Fleischfarbenes Knabenkraut

Hierbei handelt es sich um eine wahre Seltenheit unter den deutschen Orchideen: das “fleischfarbene Knabenkraut” (Dactylorhiza incarnata ssp. incarnata).

Vorkommen und Verbreitung: Fleischfarbenes Knabenkraut ist auf teilweise sehr spezielle Lebensräume angewiesen. In Baden-Württemberg, Bayern gibt es derzeit noch einige größere Populationen. In anderen Bundesländern gilt die Art bereits als selten anzutreffen. Aufgrund der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung von vielen Flächen ist die Art vielerorts bereits verschwunden. Die speziellen Lebensräume sind unter anderem:

  • Kalkniedermoore
  • Kalk-Pfeifengraswiesen
  • Sumpfdotterblumen-Wiesen

Sie ist zudem auf Sumpfwiesen und weiteren Flachmooren anzutreffen. Die Bilder sind beispielsweise im Eriskircher Ried (ein Naturschutzgebiet am Bodensee) entstanden.

Wuchsform: Die Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von 20 bis zu 60 cm. Sie hat eine aufrechte Form mit einem deutlich dickeren Stängel als bei den meisten Knabenkräutern. Dieser ist im Inneren hohl. Pro Stängel bilden sich vier bis sechs Blätter.

Blätter: Die Blätter sind lanzettlich aufgebaut und haben eine spitz zulaufende Form an deren Ende. Das oberste Blatt reicht bis in den Blütenstand hinein. Sie haben eine hellgrüne Färbung und sind ungefleckt. Die Blätter umfassen den Stängel deutlich. Oft sind die Blätter am Ende kapuzenförmig eingezogen (manchmal etwas eingeknickt). Sie können eine Länge von bis zu 20 cm erreichen. Zwischen den Blüten bilden sich Tragblätter, welche deutlich länger als die Blüten sind.

Blüten: Die Blütenstände des fleischfarbenen Knabenkrauts erreichen eine Höhe von bis zu 12 cm. Diese bestehen aus bis zu 60 kleinen Blüten. Die Blüten haben eine blass fleisch-rosa bis hell purpurrote Färbung. Wobei die inneren Blütenteile leicht weißlich gefärbt sind. Die Blüten sind zygomorph aufgebaut und bestehen aus drei Lappen und zwei abstehenden Sepalen. Auf der unteren Lippe bildet sich eine deutliche violette Schleifenzeichnung. Diese besteht aus mehrfach verschlungenen Schleifen. Die Blütezeit reicht von Mitte Mai bis Ende Juni.

Besonderheiten

Die Knabenkräuter können sich untereinander kreuzen. Es könnte sich laut den Angaben eines Experten möglicherweise um einen Hybriden zwischen dem “fleischfarbenen Knabenkraut” und dem “breitblättrigen Knabenkraut” handeln. Diese Hybride sind sehr häufig anzutreffen, Es handelt sich auch oft um sehr schwer bestimmbare Hybride.

Die Wanze, die auf der Pflanze klettert ist ein “Knappe” (Lygaeus saxatilis / Spilostethus saxatilis) und zählt zu den Bodenwanzen. 

Gefährdung der Pflanze

Gefährdung: Fleischfarbenes Knabenkraut steht in Deutschland bereits mit dem “Gefährdungsgrad 2” auf der Roten Liste. Sie gilt somit als bereits stark bedroht. Sie sollte auf keinen Fall gepflückt werden, da es sich bei der reinen Art um eine Seltenheit handelt. Die Pflanze steht zudem bereits unter dem Schutz des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES). Die Gefährdungsgrade in den einzelnen Bundesländern sind wie folgt:

– Deutschland: stark gefährdet (Status: 2; rückläufig)

– Baden-Württemberg: gefährdet (Status: 3)

– Bayern: gefährdet (Status: 3)

Berlin: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

Brandenburg: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

– Bremen: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

Hamburg: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

– Hessen: stark gefährdet (Status: 2)

– Mecklenburg-Vorpommern:  n/a

Niedersachsen / Küste: stark gefährdet (Status: 2)

Niedersachsen / Bergland + Tiefland: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

Nordrhein-Westfalen: stark gefährdet (Status: 2)

Rheinland-Pfalz: stark gefährdet (Status: 2)

Saarland: stark gefährdet (Status: 2)

Sachsen: vom Aussterben bedroht (Status: 1)

Sachsen-Anhalt: stark gefährdet (Status: 2)

Schleswig-Holstein: stark gefährdet (Status: 2)

Thüringen: stark gefährdet (Status: 2)

Verbreitungs-Codes: A, AV, M1, M2

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