„Eriskircher Ried“ – Das Naturschutzgebiet am Bodensee

12 Minuten Lesezeit

Eines der wohl bekanntesten Naturschutzgebiete am Bodensee ist das “Eriskircher Ried“. Vor allem durch die Blüte der sibirischen Iris auf einigen Flächen im Ried ist es sehr bekannt geworden. Bereits Anfang bis Mitte Mai öffnen sich die Blüten der wunderbar aussehenden Pflanze.

Sie ist vor allem auf die feuchten Wiesen zwischen dem Schilf angewiesen. Es handelt sich um eine der zwei Vertreterinnen der Schwertlilien die im Ried anzutreffen sind. Auch die gelb gefärbte Sumpf-Schwertlilie ist auf den Wiesen zu finden.

Die gelbe Sumpf-Schwertlilie im Eriskircher Ried

Informationen über das Naturschutzgebiet am Bodensee

Beim Eriskircher Ried handelt es sich um ein wichtiges Naturschutzgebiet zwischen der Mündung der Schussen und der Rotach. Es hat eine Gesamtgröße von rd. 550 Hektar. Durch die weitgehend unberührte Uferlinie und ausgedehnten Riedwiesen handelt es sich um ein Rückzugsort für eine Vielzahl von Pflanzen (ca. 600 verschiedene Arten) und Vögel. Auch die Altarme der Schussen haben sich zu einer selten gewordenen Biotopart entwickelt. Sie dienen verschiedenen Wasservögeln als Brut- oder Rastplatz.

Von Mitte Mai bis Anfang Juni öffnen sich die Blüten der sibirischen Schwertlilie und färben die Riedwiesen in einem blau-violetten Schimmer. Auf den teilweise etwas angehobenen Flächen wachsen Pflanze die sich an die Trockenheit angepasst haben. So ist hier zum Beispiel der Wundklee mit seinen kleinen gelben Blüten häufig anzutreffen.

Die abwechslungsreiche Landschaft des eriskircher Ried zwischen dem Schilfgürtel, den Riedwiesen und den Wäldern der Schussen bildet eine fast einzigartige Mischung zwischen nährstoffreichen und nährstoffarmen Flächen. Vor allem die Schussen bringt bei Überflutungen / starkem Regen viele Nährstoffe an die Mündung. Hierdurch gedeihen auf diesen Flächen vor allem die nährstoffliebenden Pflanzen. Die Riedflächen sind vor allem für konkurrenzschwache Arten wie das fleischfarbene Knabenkraut – eine einheimische Orchidee – bekannt.

Durch die regelmäßige Mahd im Herbst auf den Riedflächen wird die offene Riedfläche gepflegt. Diese würde ansonsten durch die schnell wachsenden Weiden wortwörtlich überwuchert. Auch ohne die frühere „traditionelle Bewirtschaftung“ wurden die Riedwiesen frei von Bäumen und Sträuchern gehalten.

Inmitten des Rieds ist das Eriskircher Strandbad. Im Sommer wird es als Freibad / Zugang zum Bodensee genutzt. Die gebührenpflichtigen Parkplätze am Strandbad bilden aber oft auch den Ausgangspunkt für Wanderungen durch die Riedlandschaft.


Naturschutzzentrum in Eriskirch

Eine wichtige Rolle in der Erhaltung des Eriskircher Ried und zur Information für Interessierte bildet das Naturschutzzentrum von Eriskirch. Es ist im ehemaligen Gebäude des Bahnhofs beheimatet. Es werden hier unter anderem Ausstellungen zum Ried sowie Veranstaltungen / Führungen durch das Ried angeboten (hier zu finden). Ein Besuch lohnt sich vor allem zu den „Irisblütenführungen“.


Probleme des Naturschutzgebietes

Neben den schönen Seiten des Eriskircher Riedes gibt es auch einigen Schattenseiten. Der folgende Abschnitt soll einen Überblick über die Probleme und Lösungen geben.


1. Trampelpfade durch die Schutzflächen

Seit mehreren Jahren kann in allen Teilen des Eriskircher Rieds immer mehr beobachtet werden, dass während der Irisblüte sich regelrechte Trampelpfade, manchmal auch schon kleinere Wege durch die Riedwiesen bilden. Hierdurch wird nicht nur der Mikrokosmos der Insekten und Pflanzen „zerstört“ sondern diese bilden auch einen Eingriff in die Natur. Die violetten Blüten der sibirischen Iris sind für Fotos wunderschön. Die Pflanzen werden aber durch die zunehmende Bodenverdichtung von den Flächen regelrecht verdrängt! Invasive Arten können sich so noch leichter Ausbreiten. Zum Teil liegen die Flächen (vor allem am Wegkreuz auf dem Weg zum Strandbad) vollständig brach, da hier selbst die resistentesten Gräser verdrängt werden. Zurück bleiben nur noch wenige Pflanzen, die sich auf diese Bedingungen angepasst haben.

Meine eigene Meinung – Ein Wort an die jüngere Generation: Das unrechtmäßige Betreten von Schutzgebieten sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn ist ein Gebiet nicht mit „Wegen“ ausgebaut, gilt immer der gute Vorsatz: „Diese Gebiet betrete ich nicht!“ Gleiches gilt somit auch für die Riedflächen im Eriskircher Ried. Hier sollte man auch auf den Wegen bleiben! Denn keine Anzahl an Likes und Followern kann uns eine „vom Aussterben bedrohte“ Art zurückbringen. Geht also immer davon aus, das es die letzte Pflanze ihrer Art sein könnte.

So verlockend auch das Selfie mit einer Blütenpracht sein kann, führt jeder Schritt abseits der Wege zu einem Verlust an Biodiversität (Artenvielfalt). Denn wo ein Schritt ist werden noch viele weitere folgen. Auch wenn seltenen Pflanzen wunderschöne Fotomotive abgeben können gilt immer noch der Grundsatz: „Ich bleibe auf den Wegen. Denn ich möchte die Pflanzen auch für nachfolgende Generationen schützen.“

Denn sollen unsere Kinder die Pflanzen nur noch in Biologie-Büchern kennenlernen?

Michael Richter

2. Belastung durch die Ausbreitung von Neophyten

Die kanadische Goldrute (Solidago canadensis) ist in den letzten Jahren zu einem starken Problem des gesamten Gebiets geworden. Durch die wenigen Eingriffe des Menschen in die geschützten Flächen konnte sich die Pflanze fast ungestört ausbreiten, denn nicht alle Flächen können während der Irisblüte komplett gemäht werden. Dies ist aber genau die Zeit in der die Goldrute ihr größtes Wachstum hat. Wer selbst schon einmal diese Pflanze im eigenen Garten hatte, weiß wie schwer es ist sie wieder „loszuwerden“. Sie breitet sich zudem sehr schnell in den Wiesen aus und gilt somit als ein invasiver Neophyt.

Es scheint somit unvermeidbar zu sein, die Mäharbeiten während der Blüte durchzuführen. „Sie müssen somit zu der leider unpassenden Zeit zwingend durchgeführt werden.“ Hierdurch werden die gleichzeitig auch die Flächen mit den Irispflanzen belastet.

Das Naturschutzzentrum Eriskirch schreibt hierzu: „Mäharbeiten während der Irisblüte??? Ja! Sie wurden durchgeführt, um die vom Menschen eingebürgerte amerikanische Goldrute zurückzudrängen. Dies erfolgt durch eine Mahd Mitte Mai, wenn die Pflanze austreibt, und dann nochmals etwa zwei Monate später. Wenn man nichts gegen die Goldrute unternimmt, kann diese die wertvollen Riedwiesen überwuchern und seltene heimische Arten verdrängen. Bitte betreten Sie auch die gemähten Flächen nicht, sonst werden kleine Iris-Pflanzen zertreten und der Boden verdichtet. Danke! Ihr Naturschutzzentrum Eriskirch“

Möglicher Lösungsvorschlag für das Problem

Das Ausreißen der Pflanze zusammen mit dem ausgraben der Wurzeln ist wohl die einzige Möglichkeit die Ausbreitung der Pflanze nachhaltig einzudämmen. Aber diese Methode hat nicht nur Vorteile. Das Ausreißen von einzelnen Pflanzen wie es in manch anderen Gebieten mit dem drüsigen Springkraut (Impatiens glandulifera – im Volksmund auch als Indischen Springkraut bekannt) und dem Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) getan wird ist hier auch keine Lösung. Würden die Maßnahmen durch eine Vielzahl von Helfern durchgeführt werden, besteht hier wieder die Gefahr den Boden zu sehr verdichten. Es würde somit mehr Schaden gegen die Iris (welche flache Wurzeln bilden) angerichtet werden. Eine spätere Mahd nach dem verblühen der Iris und den Knabenkräutern wäre eine schonendere, wenn auch weniger effektive Methode der Bekämpfung der Goldrute.


3. Problem des Verlusts der Biodiversität: Unfreiwillige Opfer der Mahd

Durch die teilweise sehr frühe Mahd Mitte Mai / Anfang Juni werden nicht nur die ungewollten Pflanzen wie kanadische Goldrute und japanischer Knöterich abgemäht. Zum Teil werden auch die schützenswerten Bestände der seltenen Orchideen dezimiert. Sie fallen für das Jahr der Mahd zum Opfer. Sie werden im nächsten Jahr wieder austreiben. Aber allzu oft sollte man diese Prozedur den Pflanzen nicht zumuten, da sie sehr stark auf Veränderungen reagieren.

Die Bilder zeigen das fleischfarbene Knabenkraut eine in Deutschland bereits als „stark gefährdet“ eingestufte Orchidee. Das Eriskircher Ried hat einen größeren Bestand der Pflanze. Durch die Mahd auf den Wiesen wurden aber auch unbeabsichtigt einige der Orchideen abgemäht. Das radikale Abmähen ist aber dennoch notwendig um alle Pflanzen zu schützen.


4. Betreten der (frisch) gemähten Wiesen

Neben dem Problem des Betretens von einzelnen Teilen des Schutzgebietes kommt auch noch das Betreten der teilweise frisch gemähten Wiesen hinzu. Dabei ist das Betreten der (frisch) gemähten Wiesen in keiner Weise eine gute Idee. Die Menschen werden aber weiter dazu angespornt, da die Blüten jetzt „einfacher“ zu erreichen sind. Hierdurch werden aber die jungen, frisch austreibenden Pflanzen beschädigt. Immer wieder kann man beobachten, dass die abgemähten Wiesenteile zu beliebten „Fotoplätzen“ werden. Aber keine Anzahl an Likes für Foto kann diese Zerstörung rückgängig machen! Wo ein Schritt ist, werden viele folgen. Es wird als „in Ordnung angesehen“ die Flächen zu betreten, da andere dies auch tun.

Es gilt immer noch die Regel: „Nicht die Wege verlassen!“


5. Ausgraben oder abpflücken von Pflanzen

Als letztes Problem (es gibt bei weitem noch mehr Probleme) kann das ausgraben oder abpflücken von Pflanzen angesehen werden. Jede der Pflanzen hat sich auf das spezielle, im Ried herrschende Mikroklima angepasst. Hierdurch bringt das ausgraben und pflanzen im heimischen Garten nichts! Dennoch gibt es einzelne Fälle in denen Pflanzen aus dem Naturschutzgebiet entnommen werden; manchmal auch nur als „schöner Blumenstrauß“. Dies ist in jedem Fall strengstens untersagt!


Verhalten in Naturschutzgebieten

Die Knigge und das richtige Verhalten in Naturschutzgebieten kann in diesem PDF noch einmal nachgelesen werden. Sie ist wichtig um die Bestände der teilweise bedrohten Pflanzen auch für künftige Besucher und die künftige Generation zu erhalten!

PDF – Verhalten in Naturschutzgebieten
roter Hintergrund, weiße Schrift - Verhaltensregeln in Naturschutzgebieten - Vorschau für das PDF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.