Attich“ (Sambucus ebulus). Die Pflanze kann mit dem ungiftigen „schwarzen Holunder“ verwechselt werden!
~ Vorsicht! Es handelt sich um eine Giftpflanze ~

Vorkommen und Verbreitung: Der Zwerg-Holunder wächst unter anderem auf krautigen Waldlichtungsfluren, frischen Brennessel-Giersch-Säumen, an unbefestigten Wegränderen und zum Teil auf menschengemachten Flächen wie Parkplatzen und „abgebrannten Flächen“. Sie bevorzugt dabei einen frischen, sehr nährstoffreichen Böden mit einem hohen Kalkanteil. Durch den Ausbreitungsdrang der Pflanze können sich häufig größere Gruppen bilden. Der Zwerg-Holunder gilt zudem als wärmeliebender Stickstoffanzeiger.

Pflanzenbeschreibung

Wuchsform & Stängel: Die Wuchshöhe beträgt im Gegensatz zum echten schwarzen Holunder nur zwischen 50 bis 150 cm. Sie hat einen krautigen Wuchs und sieht dabei wie eine “großwüchsige Staudenpflanze“ aus. Die Stängel stehen aufrecht und sind im Normalfall unverzweigt bis im oberen Teil selten verzweigt. Der Stängel ist deutlich gefurcht. Die gesamte Pflanze hat einen widerlichen Geruch (aus der Familie der Moschuskrautgewächse). Die oberirdischen Pflanzenteile sterben im Winter ab.

Blätter: Die Blätter sitzen gegenständig am Stängel. Sie sind schmal lanzettlich aufgebaut und am Rand zähnig eingeschnitten. Die einzelnen Blätter sind unpaarig gefiedert. Sie können eine Länge von 5 – 15 cm erreichen. Die Blätter haben einen deutlichen, widerlichen Geruch. Pro Einzelblatt bilden sich zwischen 7 bis 9 Teilblättchen aus. Die Oberseite der Blätter ist dunkelgrün, die Unterseite hellgrün gefärbt.

Blüte: Die Blüten sind in einer flachen Trugdolde angeordnet. Die Einzelblüten können einen Durchmesser zwischen 5 bis 7 Millimeter erreichen. Die Blütenblätter besitzen eine weiße Färbung. Es bilden sich fünf Kron- und fünf Kelchblätter. Im Inneren der Blüte entstehen fünf bis acht rote Staubbeutel. Die Bestäubung der Blüten erfolgt durch Bienen, Fliegen und andere Hautflügler. Die Blütezeit reicht von Juni bis in den August.

Frucht: Als Früchte bilden sich schwarze, glänzende, beerenartige Steinfrüchte. Diese sehen dem echten Holunder sehr ähnlich. Die einzelnen Beeren können eine Größe zwischen 5 bis 7 mm erreichen. Im Gegensatz zum echten Holunder sitzen die Früchte in der Dolde aufrecht nach oben! Der echte Holunder hat “herunterhängende“ Fruchtstände! Die Fruchtreife reicht von August bis in den September.

Giftpflanze – Hinweis zum Umgang

Wichtiger Gefahrenhinweis zur Pflanze: Es wird stark davon abgeraten die Pflanze im Garten zu kultivieren wenn Kinder im Haushalt leben. Denn alle Pflanzenteile sind giftig. Die Samen der schwarzen Beeren sind besonders giftig! Auch bei Haltung von Haustieren ist von einer Kultivierung abzusehen, da sie für Pferde, Rinder, Hunde, Katzen, Hasen, Vögel etc. sehr giftig ist.

Giftigkeit der Pflanze / Verwendung als Heilpflanze: Der Zwerg-Holunder wird als Giftpflanze ausgewiesen, denn die gesamte Pflanze ist hoch giftig!  Sie wird nur noch vereinzelt in der Homöopathie verwendet. Von der Eigenbehandlung ist jedoch dringend abzuraten da starke Nebenwirkungen bis zum Tod durch eine falsche Dosierung auftreten können.

Giftige Inhaltsstoffe der Pflanze: Vorwiegend in den Knollen sowie in den Kernen, aber auch in den restlichen Teilen der Pflanze sind die zyanogenen Glykoside (Blausäureglykosid – Sambunigrin, Prunasin) enthalten. Durch die Verletzung von Zellen können die Blausäureglykoside zu Blausäure und Bittermandelöl zerfallen. In den Beeren ist zudem Chlorogensäure in den Beeren enthalten. Zudem sind auch nicht giftige Gerbstoffe und ätherische Öle enthalten. Die in den Beeren enthaltenen Giftstoffe werden nicht durch Kochen zerstört!

Vergiftungserscheinungen: Die Vergiftungserscheinungen zeigen in Form von Erbrechen und Durchfall. In großen Mengen kann es zum Tod führen!

LD50 bei Tieren: Es wird davon ausgegangen, dass bei Tieren 1 bis 4 mg Blausäureglykosid pro Kilogramm Körpergewicht als tödlich gelten.

Erste Hilfe: Bei Auftreten von Beschwerden muss immer ein Arzt aufgesucht werden. Die Giftentfernung muss unbedingt durch Fachpersonal erfolgen.

Besonderheiten

Unterscheidungsmöglichkeiten: Der Zwerg-Holunder und schwarze Holunder können sehr einfach anhand den Blüten unterschieden werden. Die Blüten des schwarzen Holunders haben sehr viele einzelne Blüten. Wohingegen der Zwerg-Holunder größere Blüten mit 5 Blütenblätter hat. Zudem ist der Zwerg-Holunder eine staudenartige Wuchsform. Der schwarze Holunder wird ein hoher, verholzender Strauch – mehrjährige Pflanze!

Volkstümliche Namen & Namensherkunft

Volkstümliche Namen: Die Pflanze ist unter weiteren volkstümlichen Namen bekannt. Hierzu zählen unter anderem Attich, falscher Holunder und Sommerholder. Im Schwäbischen wird die Pflanze als “Wilder Holder, Laddich (angelehnt an die Pflanze ‚Lattich‘), Krautholder oder auch Krautholder. Aufgrund seines Geruchs wird der Zwerg-Holunder auch als “Stinkholder“! bezeichnet. Der Name “Zigeunerkraut“ soll von der Verwendung als Vieharznei durch “Zigeuner“ (frühere Bezeichnung für das fahrende Volk) entstammen.

Namensherkunft: Der botanische Gattungsname „Sambucus“ lässt sich auf verschiedene Arten übersetzen. Die nachfolgenden Ableitungen sind aber nicht eindeutig zu beweisen.

  1. Als Ableitung von dem griechischen Wort „sambyx“ – welches sich mit „rot“ ins Deutsche übersetzen lässt.
  1. Oder von dem griechischen Wort „σαμβύκη“ (symbyke). Hierbei handelt es sich um ein persischen Saiteninstrument welches möglichweise aus dem Holz des Holunders hergestellt wurde.

Der deutsche Name “Attich“ geht auf das griechische Wort “aktéa“ (zu deutsch “Holunder“) zurück. Dieses Wort wurde durch den griechischen Arzt Dioskurides (1. Jahrhundert n. Chr.) und den lateinischen Schriftsteller Plinius (23 – 79 n. Chr.) geprägt. – Quelle: Schwäbische Flora des Schwäbischen Albvereins, S. 259.

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung der Pflanze: Der Zwerg-Holunder sollte bereits aufgrund seiner Toxizität bereits auf keinen Fall gepflückt werden! Auf der Roten Liste für Deutschland ist er bisher als noch nicht gefährdet eingestuft. 

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2

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